Mellikon
Nach Gedenkfeier-Streit: Ex-Pfarrer und Seelsorger zieht Konsequenzen

Wegen des Streits um die Gedenkfeier des tödlichen Silo-Unfalls von Mellikon zieht sich Urs Zimmermann, der ehemalige Pfarrer, endgültig von seiner Tätigkeit als Seelsorger zurück. «Meine Einsätze sind nicht mehr erwünscht», teilt er mit.

Samuel Buchmann
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Urs Zimmermann steht nicht mehr für Einsätze zur Verfügung. (Archiv)

Urs Zimmermann steht nicht mehr für Einsätze zur Verfügung. (Archiv)

Angelo Zambelli

Der Streit um die Gedenkfeier für die Todesopfer des Silo-Unfalls in Mellikon hat Folgen: Der ehemalige Pfarrer Urs Zimmermann zieht sich vollständig aus seiner seelsorgerischen Tätigkeit zurück, wie er in einer Stellungnahme schreibt: «Die Ereignisse rund um die Trauerfeier machen mir deutlich: Seitens der Zurzacher Seelsorger und seitens einiger Pfarreiangehöriger sind meine Einsätze im ehemaligen Pfarreigebiet nicht erwünscht.»

Zimmermann hatte die Gedenkfeier in Mellikon geleitet – nachdem ihn die Angehörigen darum gebeten hatten. Sie hatten sich von der eigentlich zuständigen katholischen Pfarrei St. Verena Bad Zurzach alleingelassen gefühlt.

Den Kontakt zwischen den Angehörigen und dem alten Pfarrer stellte Thomas Gass, Lektor der Pfarrei, her. Er wurde daraufhin von Pfarrer Raimund Obrist von seinem Posten entbunden, weil er sich «illoyal» verhalten habe.

Dazu schreibt der ehemalige Pfarrer Urs Zimmermann: «Dass Thomas Gass als Sündenbock für das Versagen der Pfarrei hinhalten muss, ist unfair. Seit bald 30 Jahren arbeitet er als Freiwilliger in der Kirchgemeinde mit. Was er jetzt erleben muss, hat er keinesfalls verdient.»

Unbrauchbare Abmachung

Keiner seiner Einsätze nach seinem Abgang als Pfarrer sei «hintenrum» geschehen, schreibt Zimmermann. Zwischen ihm und dem neuen Pfarrer Raimund Obrist habe eine Abmachung bestanden: Auf Wunsch von Angehörigen kann Zimmermann weiterhin als Seelsorger im Pfarreigebiet tätig sein.

Vorher muss er jedoch die Erlaubnis bei der Pfarrei einholen. Dies habe er auch im Fall der Melliker Trauerfeier getan, schreibt Zimmermann. Er räumt jedoch ein, dass Obrist gar keine Wahl hatte: «Wer Angehörigen den gewünschten Seelsorger verbietet, steht als Verhinderer da und verursacht einen Konflikt.» Die Abmachung sei deshalb in diesem Fall unbrauchbar.

Der ehemalige Pfarrer zieht deshalb die Konsequenzen und steht nicht mehr für Taufen, Beerdigungen oder Hochzeiten zur Verfügung. Er respektiere, dass seine Einsätze nicht mehr erwünscht seien. «Ich möchte keinen Unfrieden stiften», schreibt er.

Kirchenpflege steht hinter Pfarrei

Die von Zimmermann geleitete Trauerfeier und die darauf folgende Entlassung von Thomas Gass führte vergangene Woche zu einem Schlagabtausch in Form von Leserbriefen an die «Botschaft», an dem sich Angehörige der Todesopfer, Thomas Gass und auch Sympathisanten von Raimund Obrist beteiligten.

Der Pfarrer selbst sagte danach auf Anfrage des Badener Tagblatts: «Ich habe von den Vorwürfen erst in der Zeitung erfahren. Ich bedauere es ausserordentlich und es stimmt mich sehr traurig, dass der Tod von zwei Personen zu dieser Reaktion geführt hat.» Obrist war gestern nicht für eine weitere Stellungnahme zu erreichen. Auch Urs Zimmermann wollte über seine schriftliche Stellungnahme hinaus keine weiteren Auskünfte geben.

Die katholische Kirchenpflege, die für die Pfarrei St. Verena verantwortlich ist, stellt sich derweil hinter Obrist. Ihr Präsident Thomas Haag schrieb in einer Stellungnahme am Samstag: «Die Kirchenpflege steht nach wie vor zu den Seelsorgern und schätzt ihre Arbeit. Pfarrer und Pastoralassistent haben das Vertrauen der Kirchenpflege.»

Den Entscheid von Urs Zimmermann, sich nun ganz zurückzuziehen, findet Haag richtig. Auf Anfrage sagt er: «In der jetzigen Situation ist das sicher gut, damit Ruhe einkehrt.» Es sei grundsätzlich schwierig für einen neuen Pfarrer, wenn der alte nach wie vor für Einsätze im Pfarreigebiet zur Verfügung steht. «Die Kirchenpflege und die Pfarrei haben das aber zugelassen – den Leuten zuliebe, die zu Urs Zimmermann eine langjährige Beziehung haben.»