Döttingen
Monsterfisch schwänzelt durch das Winzerdorf

Der Fischereiverein Döttingen wird beim Winzerumzug mit einer vier Meter langen Sagex-Bachforelle für Furore sorgen. Seit 45 Jahren ist Fritz Staiger für die Sujets verantwortlich, liefert Ideen und stellt ein massstabgetreues Modell her.

Angelo Zambelli
Merken
Drucken
Teilen
Othmar Kalt (Mitte) und Karl Stänz (rechts) bauen den Weiher für die Riesenbachforelle, beobachtet vom Ideengeber Fritz Staiger

Othmar Kalt (Mitte) und Karl Stänz (rechts) bauen den Weiher für die Riesenbachforelle, beobachtet vom Ideengeber Fritz Staiger

Die Organisatoren des Döttinger Winzerumzugs können sich auf viele treue Wagenbauer verlassen. Doch nur ganz wenige haben so oft mitgemacht und mit ihrem Wagen regelmässig für Aufsehen gesorgt wie der Fischereiverein Döttingen.

«Die Ideen hole ich mir bei anderen Umzügen oder sie fallen mir ganz spontan ein», sagt der 76-Jährige und fügt an, man müsse schon Idealist sein, um all dies auf sich zu nehmen. «Wenn man sich nicht mit Leib und Seele engagiert, gibt es am Ende nichts Schlaues», sagt er. In diesem Jahr hat Fritz Staiger zum ersten Mal als Ideenlieferant ausgesetzt. Trotzdem zieht es ihn immer wieder in die Halle der Transportfirma Keller in Gippingen, in der die Fischer seit Jahren ihren Umzugswagen zusammenbauen.

Riesenfisch auf VW-Pickup

Karl Stänz ist «Tätschmeister» des Arbeitstrupps, Fritz Stalder und Othmar Kalt seine treuen Helfer. In den letzten zweieinhalb Monaten haben sie einen mächtigen Holzrahmen mit Boden über den fahrbaren Untersatz – einen klapprigen VW-Pickup – gestülpt. Darauf wird das Sujet präsentiert. In diesem Jahr krümmt und windet sich eine über vier Meter lange Bachforelle auf dem Wagen des Fischereivereins, so als wäre sie soeben aus dem Wasser gezogen worden.

Rund um den Monsterfisch aus Styropor ist ein Weiher mit Fröschen und anderen Wasserlebewesen angelegt. Am Sonntagnachmittag werden drei Jugendliche auf dem Wagen stehen, die im Frühling den Jungfischerkurs bestanden haben. «Jungfischer auf zum grossen Fang» heisst das Motto. Um den Bezug zum Wein und zu den Reben herzustellen, schenken Erwachsene rund um den Wagen Wein aus. Man geht wohl nicht falsch in der Annahme, dass es Weisswein sein wird, denn zu Fisch passt Weisswein immer noch am besten.

Gladiolen und Dalien

Ein besonderes Kapitel sind die Blumen. «Früher trafen sich jeweils 20 bis 30 Frauen im Döttinger «Ochsen»-Saal, um Papierblumen zu basteln», erinnert sich Fritz Staiger. Heute verschönern echte Blumen den Umzugswagen: In diesem Jahr sind es Gladiolen und Dalien. Teils sind sie gekauft, teils stammen sie aus dem Garten von Karl Wiedemeier aus Kleindöttingen. «Rosen hatten wir auch schon», sagt Fritz Staiger. «Es fehlen nur noch Orchideen, dann haben wir bald alle Blumensorten an unserem Wagen gehabt.»

Warum investieren die Döttinger Fischer gegen 200 Arbeitsstunden in den Bau eines Wagens? «Um etwas zu schaffen, das anderen Freude bereitet», antwortet Karl Stänz der seit mehr als 10 Jahren – genau weiss er es nicht mehr – den Umzugswagen fährt. «Es ist aber auch der Applaus der Zuschauer an der Strecke. Wenn sie klatschen, ist das die Bestätigung, dass man es einmal mehr gut gemacht hat.»

Pleiten, Pech und Pannen

Auf der Umzugsstrecke hats bis jetzt immer sehr gut geklappt, was man hingegen von der Arbeit am Wagen nicht behaupten kann: mehr als einmal war das Sujet zu hoch und blockierte beim Herausfahren an der Oberkante der Hallentüre. Einmal musste gar eine Pyramide umklappbar gemacht werden, damit der Umzugswagen aus der Halle gekarrt werden konnte. Fischer müssen nicht nur am Wasser mit Pech rechnen, sondern auch beim Wagenbau für das Döttinger Winzerfest.

Für die Auflage 2010 geben die Döttinger Fischer Entwarnung: Die Bachforelle ist zwar riesengross, aber nicht so gross, dass sie eine Teilnahme am Winzerumzug verhindert. Trotzdem hat das Trio Stänz/Kalt/Stalder zwei Tage vor dem Umzug nochmals nachgemessen. Um ganz sicher zu sein.