Lengnau
Neuer SP-Grossrat David Burgherr: Innerlich und äusserlich ein Sozialdemokrat

David Burgherr wird am Dienstag als Grossrat vereidigt. Wer ist der SP-Mann aus dem Zurzibiet?

Daniel Weissenbrunner
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David Burgherr im Klassenzimmer in Niederweningen: Der 45-Jährige will sich in Aarau für die Arbeitnehmer, die KMU und Familien stark machen.

David Burgherr im Klassenzimmer in Niederweningen: Der 45-Jährige will sich in Aarau für die Arbeitnehmer, die KMU und Familien stark machen.

Alex Spichale

Im Parlamentssaal in Aarau an der Oberstadt Nummer 10 findet sich heute ein gewisser Herr Burgherr ein. Nicht Thomas, bis 2015 Vertreter im Grossen Rat. Wer vermutet, der SVP-Kantonalpräsident und mittlerweile Nationalrat könnte seiner alten Wirkungsstätte einen Besuch abstatten, irrt.

An der ersten Sitzung nach den Sommerferien gehört also nicht dem rechten Thomas die volle Aufmerksamkeit, sondern dem linken David. Der Lengnauer David Burgherr wird als neuestes Mitglied des Grossen Rats vereidigt. Burgherr rückt für die Bad Zurzacherin Monika Stadelmann nach, die aus persönlichen Gründen ihr Amt zur Verfügung stellte.

Im Unterschied zu seinem bekannten Namensvetter ist David Burgherr weitgehend ein noch unbeschriebenes Blatt. Der gebürtige Zürcher, der in der Nähe von Winterthur aufgewachsen ist, betrat erst vor fünf Jahren die politische Bühne. Seither geht es dem 42-Jährigen nicht schnell genug. Burgherr ist inzwischen Präsident der SP Sektion Surbtal, er sitzt im Vorstand der Zurzibieter Sozialdemokraten und veranstaltet häufiger als andere Podiumsdiskussionen. Dass er relativ spät politisch ins Geschehen eingegriffen hat, erklärt sich nicht aus mangelndem Interesse. «Es hat sich nicht früher ergeben», sagt er.

Das politische Rüstzeug bekam Burgherr indes früh mit auf den Weg. Seine Eltern führten einen KMU-Betrieb. Da gehörten kontroverse Diskussionen im Tisch zur Tagesordnung. Später, als er im Kreis 4 in Zürich, nahe der berüchtigten Langstrasse, als Sekundarlehrer arbeitete, lagen gesellschafts- und sozialpolitische Themen buchstäblich auf der Strasse. Der Auslöser, sich aktiv zu engagieren war schliesslich sein Umzug nach Lengnau vor fünf Jahren. Dass ausgerechnet die Surbtaler Gemeinde sein neuer Lebensmittelpunkt werden sollte, hatte private Gründe. Seine Frau Angela stammt aus Lengnau. Hier bewohnt das Paar ein Einfamilienhaus.

Im besten Sinne ein Linker

David Burgherr ist in bestem Sinne ein Linker und ein Netter – und das ohne Hintergedanken. Sein Äusseres verrät die ideologische Ausrichtung. Er entspricht dem gängigen Erscheinungsbild eines Sozialdemokraten: Die Brille mit schwarzer Umrandung und der Fünftagebart verleihen ihm einen intellektuellen Touch. Wer mit dem Oberstufenlehrer, der heute in Niederweningen im Zürcher Wehntal unterrichtet, ins Gespräch kommt, bemerkt schnell, dass Burgherr einer ist, der seine Worte mit Bedacht wählt und durch Eloquenz auffällt.

Er sei «ruhig, klug und loyal», und nehme sich für die Leute und deren Anliegen Zeit, bescheinigen ihm seine Wegbegleiter. Negative Stimmen über David Burgherr zu finden, ist schwierig, was auch mit seinem fehlenden Bekanntheitsgrad zusammenhängen dürfte. Kritik erntete er allerdings letztes Jahr, als er in Kleindöttingen ein Podium über die Zukunft der Jugendarbeit im unteren Aaretal organisierte, in Abwesenheit der betroffenen Gemeindevertreter.

Susanne Keller, Präsidentin der zuständigen Betriebskommission, unterstellte Burgherr damals, den Anlass für seine Ambitionen auf einen Grossratssitz zu verwenden. Burgherr bestreitet den Vorwurf, er habe die Verantwortlichen übergangen.

Für ihn dürfte jenes Rencontre ein kleiner Vorgeschmack gewesen sein. Als neuer Zurzibieter Grossrat wird er unter genauerer Beachtung stehen. Insbesondere dürfte er an dem gemessen werden, was er in seinem Wahlversprechen abgegeben hat: Sich für Arbeitnehmer, KMU und Familien einsetzen sowie sich in die Energiedebatte einbringen. Anliegen, die im Übrigen auch in Thomas Burgherrs politischer Agenda zuoberst zu finden sind.