Bad Zurzach
Mit über 1 Promille am Steuer – gleich dreimal in einem halben Jahr

Ein 32-jähriger Serbe wurde gleich dreimal in sechs Monaten betrunken am Steuer erwischt. Er muss nun ein Jahr hinter Gitter und ist sein Auto definitiv los. Der Täter will das Billett so schnell wie möglich wieder erwerben.

Rosmarie Mehlin
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Die Polizei führt einen Alkoholtest durch. (Symbolbild)

Die Polizei führt einen Alkoholtest durch. (Symbolbild)

Keystone

Die Nacht vom 6. August dieses Jahres war lau. Milos (Name geändert) hatte mit Kollegen am Rhein gebechert und sich um 23 Uhr mit seinem Auto auf den Heimweg gemacht. Die Polizisten, die ihn unterwegs anhielten, liessen Milos ins Röhrchen blasen.

Er hatte 1,63 Promille intus. Das Billett konnten sie ihm nicht abnehmen, denn dieses war ihm bereits im Februar wegen Trunkenheit am Steuer auf unbestimmte Zeit entzogen worden.

Den Abend des 13. August hatten Milos und seine Kumpel erneut am Wasser verbracht. Gegen 23 Uhr war Milos wieder ins Auto gestiegen und wieder in eine Kontrolle geraten. Diesmal war sein Blut mit 1,21 Promille Alkohol angereichert.

«Sein Verhalten ist rücksichtslos»

Nun wurde das Auto der 32-jährigen Serben beschlagnahmt und er musste vor Bezirksgericht Zurzach vortraben. 1995 war er in die Schweiz gekommen, hatte die restliche Schulzeit hier mehr schlecht als recht hinter sich gebracht und arbeitet seither mal hier, mal dort.

Er hatte geheiratet war zweimal Vater geworden, lebt seit 2009 von seiner Frau getrennt. Gegenwärtig verdient Milos 30 Franken in der Stunde, hat aber Aussicht auf eine Festanstellung im Januar.

Vom Verdienst bleibt ihm monatlich das Existenzminimum von 3000 Franken, der Rest wird gepfändet, 700 Franken gehen an die Kinder, der klägliche Rest ans Betreibungsamt, denn Milos hat rund 54 000 Franken Schulden am Hals.

Er sei «unverbesserlich und unbelehrbar», sagte der Staatsanwalt an die Adresse von Milos. Sein Verhalten sei rücksichtlos und sein Verschulden schwer. Der Ankläger forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Tatsächlich haben sämtliche bisherigen Gerichtsurteile keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. 2005 hatte er wegen Hehlerei 10 Tage in U-Haft gesessen, 2010 hatte er wegen grober Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz eine bedingte Geldstrafe und einen einmonatigen Billett-Entzug kassiert.

Im Februar dieses Jahres war Milos zu einer unbedingten Geldstrafe von 4000 Franken verknurrt worden. Angesichts seiner finanziellen Situation hatte er den Antrag gestellt, statt der Geldstrafe gemeinnützige Arbeit leisten zu können. Der Antrag war genehmigt worden, doch Milos war nicht zur Besprechung bei der betreffenden Institution erschienen.

Sprachlose Verteidigerin

Auch die Vorladung ans Gericht hatte er nicht auf der Post abgeholt; sie hatte ihm von der Polizei höchstpersönlich übergeben werden müssen.

Vor Gericht zeigte sich Milos mässig zerknirscht. Er tat zwar kund, er wolle «es mit dem Alkohol in Zukunft besser machen und stabil werden» und dass es ihm leidtue. Aber so ganz glauben mochte es wohl kaum jemand im Saal.

Auch seine Pflichtverteidigerin sagte klipp und klar, sie sei sprachlos angesichts der Gesetzesverstösse von Milos und seines bisherigen Verhaltens. Da eine Freiheitsstrafe das Chaos im Leben ihres Mandanten aber nur noch vergrössern würde, stellte sie den Antrag auf eine bedingte Geldstrafe: «Wenn er sitzen muss, verlieren seine Kinder den Unterhalt.»

Das Gericht unter Vorsitz von Cyrill Kramer verurteilte Milos zu einem Jahr unbedingt. Das Gremium habe lang und breit über die Art der Sanktion diskutiert, sagte Kramer. «Es war klar, dass nun einzig und allein eine Freiheitsstrafe infrage kommt.

Alles andere hat bisher ja nichts genützt.» Bei einem Jahr kann die Strafe in Halbgefangenschaft abgesessen werden und somit hat Milos die Chance, weiter seinen Job auszuüben.

Dass sein Auto definitiv eingezogen und verwertet wird, schmerzt Milos – eigenen Aussagen zufolge – wenig. Das Vehikel hat immerhin 14 Jahre auf dem Chassis. Das Billett aber will er so schnell wie möglich wieder erwerben.