Zurzibiet
Nach OSA-Debakel: Patrick Gosteli tritt aus der IG Bildungsvision zurück

Fünf von acht Stimmbevölkerungen sagten Nein zum neuen Oberstufenverband Aaretal (OSA) mit dem Bezirksschulstandort in Kleindöttingen. Der Bezirk bewegt sich in der Schulfrage nun zurück auf Feld 1.

Andreas Fretz
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Nicht mehr an vorderster Front: Böttsteins Ammann Patrick Gosteli an einer Infoveranstaltung zur Oberstufe Aaretal. pz

Nicht mehr an vorderster Front: Böttsteins Ammann Patrick Gosteli an einer Infoveranstaltung zur Oberstufe Aaretal. pz

Alex Spichale

Das Urteil an den Gemeindeversammlungen fiel vernichtend aus: Fünf von acht Stimmbevölkerungen sagten Nein zur geplanten Gemeindeverband Oberstufe Aaretal (OSA) mit dem Bezirksschulstandort in Kleindöttingen. Mit Rück- und Überweisungsanträgen wurden die Gemeinderäte zurück in ihre Amtsstuben geschickt. Sie mögen, so der Wunsch der Bevölkerung, mit dem Thema Schule beim Regionalplanungsverband Zurzibiet Regio vorstellig werden. Diese übergeordnete Instanz solle sich wieder des diffizilen Themas annehmen und eine Lösung für den ganzen Bezirk – und nicht bloss für eine Talschaft – ausarbeiten.

Gosteli tritt aus IG zurück

Letzte Woche nun meldete sich die Interessengemeinschaft Bildungsvision Zurzibiet zu Wort. Auch sie bemängelt: «Das Thema Oberstufenschule ist brandaktuell, aber eine gemeinsame Strategie für die Schulentwicklung im Zurzibiet fehlt.» Die IG besteht seit dem Frühjahr 2017 und hat mit dem OSA-Aus neuen Schub erhalten. Sie setzt sich aus Personen aus Wirtschaft, Politik und Schulen zusammen. Brisant: Ihr gehörte auch Böttsteins Ammann und SVP-Grossrat Patrick Gosteli an. Doch seit dem OSA-Debakel ist Gosteli nicht mehr dabei. Er hatte sich für die Oberstufe Aaretal stark gemacht, war Leiter der Steuergruppe und hatte sich in diesem Projekt stark exponiert. Doch für einen Neuanfang brauche es neue, unverbrauchte Gesichter. «Die Trennung erfolgte im gegenseitigen Einvernehmen», sagt Martin Landolt, Leiter der IG Bildungsvision Zurzibiet. Für Gosteli rückte Leuggerns Ammann Stefan Widmer nach.

Rückkehr der Arbeitsgruppe?

Die Wünsche der IG decken sich mit jenen der Bevölkerung: Der Gemeindeverband Zurzibiet Regio soll sich wieder dem Thema annehmen. Bereits im Jahr 2015 hatte dieser eine Arbeitsgruppe gegründet. In ihr waren sämtliche Gemeinderäte mit dem Ressort Schule vertreten. Geleitet wurde die Gruppe von einem externen Experten. Doch als die OSA-Gemeinden Mitte 2016 ausscherten, wurde die Arbeit auf einen reinen Informationsaustausch beschränkt. Der Aaretal-Verbund hatte gar die Sistierung der Arbeitsgruppe gefordert. Zurzibiet Regio wurde gewissermassen auf dem falschen Fuss erwischt, stellte sich aber nicht quer. «Zurzibiet Regio nimmt den Vorschlag des unteren Aaretals als subregionale Lösung der Oberstufenschule Zurzibiet zur Kenntnis», hiess es damals in einer Stellungnahme.

Nach dem Scheitern liegen die Hoffnungen nun also wieder beim Gemeindeverband. Die IG möchte, dass die Arbeitsgruppe erneut das Steuer übernimmt. «Sie hat gute Arbeit geleistet», sagt Landolt, der früher im Management der Firma Bombardier tätig war und sich als «Problemlöser» bezeichnet. «Leitgedanke der IG ist eine gemeinsam ausgearbeitete Bildungsvision für das Zurzibiet. Wir setzen uns für je eine Oberstufe in allen drei Talschaften ein.» Derzeit sind es insgesamt vier, gemäss Vorgaben des Kantons also mindestens eine zu viel.

Aus Fehlern lernen

Die IG möchte aber vor allem auch eines: dass aus den Fehlern der Vergangenheit die Lehren gezogen werden. Der OSA wurde vorgeworfen, dass Schulen und Bevölkerung zu spät über das Projekt orientiert wurden. «Ziel muss es sein, dass eine möglichst breite Bevölkerungsschicht diese Bildungsvision mitträgt und diese auch nach aussen vertritt», sagt Landolt. Bewusst wurden nebst Politik und Bildung auch Wirtschaftsvertreter mit ins Boot geholt. Landolt betont: «Die IG hat kein Mandat, aber wir haben Leute mit Einfluss.» So soll ein Netzwerk entstehen, dass die Gedanken der IG in die Öffentlichkeit trägt.

Die nächsten Schritte sehen wie folgt aus:

  • Die IG will Leitsätze für die Oberstufe definieren.
  • Sie will mit Zurzibiet Regio zusammenkommen und aktiv mitarbeiten.
  • Sie will im Bezirk möglichst viele Unterschriften von Unterstützern sammeln und diese gegebenenfalls publizieren.

Ende 2018 sollen klare Vorstellungen zur Schulentwicklung vorliegen. Dann könnte das Thema wieder an den Gmeinden traktandiert werden. Klar erkennbar ist das Streben nach einer selbstbestimmten Lösung. «Andernfalls droht die Fremdbestimmung durch den Kanton», mahnt Landolt.

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