Unteres Aaretal
Nächste Runde im Poker um die Oberstufe

Die Schulpflege der Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA) geht in die Offensive: Sie stellt das von der politischen Behörde abgelehnte Konzept nun der Bevölkerung vor.

Daniel Weissenbrunner
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Geht es nach den Vorstellungen der OSUA, wäre das Schulhaus Schützenmatt in Klingnau auch künftig Bez-Standort. (Archiv)

Geht es nach den Vorstellungen der OSUA, wäre das Schulhaus Schützenmatt in Klingnau auch künftig Bez-Standort. (Archiv)

Angelo Zambelli

Die Lage ist angespannt: Bei den politischen Behörden, in den Schulgremien und natürlich in der Bevölkerung. Im unteren Aaretal fragen sich besorgte Eltern, wo ihre Kinder in Zukunft in die Oberstufe gehen werden. Kleindöttingen, Klingnau, Leuggern oder gar nach Bad Zurzach? Die Mutter eines Primarschülers aus Klingnau beschreibt den Zustand als äusserst unbefriedigend. «Man verliert die Übersicht.» Und: Man werde den Eindruck nicht los, dass im Bestreben nach der künftigen Ausrichtung mehr gegeneinander gearbeitet werde, statt eine gemeinsame Lösung zum Wohle der Schüler zu finden.

In dieses Bild passt die Öffentlichkeitsarbeit des neuen Gemeindeverbands Oberstufe Aaretal (OSA) vor wenigen Tagen. Die offizielle Mitteilung entsprach nicht den internen Abmachungen. Es folgte umgehend eine Richtigstellung des Gemeinderats aus Klingnau, der einzelne Formulierungen im Text beanstandete und dem ausserdem wichtige inhaltliche Punkte fehlten. Die Kritik richtete sich an Böttsteins Ammann Patrick Gosteli, der das Communiqué offenbar verfasst hatte. Dieser antwortete seinerseits mit einer Richtigstellung. Er hielt fest, dass die Mitteilung durch sämtliche anwesenden Gemeindeammänner in dieser Form abgesegnet worden sei.

Unmut hat indessen nicht nur in der OSA angestaut. Auf heftigen Widerstand stösst das Projekt seit längerem bei der Schulführung der Kreisschule Oberstufe unteres Aaretal (OSUA). Zur Erinnerung: Im letzten Herbst zog sie sich aus den Gesprächen zurück und entwickelte daraufhin einen Alternativvorschlag mit sämtlichen Schultypen (Bez, Sek, Real) unter einem Dach in Klingnau. Sie legte ihn den Exekutiven der OSUA-Gemeinden Döttingen, Klingnau und Koblenz vor. Diese lehnten das Konzept ab und gaben dem eigenen Modell den Vorzug.

Veranstaltung Ende Oktober

Nun ergreift die OSUA ihrerseits wieder die Initiative: Am 26. Oktober will sie die Öffentlichkeit von ihrem Plan überzeugen. «Über den Bezirksschulstandort der Oberstufenschulen im unteren Aaretal hängt ein Damoklesschwert», sagt Thomas Angst, Präsident der zuständigen Kreisschulpflege. Die Zeit drängt: Der Regierungsrat wird das neue Schulgesetz spätestens ab Schuljahr 2022/23 umsetzen. Bereits im nächsten Jahr dürften hierzu die entsprechenden Weichen gestellt werden.

Keine finanziellen Mehrkosten

Es sei höchste Zeit, dass ein endlich ein breiter politischer Prozess in Gang gesetzt werde, sagt Angst. «Es würden mit dem Alternativvorschlag der OSUA und der Testplanung der Bau- und Nutzungsordnung der Stadt Klingnau zwei voneinander losgelöste Themen miteinander vermischt, was für zusätzliche Verwirrung sorgt.»

Die OSUA ist überzeugt, dass ihr Konzept die grösseren Vorteile für den Schulstandort im Aaretal bringt. Vor allem deshalb, weil der vorliegenden Variante neben den Aspekten der Schulqualität keine finanzielle Nachteile entstünden. «Das Schulgeld wäre für alle Gemeinden tiefer. Die Stadt Klingnau hätte mit der OSA-Variante zudem beträchtliche Einnahmeeinbussen von jährlich mehreren hunderttausend Franken zu verschmerzen», so Angst.

Damit das bewährte Schulmodell der OSUA beibehalten und gleichzeitig die Bezirksschulstandortfrage gelöst werden kann, müsste auf dem Areal des Schulhauses Schützenmatt in Klingnau ein zusätzlicher Pavillon mit vier Klassenzimmern errichtet werden. «Mit eineinhalb Millionen Franken läge diese Investition in der Grössenordnung, die auch für das OSA-Projekt nötig würden», sagt Thomas Angst.

Die Kreisschule weist in ihrem Papier ausserdem darauf hin, dass bei einer Abkehr des derzeitigen Modells, 70 Prozent der Schüler «wegtechnische Verschiebungen» in Kauf nehmen müssten. Beim eigenen Vorschlag würde es nur jeden dritten Schüler betreffen.