Klingnau
Mit Haut und Haaren der Biologie verfallen

Die Klingnauerin Jacqueline Mock gewinnt die Silbermedaille am Final der Schweizer Biologie-Olympiade in der Universität Bern.

Angelo Zambelli
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Silbermedaillengewinnerin Jacqueline Mock studiert eine Wiesensalbei. Walter Schwager

Silbermedaillengewinnerin Jacqueline Mock studiert eine Wiesensalbei. Walter Schwager

«15-jähriger Walliser gewinnt vor 18-jähriger Aargauerin.» Bei dieser Schlagzeile handelt es sich nicht – wie man vermuten könnte – um die Rangliste eines Skirennens mit gemischer Geschlechter-Kategorie, sondern um die Klassierung der 12.Schweizer Biologie-Olympiade, die am 1. Mai in Bern bekannt gegeben wurde: Der 15-Jährige aus dem Wallis heisst Gaétan Colussi und stammt aus Nax; bei der zweitklassierten 18-jährigen Aargauerin handelt es sich um Jacqueline Mock, eine kommunikative junge Klingnauerin, aus der die Begeisterung für die Biologie geradezu heraussprudelt. Für sie hat sich der zeitliche Aufwand für Vorbereitung und Prüfung gelohnt: Erstens konnte sie sich in den Vorbereitungswochen ein immenses zusätzliches Wissen in ihrem Lieblingsfach aneignen und zweitens darf sie zusammen mit zwei anderen Jugendlichen die Schweiz an der 22. Internationalen Biologie-Olympiade in Taipeh (Taiwan) vertreten.

Anstoss kam von der Lehrerin

Aufmerksam geworden auf die Schweizer Biologie-Olympiade ist Jacqueline Mock durch Claire Bonifay, Biologierlehrerin an der Kantonsschule Wettingen. Nach einem Crashkurs beteiligte sich Jacqueline Mock erfolgreich an der ersten und an der zweiten Runde, reüssierte und qualifizierte sich zusammen mit 80 anderen Mittelschülerinnen und Mittelschülern für die achttägige Vorbereitungswoche in Müntschemier (BE) Anfang November 2010.

Jacqueline Mock gehörte auch da zu den Besten und sicherte sich damit die Teilnahme am Final, der vom 26. April bis 1. Mai 2011 in der Uni Bern durchgeführt wurde und einen theoretischen Teil sowie 17 Praktika umfasste. «Nach Beendigung der Arbeiten hatte ich kein sonderlich gutes Gefühl», blickt Jacqueline auf den Final zurück. Bei der Hälfte der Fragen habe sie den Eindruck gehabt, die Antworten nicht richtig formuliert oder überhaupt nicht gewusst zu haben. Doch es kam alles ganz anders: Als bei der Medaillenvergabe ihr Name lange Zeit nicht genannt wurde, fand sie sich bereits mit dem Gedanken ab, im hinteren Feld der 80 Teilnehmer gelandet zu sein.

Zweithöchste Punktzahl

Umso grösser war die Überraschung, als sie zur Silbermedaillen-Gewinnerin ausgerufen wurde. «»Beim Gang auf die Bühne war ich wie in Trance», erzählt die quirlige junge Dame. «Mit diesem Erfolg hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Erst nach und nach realisierte ich mein Glück.» Ein Blick auf das Notenblatt zeigt, wie gut sich Jacqueline Mock im Duell der besten Schweizer Jungbiologen geschlagen hat: In den Prüfungen «Enzymkinetik» erzielte sie die zweithöchste Punktzahl und im theoretischen Teil kam sie gar auf die mit Abstand beste Benotung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die berufliche Zukunft von Jacqueline Bock scheint vorgezeichnet, und doch lässt sie sich einen kleinen Spalt für eine Alternative offen: «Momentan schwanke ich zwischen einem Biochemie- und einem Medizinstudium. Die Biochemie gefällt mir, weil sie tiefer in die Details vordringt, während die Medizin sehr viel mit Menschen zu tun hat. Die Entscheidung zwischen diesen beiden Wissenschaften fällt mir momentan schwer», räumt die Kantischülerin ein.

Mit Biologiebüchern nach Taipeh

Vorerst gilt es, die Koffer für Taipeh zu packen, wo vom 10. bis 17. Juli die Internationale Biologie-Olympiade stattfindet. Verschlingt Jacqueline Mock vor diesem Grossanlass gleich viele Bücher wie vor dem nationalen Finale in Bern, ist es durchaus möglich, dass die Klingnauerin als Biologie-Olympiasiegerin in die Schweiz zurückkehrt.