Kaiserstuhl
Mit der schwarzen Komödie «Utopia» landet die Kaiserbühne einen theatralischen Volltreffer

Das neue Stück «Utopia» lebt nicht nur von skurrilen Absurditäten und urkomischen Situationen, sondern stark auch von immer wieder neuen überraschenden Wendungen.

Rosmarie Mehlin
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Ted (Peter Niklaus Steiner, rechts) und Morrie (Kamil Krejči) werden beim Biertrinken philosophisch.

Ted (Peter Niklaus Steiner, rechts) und Morrie (Kamil Krejči) werden beim Biertrinken philosophisch.

zvg

In ihrer räumlichen Begrenztheit verblüfft die Bühne im Amtshauskeller einmal mehr durch ihre Wandelbarkeit. Im Hintergrund, hinter der Glastüre am oberen Ende der Steintreppe, öffnet sich der Blick auf Hochhäuser. Vorne zusammengewürfelte Möbel, ein altes Telefon, ein Bildschirm, hinter einem Vorhang ein Bett auf Rädern und mitten drin eine Duschkabine und schon ist das Publikum mitten drin in einem heruntergekommenen Hotelzimmer.

In gelben Flip Flops, roten Jeans, gelbem Shirt tritt heftig fluchend Ted (Peter Niklaus Steiner) auf «Scheisse», «Scheisse». Das kann ja heiter werden, mag der geneigte Zuschauer denken – und liegt damit richtig. Unaufgeregt betritt Morrie (Kamil Krejči) mit Kabelrolle, Stativ und Fototasche die Szene.

Enormes Tempo

Das Rätselraten beginnt: Was wollen die beiden, wie gehören sie zusammen? Das Tempo, das sie in ihren köstlichen Dialogen vorlegen, ist enorm – des Rätsels Lösung lässt auf sich warten, was das Ganze nicht nur spannend, sondern höchst vergnüglich macht. Denn die sehr schräge Geschichte ist gepfeffert mit aberwitzigen Pointen und gesalzen mit dem einen und anderen vulgären Ausdruck.

Recht bald kristallisiert sich immerhin heraus, dass die Zwei eine dubiose Vergangenheit haben, moralisch nicht über alle Zweifel erhaben sind. Vollends lösen sich die Rätsel aber erst gegen Schluss, wenn das Heitere ins Düstere kippt, wenn aus der Komödie eine schwarze Komödie wird. Mehr sei hier über den Grund des Treffens von Ted und Morrie im abgewrackten Hotelzimmer und die Hintergründe ihrer Freundschaft nicht verraten. Denn «Utopia» lebt nicht nur von skurrilen Absurditäten und urkomischen Situationen, sondern stark auch von immer wieder neuen überraschenden Wendungen.

Nicht umsonst wird das Stück als «schwarze Komödie» bezeichnet. Da war es wohl kein Zufall, dass «Utopia» im Amtshauskeller ausgerechnet an einem Freitag, dem 13. als Co-Produktion der Kaiserbühne mit dem turbine theater Langnau am Albis aus der Taufe gehoben wurde. Dies als bravouröse deutschsprachige Erstaufführung.

Der neue Leiter der Kaiserbühne, Peter Niklaus Steiner, beweist einmal mehr, dass er den Seiltanz als Regisseur und Darsteller in Personalunion bestens meistert. Vorzüglich ergänzt durch den wunderbaren Einfallsreichtum des deutschen Ausstatters Michael S. Kraus, prägen Tempo und Turbulenz die Inszenierung, ohne dass die in dem Stück durchaus vorhandene Tiefgründigkeit auf der Strecke bleibt.

Als Darsteller brillieren Peter Niklaus Steiner und Kamil Krejči gleichermassen: Da stehen mit Ted und Morrie zwei Typen, zwei Charaktere auf der Bühne, die in Bann ziehen, denen man schier atemlos zuhört und mit Wonne zusieht. Etwa, wenn Morrie seinem Freund wortwörtlich den Kopf wäscht – Massage inklusive.

«Utopia» in Kaiserstuhl bis 31. Dezember 2017. www.kaiserbuehne.ch

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