Leibstadt
Nationalrat Knecht will keine Luxuslösung für den Dorfbach – der Gemeinderat schon

Hansjörg Knecht, SVP-Nationalrat aus Leibstadt, spricht sich gegen die Sanierungs-Variante des Gemeinderats aus. Diese koste den Kanton zu viel. Der Gemeinderat empfiehlt dagegen die teurere der beiden Varianten. Letztendlich entscheidet das Leibstadter Volk an der nächsten Gmeind.

Andreas Fretz
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Die Variante «Oberdorfstrasse/Leuggernstrasse» (oben) und die Variante «Oberdorfstrasse/Vogelmatt»

Die Variante «Oberdorfstrasse/Leuggernstrasse» (oben) und die Variante «Oberdorfstrasse/Vogelmatt»

Aargauer Zeitung

An der heutigen Gemeindeversammlung ist ein Thema traktandiert, das die Gemüter in Leibstadt schon länger bewegt. Die Sanierung des Dorfbachs polarisiert so sehr, dass sich unlängst sogar Nationalrat Hansjörg Knecht in die Diskussion einschaltete. «Der Gemeinderat schlägt mit dem Einverständnis des Kantons eine Luxuslösung vor, die rund eine Million teurer ist als die einfache Variante», sagte Knecht in der az vom 20. Mai. Und weiter: «Für die Gemeinde sind die Mehrkosten bescheiden, den grössten Teil übernimmt der Kanton. Auf diese Weise das Geld aus dem Fenster zu werfen, geht in der heutigen Zeit einfach nicht mehr.»

Ob es an der «Gmeind» zum Schlagabtausch zwischen dem Leibstadter Mühle-Besitzer Hansjörg Knecht und dem Gemeinderat kommt, ist offen. Knecht weilte gestern offenbar im Tessin und war nicht erreichbar.

Hintergrund von Knechts Äusserung: An der «Gmeind» vor einem Jahr wurde das «Vorprojekt Sanierung Oberdorfstrasse mit Varianten Dorfbach» bewilligt. Heute, ein Jahr später, werden der Bevölkerung zwei Varianten vorgestellt. Die Variante «Oberdorfstrasse/Leuggernstrasse» kostet insgesamt 6,99 Millionen Franken, wovon 4,542 auf die Gemeinde entfallen. Die Variante «Oberdorfstrasse/Vogelmatt» kostet 6,13 Millionen Franken, wovon die Gemeinde 4,42 Millionen zu tragen hätte.

Geschichtsträchtig

Bächlein war Grenzfluss

Der Dorfbach hat eine grosse Geschichte. Mit der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen 1415 mutierte das Bächlein zum «Grenzfluss» zwischen dem eidgenössischen Untertanengebiet der Grafschaft Baden und dem vorderösterreichischen Fricktal. Diese Landesgrenze, die bis 1803 Bestand hatte, trennte auch die Ortschaften Ober- und Unterleibstadt, die erst 1866 vereinigt wurden.

Der Gemeinderat empfiehlt an der Gemeindeversammlung die teurere Variante zur Annahme. Obwohl diese insgesamt 860 000 Franken mehr kostet, muss die Gemeinde nur 122 000 Franken draufzahlen. «Wir haben uns für diese Variante entschieden, weil sie das Ortsbild aufwertet, weil es eine Begegnungszone gibt und der heute eingedolte Bach wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung rückt», sagt Gemeinderat Ferdinand Vögele. Zusammen mit dem Neubau der Oberdorfstrasse ermögliche die Bachöffnung auch eine bessere Gliederung des Strassenraums.

Auch der Gemeinderat hat sich anlässlich einer Vorinformation vor rund zwei Wochen zum Traktandum geäussert. Die Stimmungslage in der Bevölkerung sei schwer abzuschätzen, sagt Vögele. «Etwa die Hälfte ist dafür, die andere Hälfte dagegen. Das Volk entscheidet. Es wäre schön, wenn es unsere Variante annehmen würde.» Ob mit oder ohne Knecht: Es wird eng an der Leibstadter «Gmeind».