Klingnau
Nach Grossbrand: Die Tage der Fischzucht sind gezählt

Nach dem Fischzucht-Grossbrand in Klingnau Anfang Jahr zieht sich die Firma Tegatec schrittweise aus ihrem Kerngeschäft zurück.

Daniel Weissenbrunner
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Fischzucht Klingnau
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 Das im Januar ausgebrannte Lager- und Bürogebäude der Fischzucht in Klingnau (Firma Tegatec von Bernhard Kaufmann) ist vor kurzem abgerissen worden.
Im Untergeschoss befindet sich die eigentliche Zanderzucht, die vom Grossbrand kaum betroffen war.

Fischzucht Klingnau

Philipp Zimmermann

Den 10. Januar 2018 wird Bernhard Kaufmann mit Sicherheit nicht vergessen: An jenem Mittwoch stand seine Gewerbehalle im Klingnauer Industriegebiet Zelgli lichterloh in Flammen. Mit seiner Firma Tegatec betreibt er dort seit über 20 Jahren eine Fischzucht. Kaufmann gilt in der Schweiz quasi als Vorreiter mit der Zucht und dem Verkauf japanischer Koi-Fische und Zander.

Kaufmann hatte bei erster Betrachtung Glück im Unglück: Während die beiden Obergeschosse, in denen sich Werkstatt und Lagerhalle befanden, ein Raub der Flammen wurden, blieben die rund 10 000 Zander im Untergeschoss unversehrt. Die zuständige Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen inzwischen eingestellt. Ursache dürfte ein technischer Defekt gewesen sein.

Von mehreren Positionen aus halten Feuerwehr-Einsatzkräfte am Abend des Grossbrandes Löschschläuche auf das Gebäude.
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In Klingnau ist eine Fischzucht niedergebrannt.
Die Feuerwehr löschte die Flammen noch am selben Abend, stand wegen Glutnestern aber bis nach Mitternacht im Einsatz.
Verletzte gab es keine.
Gleich neben der Gewerbehalle befindet sich die Bahnlinie, etwas oberhalb die Kantonsstrasse in Richtung des Nachbardorfs Koblenz an der deutschen Grenze.
Die Feuerwehr wurde um 18.47 Uhr alarmiert.
Grossbrand in Klingnauer Fischzucht
Der Lieferwagen der Firma mit nicht mehr aktuellem Schriftzug ("Koj-Farm") wurde arg beschädigt. Beim Ausbruch des Feuers stand er näher am Gebäude.
Die beiden Hallen der tegatec GmbH, welche hier in Klingnau eine Fischzucht mit 20'000 Zandern betreibt.
10'000 Zander befanden sich in verschiedenen Becken im Untergeschoss des betroffenen Gebäudes – im Untergeschoss, das doch eine dicke Betonwand getrennt ist von den Obergeschossen.
Die Einsatzleitung der Feuerwehr auf der gesperrten Kantonsstrasse.
Früher verkaufte die Firma von Eigentümer Bernhard Kaufmann Kois, die wertvollsten Fische der Welt. Seit wenigen Monaten haben sie keine solchen mehr im Angebot, dafür ein grosses Angebot an Utensilien für Gartenteiche oder Fischereiutensilien.
Am Gebäude entstand grosser Schaden.
10'000 Zander befanden sich in verschiedenen Becken im Untergeschoss des betroffenen Gebäudes – im Untergeschoss, das doch eine dicke Betonwand getrennt ist von den Obergeschossen.

Von mehreren Positionen aus halten Feuerwehr-Einsatzkräfte am Abend des Grossbrandes Löschschläuche auf das Gebäude.

Philipp Zimmermann

Für den 67-jährigen Unternehmer aus Döttingen hatte der Brand wirtschaftlich dennoch nachhaltige Folgen. Die Aufträge brachen ein. «Die Kunden sind davon ausgegangen, dass wir nicht mehr liefern können», sagt Kaufmann. Die Bestellungen gingen daraufhin signifikant zurück. «Obwohl der Bereich der Zucht nicht betroffen war.»

Grosses Interesse von Firmen

Bernhard Kaufmann nimmt das Malheur nun zum Anlass, um sich unternehmerisch neu auszurichten und die entstandenen Ertragsausfälle aus der Fischzucht zu kompensieren. Die ersten Schritte hat er unterdessen eingeleitet. Seit Kurzem prangt über dem Eingangsbereich der Halle ein grosses Banner. Mit einem innovativen Konzept will er Flächen, sogenannte KMU-Boxen, Kleingewerblern zu einem attraktiven Preis vermieten. Kaufmann glaubt, dass solche Raumangebote bis 100 Quadratmeter einer zunehmenden Nachfrage entsprechen. Bereits hätten Firmen, querbeet durch verschiedenste Branchen, ihr Interesse angemeldet. Fünf Boxen bietet Kaufmann in einer ersten Etappe an. Weitere sollen folgen.

Der Zurzibieter Unternehmer plant nämlich, mittelfristig aus der Fischzucht auszusteigen. Er betont, dass noch nichts spruchreif sei, entsprechende Überlegungen seien aber vorhanden. Kaufmanns Entschluss hängt nicht zuletzt damit zusammen, weil in der Branche ein massives Überangebot bestehe. Als er vor mehr als 20 Jahren mit der Koi-Zucht begann, war er hierzulande der einzige, mittlerweile buhlen rund zwei Dutzend Anbieter um Kundschaft. «Der Markt ist im wahrsten Sinn des Wortes übersättigt», hat er festgestellt. Noch offen ist, ob Bernhard Kaufmann einen Nachfolger findet, der die Zanderzucht weiterführen möchte. Gespräche seien im Gang. Klar ist, dass es keine innerfamiliäre Lösung geben wird.

Sollte es zu keiner Übernahme kommen, könnte die frei werdende Fläche von 1000 Quadratmetern ebenfalls für KMU-Boxen genutzt werden. Bernhard Kaufmann würde so auf seine alten Tage vom Fischzüchter zum Immobilienverwalter. Und er käme seinem Wunsch, künftig mehr Zeit für die Familien zu haben, einen grossen Schritt näher.

Fischzucht Klingnau 1 Tag nach Brand
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 Die beiden Obergeschosse mit Werkstatt und Lager brannten vollständig aus.
 Im Untergeschoss überlebten 9400 von 10'000 Zandern. Nur in eines der 21 Fischbecken lief Löschwasser.

Fischzucht Klingnau 1 Tag nach Brand

Philipp Zimmermann

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