Klingnau
Nach Baumeister-Konkurs: Baufirma muss trotz Jonerpark-Einigung viel Geld abschreiben

Im Rechtsstreit zur Wohnüberbauung Jonerpark in Klingnau, bei dem es um 793'000 Franken ging, kommt es zur Einigung. Das Bauhandwerkerpfandrecht wird gelöscht.

Philipp Zimmermann
Merken
Drucken
Teilen

Für die Kleindöttinger Stocker Tiefbau AG kommt der Auftrag beim Jonerpark teuer zu stehen. Sie war bei der Wohnüberbauung als Subunternehmer der NZ Bau AG aus Dietikon tätig, die vergangenen November in Konkurs ging und deren Eigentümer Nexhmedin Jashari von der Bildfläche verschwunden ist.

Stocker blieb auf offenen Rechnungen sitzen und liess vorläufig ein Bauhandwerkerpfandrecht von 793'000 Franken im Grundbuch vormerken. Nun kommt es zur Einigung mit dem Jonerpark-Generalunternehmer, der Sommerhaus AG aus Steinhausen ZG, und den Eigentümern der 42 Miet- und 27 Eigentumswohnungen.

Nur 10 Prozent der Gesamtsumme

Laut der Vereinbarung, welche der AZ vorliegt, lässt Stocker alle im Grundbuch vorläufig vermerkten Bauhandwerkerpfandrechte löschen und erhält daraufhin 75'000 Franken. Zudem übernimmt die Sommerhaus AG die Kosten für die Behebung des Schadens am Burghaldenweg, bei dem es bei den Bauarbeiten auf einem kleinen Teilstück zu einer Senkung mit Rissen kam. «Sämtliche Eigentümer werden damit vollständig schadlos gehalten; auch Anwalts- oder sonstige Kosten fallen keine für sie an», sagt Sommerhaus-Geschäftsführer Christian Gräub.

Das gelte auch für die Behebung der Strassenschäden. Hier sind noch Abklärungen mit der Versicherung des konkursiten Baumeisters im Gang. Stocker-Inhaber Silvio Stocker hatte im Januar eine Verantwortung dafür bestritten und diese der NZ Bau AG zugewiesen.

Doch wieso stimmt Stocker Tiefbau dieser Einigung zu, wenn sie dabei auf rund 90 Prozent ihrer Forderung verzichtet? Recherchen der AZ zeigen: Stocker hat das Bauhandwerkerpfandrecht zu spät eintragen lassen. Das Gesetz schreibt hierfür eine viermonatige Frist vor, die nach dem Abschluss der eigenen Arbeiten zu laufen beginnt. Mahnungen und Betreibungen beeinflussen die Frist nicht. Silvio Stocker will sich auf Anfrage nicht zu den Gründen dafür äussern.

Nahe der Bahnstation gelegen: Der Jonerpark.   

Nahe der Bahnstation gelegen: Der Jonerpark.   

Philipp Zimmermann

Sommerhaus-Geschäftsführer Christian Gräub dagegen sagt: «Dass Stocker Tiefbau der Einigung zustimmte, zeigt deutlich, wie die Chancen der Gegenpartei eingestuft wurden, den Prozess zu gewinnen. Die rund 10 Prozent der Gesamtsumme, welche die Sommerhaus AG zu entrichten bereit ist, entsprechen dem langjährigen Erfahrungswert, wie solche Prozesse vor Gericht bei ähnlicher Ausgangslage in etwa auszugehen pflegen.»

Der Sommerhaus AG sei daran gelegen, den Fall rasch zum Abschluss zu bringen, um für die Eigentümer jegliches Restrisiko vollständig ausschliessen zu können. «Daher waren wir auch bei der noch anstehenden Strassenreparatur zum Zugeständnis bereit.»

Sommerhaus, die drei Investoren Rafra AG (Buchs SG), LSImmo AG (Liebefeld) und BiltoImmo AG (Bern) und die weiteren Wohnungseigentümer liessen sich vom selben Rechtsanwalt vertreten. Trotz des hängigen Verfahrens konnten weitere Wohnungen verkauft werden. Gräub: «Die Investoren und wir konnten den Käufern glaubhaft versichern, dass sie trotz des Verfahrens keinen Rückgriff auf ihr Eigentum zu befürchten haben. Das hat sich nun auch bewahrheitet.»

Keine Kosten für Gemeinde

«Für die Gemeinde fallen keine Kosten an», versichert Klingnaus Verwaltungsleiter Rolf Walker. In der Vereinbarung ist zwar ein möglicher Wasserleitungsschaden erwähnt. «Ein eigentlicher Schaden ist nicht vorhanden», sagt Walker. Wegen eines Risses in der Strasse und verschobenem Erdmaterial kam es zu einer Spannung auf die Wasserleitung. Entsprechende Massnahmen wurden eingeleitet.

Laut Gräub sollen die Arbeiten in diesem Jahr erledigt werden, «wenn möglich noch vor den Sommerferien». Von den Wohnungen sind aktuell je sieben noch nicht verkauft oder erstvermietet. Er ist froh, dass der Rechtsstreit vom Tisch ist: «Ansonsten war es eine unproblematische Baustelle. Für uns kommt das Projekt damit zu einem erfolgreichen Ende.»