Kantonswechsel Fisibach
Nach dem Regierungsrats-Nein: «Wir müssen nun eine Diskussion führen, wohin die Reise gehen soll»

Nach dem Nein des Regierungsrats zu einem Wechsel in den Kanton Zürich ist unklar, wie es mit der Gemeinde weitergeht.

Daniel Weissenbrunner und Pirmin Kramer
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Die Antwort des Regierungsrats ist klipp und klar: Er ist nicht bereit, einen Kantonswechsel von Fisibach zum Kanton Zürich in die Wege zu leiten. «Es gab bei der Beurteilung keine ersichtlichen Gründe, die einen derart grundlegenden Eingriff in die Struktur der Kantone Aargau und Zürich, wie ihn ein Kantonswechsel darstellt, rechtfertigen würden», sagt der zuständige Regierungsrat Urs Hofmann. Grundsätzlich seien die Kantonsgrenzen unveränderlich.

Die Wunsch nach einem Kantonswechsel des 460-Seelen-Ortes wurde an der Gemeindeversammlung am 6. April laut, als die Stimmberechtigten Zusammenschlussgespräche mit neun Zurzibieter Gemeinden ablehnten und überraschend eine Fusion mit der Zürcher Gemeinde Weiach ins Auge fassten. Daraufhin beschloss Fisibach, dem Kanton eine «Voranfrage» zum Wechsel nach Zürich zu stellen.

Gestern also nun die Absage: Gründe für einen möglichen Kantonswechsel könnten gemäss Urs Hofmann beispielsweise die Sprachgrenze sein oder spezielle geografische Gründe mit einer schwierigen verkehrstechnischen Anbindung an den eigenen Kanton.» Von einer besonders stossenden oder unverständlichen Situation könne im Falle von Fisibach aber nicht gesprochen werden. «Weder unter historischen noch unter politisch-sachlichen Aspekten.» Ausser, dass der Ort an der Grenze liege, konnte nichts vorgebracht werden, das die Ausserordentlichkeit begründet hätte», so Hofmann.

Die 460-Einwohner-Gemeinde Fisibach liegt an der nordöstlichen Ecke des Kantons Aargau.
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Im April 2017 hat eine ausserordentliche Gemeindeversammlung dem Antrag zugestimmt, einen Kantonswechel zu Zürich zu prüfen.
Fisibach ist eine ländliche Gemeinde im Bezirk Zurzach und grenzt an den Kanton Zürich sowie an Deutschland. Die Grenze markiert der Rhein.
Die Kinder gehen seit wenigen Jahren im Kanton Zürich zur Schule.
Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 577 Hektaren. Davon sind 269 Hektaren bewaldet, 50 Hektaren überbaut.
Fisibach ist nach dem gleichnamigen Bach benannt.

Die 460-Einwohner-Gemeinde Fisibach liegt an der nordöstlichen Ecke des Kantons Aargau.

Chris Iseli

Felix Vögele, der den Antrag für einen Kantonswechsel an der Gemeindeversammlung gestellt hatte, sagt: «Es war damit zu rechnen, dass der Regierungsrat Fisibach nicht so einfach ziehen lässt.» Um die Idee des Kantonswechsels am Leben zu erhalten, gäbe es die Möglichkeit, eine kantonale Volksinitiative oder entsprechenden Vorstösse im Grossen Rat zu lancieren. Den Entscheid des Regierungsrates anzufechten, komme für ihn aber nicht infrage, sagt Vögele.

Sonderstellung beim Schulstandort

In einem Punkt kommt die Regierung den Fisibachern entgegen: Sie respektiert weiterhin die Verträge, die es den Kindern von Fisibach und auch dem Nachbarstädtchen Kaiserstuhl erlauben, im Kanton Zürich die Schule zu besuchen. Das soll auch dann garantiert werden, wenn es zum Zusammenschluss der Zurzibieter Gemeinden im Rahmen des Projekts «Rheintal+» kommt. «Ich bin darüber erleichtert» sagt Felix Vögele. Bei allen unterschiedlichen Interessen und Meinungen, die es im Dorf aktuell gebe, herrsche Einigkeit, dass der Schulstandort in Zürich bleiben müsse.

«Die Angst, dass der Standort nach einer Fusion mit den Zurzibieter Gemeinden zurück in den Aargau verlegt werden könnte, zählte zu den wichtigsten Gründen für das Nein zum Fusionsprojekt Rheintal+ an der Gemeindeversammlung.» Aus Sicht von Gemeindeammann Marcel Baldinger haben sich die Gespräche mit dem Kanton nur schon wegen der Schulstandort-Frage gelohnt: «Wir haben jetzt Gewissheit und Sicherheit in dieser Frage.»

«Volk muss noch einmal abstimmen»

Wie geht es nun weiter mit Fisibach? «Für mich ist klar, dass das Volk nochmals die Möglichkeit haben muss, sich in einer Abstimmung zur Zukunft der Gemeinde zu äussern», sagt Marcel Baldinger. Die Variante eines Kantonswechsels habe nie grosse Chancen gehabt und sei nun noch kleiner geworden. «Ich würde es begrüssen, wenn die Abklärungen für einen Zusammenschluss mit den Zurzibieter Gemeinden gemacht würden. Denn wir müssen Vor- und Nachteile kennen, bevor wir entscheiden, ob wir autonom bleiben möchten oder nicht», sagt der Gemeindeammann.

Felix Vögele spricht seinerseits von einer Identitätskrise im Ort. «Es gibt drei Lager: Einige wollen sich dem Kanton Zürich anschliessen, andere den Zurzibieter Rheintal-Gemeinden, manche wollen gar nichts ändern. Wir müssen nun eine intensive Diskussion führen zur Frage, wohin die Reise gehen soll.»