Bezirksgericht Zurzach
Nachbar klagt Rentner wegen eines Parkverbots an, das es gar nicht gibt

Vor dem Bezirksgericht Zurzach wurde die ebenso unglaubliche wie langwierige Geschichte eines Strafbefehls wegen Parkieren im Parkverbot verhandelt.

Rosmarie Mehlin
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In Rekingen treibt ein Nachbarschaftsstreit seltsame Blüten.

In Rekingen treibt ein Nachbarschaftsstreit seltsame Blüten.

Mario Heller

Im 1000-Seelenort Rekingen führt eine schmale Sackgasse zu einer Reihe von Einfamilienhäusern mit gemeinsamer Tiefgarage. «Die Gasse ist mit keinem Parkverbot belegt», tat René Lippuner, der Chef der Regionalpolizei Zurzibiet, dem Einzelrichter kund. Er war dorthin als Zeuge vorgeladen.

Beschuldigter war ein Rentner aus Rekingen. Dem war im Juli 2015 ein Strafbefehl ins Haus geflattert: «80 Franken Busse plus 200 Franken Strafgebühr wegen Parkieren im Parkverbot» hatte darauf gestanden. Als Tatort war jener Weg aufgeführt, von dem Lippuner berichtet und an dem der Angeklagte wohnt. Als Tatzeitpunkt ein Tag im Juli 2014.

Der Rentner hatte zwei Wochen nach Erhalt des Strafbefehls Einsprache erhoben. Im Juni dieses Jahres hatte die Staatsanwältin den Strafbefehl ans Gericht überwiesen. Am Dienstag nun musste der Angeklagte vor Einzelrichter Cyrill Kramer vortraben.

Nachbar als Videofilmer

Zeuge Lippuner führte aus, dass die Polizei schon länger Kenntnis habe von «Diskussionen im besagten Quartier». So habe der zuständige Gemeinderat im November 2014 die Regionalpolizei aufgefordert, ein Augenmerk auf die Zustände in der Sackgasse zu haben. «Wir haben daraufhin vermehrt Kontrollen durchgeführt.» Auch Videoüberwachung? «Nein, das war nie ein Thema.»

Nun liegt aber aus einem Video ein Standfoto von einem in besagter Gasse parkierten Auto vor. Mit dem Foto in der Hand hatte ein Nachbar bei der Polizei Anzeige erstattet.

Der Beschuldigte reagierte vor dem Einzelrichter, erstens gehöre das Auto seiner Frau und zweitens parkiere weder sie noch er jemals auf dem Weg.

Draussen vor dem Gerichtssaal berichtete der Beschuldigte, dass sein Nachbar ihm seit Jahren das Leben erschwere und ihn unter anderem mit Video überwache. Zwecks Einvernahme habe er in Bad Zurzach bei der Polizei und in Brugg bei der Staatsanwältin vortraben müssen.

Man sieht sich bald wieder

Am Dienstag nun - nach 25 Monaten - hat sich der «Fall» mit dem Urteil des Einzelrichters erledigt: Der Beschuldigte wurde freigesprochen. Dies allein schon, weil er sich mangels Parkverbotes nicht des «Parkierens im Parkverbot» hatte schuldig machen können.

Damit verliess der Angeklagte den Gerichtssaal, den er aber nicht zum letzten Mal betreten hatte. Am Montag werden der Rentner aus Rekingen und sein Nachbar wegen Beschimpfung, Drohung, Tätlichkeiten gemeinsam vor dem Einzelrichter stehen, ganz nach dem Motto «es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt».