Handball
Nach dem Aufstieg erlebt der TV Endingen harte Rückschläge – doch wie reagieren?

Vier Spiele, vier Niederlagen und zwei verletzte Führungsspieler. Der TV Endingen erlebt nach dem Aufstieg in die Nationalliga A eine harte Landung. Doch wie reagieren?

Andreas Fretz
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Schulterverletzung Nemanja Sudzum (Mitte) muss im Cup-Spiel gegen Möhlin vom Platz und wird dem TV Endingen vier bis sechs Monate fehlen.

Schulterverletzung Nemanja Sudzum (Mitte) muss im Cup-Spiel gegen Möhlin vom Platz und wird dem TV Endingen vier bis sechs Monate fehlen.

awa/archiv

Die neue Saison hat kaum Fahrt aufgenommen, schon stellt sich beim TV Endingen die Frage, ob er auf dem Transfermarkt aktiv werden soll. Denn weit schlimmer als die bisherigen Niederlagen wiegen zwei personelle Verluste: Die langjährigen Führungsspieler Nemanja Sudzum und Leonard Pejkovic haben sich verletzt. Rückraumspieler Sudzum muss sich einer Schulteroperation unterziehen und fällt vier bis sechs Monate aus. Kreisläufer Pejkovic wurde nach seinem Mittelfussbruch gestern operiert. Er wird mindestens sechs Wochen fehlen.

«Eine kleine Katastrophe»

«Das ist eine kleine Katastrophe», sagt Endingens Sportchef Marco Eggenschwiler. Die Ausfälle wiegen doppelt schwer: Nicht nur spielerische Qualität ist mit den beiden verloren gegangen, es fehlen dem Team auch zwei Führungsspieler, die in entscheidenden Momenten Verantwortung übernehmen und neben dem Spielfeld eine wichtige Rolle einnehmen.
«Sobald in den Zeitungen etwas von Verletzten steht, melden sich haufenweise Spielervermittler per Mail oder Telefon beim Verein», sagt Eggenschwiler. Es waren auch schon potenzielle Neuzugänge im Training. «Doch der Spieler, den wir suchen, befand sich nicht darunter», sagt der Sportchef. Ohnehin sei es schwierig, so früh in der Saison Spieler mit entsprechenden Qualitäten zu finden. Die Guten sind gebunden. Wenn ein Spieler noch auf dem Markt ist, hat das meist auch seine Gründe.

Die Situation ist verzwickt: In den nächsten beiden Spielen empfängt der NLA-Aufsteiger Gegner, die in seiner Reichweite liegen. Danach darf – realistischerweise – erst ab Mitte Dezember wieder mit Punkten gerechnet werden. «Entweder wir finden einen Spieler, der uns sofort helfen kann. Oder wir lassen uns Zeit», sagt Eggenschwiler. Tendenziell werde man sich eher Zeit lassen.

Noch in der Saison 2016/17 reihte der TV Endingen Erfolg an Erfolg: Als erster B-Ligist überhaupt gelang ihm der Einzug in den Schweizer Cupfinal. Und dann, im April, wurde der fünfte Aufstieg des Dorfvereins in die Nationalliga A endlich Tatsache. Fünf Monate später ist die Feierlaune im Surbtal verflogen. Oder, um es in der Sprache von Sportchef und Berufspilot Eggenschwiler zu sagen: «Dem Höhenflug folgte die harte Landung.» In der neuen Saison verlor der TV Endingen seine drei bisherigen Ligaspiele; jenes gegen den Kantonsrivalen HSC Suhr Aarau mit einem Tor Differenz. Im Cup schied das Team gegen den unterklassigen TV Möhlin nach Verlängerung aus.

Die Gemeinde würdigte den Aufstieg der Handballer in die Nati A:

Mit einem offiziellen Empfang würdigte die Gemeinde den Aufstieg der Handballer in die Nationalliga A
13 Bilder
Dank der Gemeinde Endingen konnten die Handballer doch noch mit Pokal und Medaillen feiern.
Vor der Pokalübergabe gab es für den TV Endingen einen Umzug, an dem die Musikgesellschaft und sämtliche Vereine mitliefen.
Zuvorderst am Umzug durch das Dorf waren die Fahnenträger der Vereine.
Das ganze Team.
Präsident Christoph Spuler.
Arak Kin und Christian Riechsteiner (v.r.) mit dem Pokal, den die Gemeinde Endingen gesponsert hat.
Gemeindeammann Ralf Werder.
Das ganze Dorf fieberte mit den Spielern mit.
TV Endingen Empfang
Auf die neue Saison stossen drei Spieler zum TV Endingen.
Teammanager Arak Kin (links) hört aus persönlichen Gründen auf.
Arak Kin (links) und Gemeindeammann Ralf Werder.

Mit einem offiziellen Empfang würdigte die Gemeinde den Aufstieg der Handballer in die Nationalliga A

Fabio Baranzini

Mit ihrem langjährigen Mentaltrainer Nino Paneduro haben sich die Spieler auf die neue Ausgangslage in der Nationalliga A vorbereitet: Es war absehbar, dass sich das Verhältnis von Siegen zu Niederlagen umkehren würde. Dennoch spricht Eggenschwiler von Ernüchterung. «Jede Niederlage, auch wenn man nicht der Favorit ist, hinterlässt Spuren. Das wirkt sich auf die Psyche der Spieler aus.»

Eine erste Bilanz will der Verein erst nach den Heimspielen gegen GC Amicitia und Gossau ziehen. «Wenn wir dann vier Punkte auf dem Konto haben, können wir von einem super Saisonstart sprechen», sagt Eggenschwiler. «Wenn wir verlieren, ist er missglückt.»