Kleindöttingen
Nach Konkurs: Mietzins nun 40 Prozent tiefer – Ex-«Linde»-Pächter fühlt sich betrogen

Adrian Brantschen schlitterte wegen der hohen Pacht des Landgasthofs in Kleindöttingen in den Konkurs. Nun wundert er sich: Der neue Zins liegt auf einmal 40 Prozent tiefer.

Daniel Weissenbrunner
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Landgasthof «Linde», Kleindöttingen
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Die GmbH des Pächters Adrian Brantschen ging Konkurs – von aussen deutete wenige Tages später nur das Schild «Betriebsferien» daraufhin.
Die GmbH von Brantschen hatte das Restaurant plus 3,5-Zimmer-Wohnung und 15 Zimmer gepachtet und dafür einen monatlichen Zins von 10'000 Franken gezahlt.
Seit Mitte November ist der Landgasthof zur Miete ausgeschrieben - nun aber mit 6000 Franken Mietzins pro Monat. Verwaltungsratspräsident Patrick Gosteli begründet den tieferen Zins mit einem "anderen Mietmodell und einer veränderten Marktsituation".
Neben der Eingangstür befand sich der Schaufkasten mit dieser sympathischen Begrüssung...
... und der letzten Speisekarte. Darin wurden etwa "knackige Sommersalate" angepriesen.
In der Gartenwirtschaft flattern noch rote Tischtücher im Wind.

Landgasthof «Linde», Kleindöttingen

Philipp Zimmermann

Seit Juni ist der Landgasthof Linde im Böttstemer Ortsteil Kleindöttingen geschlossen. Der damalige Pächter musste nach etwas mehr als einem Jahr die Bilanz deponieren. Laut seinen Aussagen brach ihm die hohe Pacht das finanzielle Genick: Adrian Brantschen musste mit seiner Hotel Linde A. Brantschen GmbH Konkurs anmelden. Der monatliche Zins sei mit 10'000 Franken viel zu hoch angesetzt gewesen, beklagt er sich.

Besitzerin der Liegenschaft ist die Landgasthof Linde AG, deren Verwaltungsratspräsident ist Patrick Gosteli, Ammann von Böttstein. Die Aktiengesellschaft, die sich aus einer Gruppe von zehn Unternehmern zusammensetzt, weist den Vorwurf des Mieters zurück. Ein Verwaltungsratsmitglied betonte, dass es sich um marktübliche Pachtzinsen handle.

Adrian Brantschen staunte letzte Woche nicht schlecht, als er auf einem Online-Portal für das Schweizer Gastgewerbe auf einen Eintrag stiess. Seit 15. November ist dort der Landgasthof Linde zur Pacht ausgeschrieben. Monatlicher Mietzins: 6000 Franken, also vierzig Prozent tiefer, als seine damalige Belastung. «Ich fühle mich über den Tisch gezogen», sagt Brantschen und staunt: «Über den Preis liessen die Besitzer nicht mit sich reden, und jetzt das.»

Alles verloren und ruiniert

Die Landgasthof Linde AG begründet ihre Vorgehensweise mit einem neuen Konzept: «Grund war unter anderem ein anderes Mietmodell sowie eine veränderte Marktsituation, deshalb musste der Pachtzins angepasst werden» sagt Gosteli. Adrian Brantschen schüttelt darüber nur den Kopf: «Dieses neue Modell hätte man mit mir ebenfalls besprechen können.» Er vermutet, dass man ihn ganz bewusst loshaben wollte. Für ihn mit verheerenden Folgen: Brantschen hat alles verloren. Er sei ruiniert. Wie es weitergeht, sei völlig unklar: «Ich bin für alles offen, aber unter den gegebenen Umständen wird es schwierig werden.»

Offen ist auch die Zukunft der Linde: Es habe verschiedene Interessenten gegeben, sagt Patrick Gosteli. Aufgrund des laufenden Konkursverfahrens konnten die Anfragen noch nicht beantwortet werden. Er verneint, dass die Mietzinsreduktion mit einem möglichen Zeitdruck zusammenhänge. Auch ein Verkauf der Liegenschaft käme laut Gosteli infrage: «Aber nur, wenn darin ein Gastrobetrieb weitergeführt würde.»

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