Bad Zurzach
Mit dem Rad von Moskau nach Peking – 7800 Kilometer in 80 Tagen

Marcel Iseli, ehemaliger Gemeindeammann, organisiert eine Radreise für Hartgesottene. 25 Teilnehmer getrauen sich und starten heute ihre Tour zum Platz des Himmlischen Friedens.

Andreas Fretz
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Mit einem Fest im Kreml starteten die 25 Teilnehmer auf die 7800 Kilometer lange Fahrt.
22 Bilder
Von Moskau nach Peking
Start in Moskau
In Russland immer mit dabei: die Polizeieskorte
Nach der Überquerung der Wolga wurden die Schweizer von Ärztinnen eingeladen, mit ihnen den Doktorandentitel zu feiern.
Einkaufen in Russland.
Auf einen Schwatz mit den Einheimischen in Russland.
Betten im Nightliner
Unterwegs in Sibirien
Die langen, geraden Strecken in der Mongolei faszinierten.
Rudolf Brönnimann im Kontakt mit Einheimischen.
Bei 21 Grad bestreiten die Velofahrer die letzte Etappe in der Mongolei, vorbei an grasenden Pferden.
Der Birmenstorfer Walter Herzog (kniend bei einem Heidelbeerverkäufer)
Der Nussbaumer Rudolf Brönnimann vor dem Baikalsee.
Unterwegs in der Mongolei
Ein Kamel in der Mongolei
Schlafraum im Nightliner
Marcel Iseli: "Vieles hätte schiefgehen können."
Die Koffer der Teilnehmer sind gepackt
Aufenthaltsraum im Nightliner
Ankunft in Peking.
Ziel der Reise - Platz des Himmlischen Friedens in Peking

Mit einem Fest im Kreml starteten die 25 Teilnehmer auf die 7800 Kilometer lange Fahrt.

zvg

Es ist nicht so, dass Marcel Iseli Probleme herbeisehnt. Aber dagegen einzuwenden hätte er nichts. «Wenn alles rund läuft, wäre ich enttäuscht», sagt er vor dem Start in ein einmaliges Abenteuer. Schliesslich sollen die Teilnehmer etwas zu berichten haben. «Wo es Probleme gibt, da entstehen Geschichten», sagt Iseli. Der 59-Jährige war acht Jahre Bad Zurzachs Gemeindeammann und sass von 2000 bis 2005 für die FDP im Grossen Rat. Heute ist er Mitinhaber von Hürzeler Bicycle Holidays und organisiert Veloferien auf der halben Welt. Nun folgt sein Meisterstück: Von Moskau nach Peking – oder 7800 Kilometer in 80 Tagen.

Die Idee hatte Marcel Iseli erstmals 2002. Russland, die Mongolei und China sollen mit dem Rad erkundet werden. Pulsierende Grossstädte entdecken, den Ural überqueren, die Weiten Sibiriens, die Steppen der Mongolei, den Baikalsee und die Chinesische Mauer erleben. Und nach 80 Tagen die Einfahrt in Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens.

Drei Jahre Vorbereitung

Drei Jahre dauerten die Vorbereitungen. «Nur mit dem Fahrrad kann man bewusst alle Sinne ansprechen und zugleich sportlich aktiv sein», sagt er. Zudem reizt ihn das Unbekannte. «Der Osten ist für viele Mittel- und Westeuropäer Terra Incognita», sagt Iseli, «nur wenige kennen zum Beispiel die Facetten eines riesigen Landes wie Russland mit all seinen Völkern und Kulturen.»

Die Reise führt die Teilnehmer durch sieben Zeitzonen entlang der Zarengold-Eisenbahnlinie. Doch wer nimmt diese Abenteuerreise auf sich? «Es sind velobegeisterte Hobbyfahrer», sagt Iseli, «einige stehen mitten im Berufsleben, andere nutzen den Trip, um auszusteigen, um ihre Pension einzuleiten. Ein Arzt hat sogar seine Praxis aufgegeben», erzählt Iseli. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer liegt bei über 50 Jahren. «Alle sind noch fit und neugierig», sagt Iseli. 4 Frauen, 21 Männer und 3 Begleitpersonen nehmen die 80-tägige Reise unter die Räder.

10'000 Liter Wasser an Bord

Begleitet wird der Tross von zwei Luxus-Nightliner-Bussen. Diese führen den Proviant und über 10'000 Liter Wasser mit, haben eine Küche, sanitäre Anlagen, Waschmaschinen, Schlafplätze, eine Velowerkstatt und das Radlager. «Die Strasse und die Nightliner werden unser Zuhause sein», sagt Iseli. Nur rund alle 1200 Kilometer kommt die Reisegruppe an einer grösseren Stadt vorbei. Dort gönnt man sich ein Hotelbett und einen Ruhetag. Die täglichen Etappen betragen rund 120 Kilometer.

«Wir werden Überraschungen erleben», ist sich Iseli sicher, «Unwetter, Strassensperren, Probleme bei der Grenzabfertigung.» Alleine für Russland benötigen die Teilnehmer ein spezielles Visum. Normale Touristenvisa sind maximal einen Monat gültig. Doch die Reisegruppe wird zwei Monate im ehemaligen Zarenreich verbringen. Wegen der Besorgung der Visa ist auch der staatliche Fernsehsender Russia 1 auf die Schweizer aufmerksam geworden. Von der ersten Etappe soll ein Beitrag gesendet werden. «Ich hoffe, dass der Rummel nicht zu gross wird», sagt Iseli, «denn das ist nicht das Ziel der Reise.»

Empfang in der Botschaft

Heute treffen sich die Teilnehmer in Riga, der Hauptstadt Lettlands. Morgen beginnt der Transfer in den Bussen nach Moskau. Am 10. Juni wird die Gruppe in der Residenz der Schweizer Botschaft empfangen. Zu den Gästen zählen Botschaftsmitarbeiter, Vertreter des Russischen Rad-, Tourismus- und Wirtschaftsverbandes. Noch bevor die eigentliche Tour startet, wird der Kreml, der Rote Platz und das Mausoleum von Lenin besichtigt. Das Abenteuer auf vier Rädern beginnt am 12. Juni, dem Russischen Nationalfeiertag.

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