Mellikon
Nach tödlichem Silo-Unfall: Angehörige kritisieren die Pfarrei Bad-Zurzach

Im Mai sind zwei Männer in Mellikon in einem Futtersilo erstickt. Der ehemalige Lektor und der Vater des einen Verstorbenen kritisieren jetzt die mangelnde Unterstützung der Pfarrei Bad-Zurzach. Der Pfarrer weist die Vorwürfe zurück.

Samuel Buchmann
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In der katholischen Pfarrei St. Verena in Bad Zurzach – auf dem Bild ihre Pfarrkirche, das Verenamünster – ist es zu einem Eklat gekommen.

In der katholischen Pfarrei St. Verena in Bad Zurzach – auf dem Bild ihre Pfarrkirche, das Verenamünster – ist es zu einem Eklat gekommen.

Angelo Zambelli

Die katholische Pfarrei St. Verena Bad Zurzach steht in der Kritik: Nach dem tödlichen Unfall in Mellikon, bei dem zwei Männer in einem Futtersilo erstickt waren, hätten die Angehörigen nicht die gewünschte seelsorgerische und organisatorische Unterstützung erhalten.

Dies schreiben Thomas Gass, ehemaliger Lektor der Pfarrei, und Guido Jetzer in Leserbriefen in der «Botschaft». Jetzer ist Melliker Gemeinderat und Vater des einen Verstorbenen. Damit nicht genug: Als Thomas Gass wegen der mangelnden Unterstützung den Kontakt zum ehemaligen Pfarrer vermittelte, wurde er vom neuen Pfarrer Raimund Obrist von seinem Posten entbunden.

«Ich bin enttäuscht von der katholischen Kirche», sagt Jetzer gegenüber dem BT. Nach dem Unfall am Montagmorgen hätten die Angehörigen am Dienstag keine Rückmeldung der Pfarrei mehr erhalten. «Ich hätte mir erhofft, dass die Pfarrei aktiv auf uns zugeht und das Gespräch sucht. Insbesondere, um organisatorische Dinge zu klären.» Ob ein solches Gespräch unmittelbar am Tag nach dem Unfall oder erst später stattgefunden hätte, wäre gar nicht so wichtig gewesen, sagt Jetzer. «Aber dass wir einfach gar nichts mehr hörten und im luftleeren Raum hingen, finde ich schade.»

Dies beklagt auch Thomas Gass in seinem Leserbrief: «Eine Trauerfamilie erhielt vom katholischen Pfarramt Bad Zurzach anfänglich nicht die erwartete Hilfe. Daraufhin entschlossen sich beide Trauerfamilien, für die Durchführung der Abdankungsfeier den ehemaligen Pfarrer Urs Zimmermann anzufragen.» Da Gass diesen kennt, stellte er den Kontakt her. «Aufgrund dieser Hilfeleistung wirft mir Pfarrer Obrist nun illoyales Verhalten gegenüber seiner Person vor», schreibt Gass. Er sei daraufhin von seinem Posten als Lektor und Kommunionshelfer entbunden worden. Er entschloss sich daraufhin, mit den Ereignissen an die Öffentlichkeit zu gehen.

Dabei erhält er Rückendeckung von Guido Jetzer. «Für mich als Privatperson wäre die Sache abgeschlossen gewesen, ich hätte es als schlechte Erfahrung verbucht. Doch ich finde es nicht richtig, dass Thomas Gass nun darunter leiden muss, nur weil er uns in dieser schwierigen Zeit geholfen hat», sagt er gegenüber dem BT. Ob tatsächlich nur die Kontaktvermittlung zu Alt-Pfarrer Urs Zimmermann zu Gass’ Kündigung führte, wisse er nicht. «Aber auf jeden Fall lässt der Zeitpunkt der Kündigung das nötige Fingerspitzengefühl vermissen.»

Pfarrer weist Vorwürfe zurück

Raimund Obrist – der Pfarrer, gegen den sich die Vorwürfe hauptsächlich richten – wehrt sich auf Anfrage gegen diese Darstellung. «Dass die Angehörigen keine seelsorgerische Unterstützung erhalten haben sollen, muss ich klar zurückweisen. Das stimmt nicht», sagt er. Der Pastoralassistent der Pfarrei sei am Montag in telefonischem Kontakt mit den Angehörigen gestanden. Zusätzlich sei das Care-Team des Kantons im Einsatz gestanden, das auch einen pensionierten Theologen umfasst hatte. «Am Dienstag hat eine unglückliche Verkettung von Umständen dazu geführt, dass sich der Pastoralassistent und die Trauerfamilie verpassten.»

Danach stellten die Melliker den Pfarrer laut seinen Angaben vor vollendete Tatsachen: «Ohne vorher mit mir zu sprechen, organisierten sie eine Gedenkfeier mit dem ehemaligen Pfarrer Urs Zimmermann.» Dass mit Thomas Gass auch einer seiner Lektoren involviert war und er nicht informiert wurde – das sei das übliche Vorgehen in den Pfarreien –, stört Obrist besonders. Dieses Verhalten wertet er als illoyal. «Die Vertrauensbasis für eine weitere Zusammenarbeit ist nicht mehr vorhanden», sagt der Pfarrer. Er bestätigt, dass die Geschichte der Auslöser war, Gass von seinem Ehrenamt als Lektor zu entbinden. Es sei allerdings nur einer von verschiedenen Gründen gewesen. Weiter möchte er nicht ins Detail gehen.

Raimund Obrist bedauert, dass die beiden Melliker direkt Leserbriefe an die Zeitung geschrieben haben, statt zunächst das persönliche Gespräch zu suchen: «Ich habe von den Vorwürfen erst in der Zeitung erfahren. Ich bedauere es ausserordentlich und es stimmt mich sehr traurig, dass der Tod von zwei Personen zu dieser Reaktion geführt hat.»

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