Kaiserstuhl
Nach Schliessung des Laxdal Theaters: Das Kuratorium sucht eine Lösung

Das Zurzibiet verliert einer seiner wichtigsten kulturellen Institutionen. Das Geschäft ist zwar schnelllebig, trotzdem wird nach einer Alternative gesucht. An einem runden Tisch soll die Zukunft des Laxdal-Theaters gesichert werden.

Andreas Fretz
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2015 führte Peter Niklaus Steiner (r.) im Laxdal-Theater Regie bei «Ein Deal à la Hitchcock». Kommt es nun zu einem realen Deal?

2015 führte Peter Niklaus Steiner (r.) im Laxdal-Theater Regie bei «Ein Deal à la Hitchcock». Kommt es nun zu einem realen Deal?

Mit der Schliessung des Laxdal-Theaters Ende Jahr verliert das Zurzibiet eine seiner wichtigsten kulturellen Institutionen (az von gestern). Die Theaterszene zeigt sich nach dem Entscheid überrascht und aufgewühlt. «Das kommt unerwartet und ist hart», sagt Regisseur und Schauspieler Peter Niklaus Steiner. Er inszeniert das letzte Stück, das am Laxdal-Theater aufgeführt wird (Premiere am 15. Oktober).

Seit 2006 arbeitet Steiner regelmässig mit dem Theater zusammen. Er sagt aber auch: «Theater werden gegründet und verschwinden wieder. Das Geschäft ist schnelllebig.» Steiner selbst leitet seit 1990 das Turbine Theater in Langnau am Albis.

Von einem «grossen Verlust» spricht Stadtammann Ruedi Weiss. Vor allem die Umstände lassen ihn etwas ratlos zurück: Es geht um die Frage, ob Tyko Strassen, der das Theater mit Frau Katerina Laxdal leitet, US-Bürger ist oder nicht. Wegen dieser Unklarheit hat die Postfinance das gemeinsame Privatkonto des Ehepaars aufgelöst. Das Erledigen der finanziellen Angelegenheiten sei dadurch extrem kompliziert geworden, erklärte Strassen.

So kompliziert, dass der Zusatzaufwand das Führen des Theaters neben der Berufstätigkeit unmöglich mache. Manche staunen ob dieser Erklärung. Strassen versichert aber, dass es tatsächlich der Zusatzaufwand und nicht etwa eine finanzielle Schräglage sei, die das Paar zu diesem Schritt bewogen habe.

Schliesslich habe man im Frühjahr umfangreiche Erneuerungsarbeiten an der Decke vorgenommen. «Diese hätten wir nicht getätigt, wenn wir gewusst hätten, dass wir den Betrieb noch im gleichen Jahr einstellen müssen», erklärt Strassen.

Stadtammann Weiss wäre es am liebsten, man könnte das bestehende Laxdal-Theater retten. «Vielleicht durch eine andere juristische Form, damit das Risiko gemindert werden kann.» Nach einer Lösung will auch das Aargauer Kuratorium suchen. Es fördert seit Jahren das Laxdal-Theater: 2016 mit 75 000 Franken.

Walter Küng, Vorsitzender des Bereichs Theater und Tanz, ist erschrocken, als er von der bevorstehenden Schliessung hörte. «Es ist wichtig, dass die Kultur im nordöstlichen Kantonsteil weiterleben kann – und nicht nur in Städten wie Aarau oder Baden. Der Aargau ist ein Kanton der Regionen und die Kultur im Zurzibiet darf nicht einschlafen.» Küng sagt, dass sich das Kuratorium mit Leuten, die sich bereits bei ihm gemeldet haben, an einen Tisch setzen wolle.

Strategien und Perspektiven sollen ausgelotet und die Frage geklärt werden, wie das Aargauer Kuratorium unterstützend mitwirken kann. «Vielleicht muss man das Theater neu denken, über Kooperationen oder die künstlerische Ausrichtung diskutieren.»

Dieser runde Tisch wird laut Küng frühestens im November zustande kommen. Küng sagt, dass das Laxdal-Theater im Kaiserstuhler Amtshaus auch unter neuem Namen und neuer Leitung mit Fördergeldern rechnen darf.

Auf den Namen Peter Niklaus Steiner angesprochen, sagt Küng: «Er wäre als Leiter des Theaters denkbar.» Insider halten Steiner für eine naheliegende Lösung. Der Regisseur und Schauspieler gibt sich bedeckt, dementiert aber nicht. «Kurz vor der Premiere gilt meine Konzentration der Arbeit», sagt er. Und: «Als Leiter des Turbine Theaters kann ich mich nicht äussern». Allerdings sagt er auch: «Ich hätte noch Kapazität, um etwas zu machen.»

Tyko Strassen schliesst eine spätere Rückkehr ans Theater aus, wie auch immer die Irrungen und Wirrungen um seine Person ausgehen. Auch den Namen Laxdal-Theater wolle man nicht hergeben. Der Name gehöre seiner Frau, die früher die Frau des verstorbenen Theater-Gründers Jón Laxdal war. Allerdings würde sich die jetzige Leitung bereit erklären, das Equipment gratis an einen Nachfolger weiterzugeben, falls dieser dafür Verwendung findet.