Bad Zurzach
Millionen-Geldsegen: Was könnte Bad Zurzach damit anstellen?

Soll der Kur- und Thermalbadeort Bad Zurzach die unerwartet eingenommenen 7,8 Millionen Franken in etwas Besonderes investieren oder nicht? Reaktionen aus dem Zurzibieter Bezirkshauptort.

Andreas Fretz
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Aktuell zählt der Wellness- und Kurort Bad Zurzach fast 4400 Einwohner.
53 Bilder
Der Turm von Bad Zurzach neben dem Thermalbad ist ein bekanntes Markenzeichen.
Das Thermalbad wurde vor wenigen Jahren umfassend saniert. An guten Tagen strömen über 2000 Personen ins Bad.
Das neue Intensiv-Solebecken im Thermalbad Zurzach kommt besonders gut an.
Das Naturschwimmbecken im Thermalbad Zurzach bietet auch an heissen Tagen eine Abkühlung. zvg
Im Thermalbad gibt es auchein "Papa Moll"-Kinderbecken.
Papa Moll gehört mittlerweile zu Bad Zurzach. Ein Buch spielt sogar im Thermalbad Zurzach
Bad Zurzach hat einen historischen Ortskern. Hier im Bild der Zugang auf der Promenadenstrasse.
Alle Jahre wieder lockt Floh- und Antiquitätenmarkt jeweils am letzten August-Wochenende viele Besucher in den historischen Ortskern von Bad Zurzach, den die Einheimischen aufgrund der Markttradition "Flecken" nennen.
Der Sternenbrunnen.
Hier im Bild der "Ochsen".
Charmant: Das Rosengässli im historischen Zentrum.
Verkehrsfrei wird der Flecken auch, wenn die "Tavolata" durchgeführt wird.
Dieser gesellschaftliche Anlass lockt viele Leute ins historische Zentrum.
Solche Bilder gefallen nicht nur den Einheimischen: Bad Zurzach mit Turmhotel und Thermalbad vor mehreren Regenbogen.
Wer nach Bad Zurzach kommt, sollte sich (im Sommerhalbjahr) abends die Wassersinfonie im Kurpark anschauen.
Jedes Jahr findet ein Weihnachtsmarkt in Bad Zurzach statt – auch zu diesem Markt kommen viele Besucher.
Der Gasthof zur Waag: Im historischen Kern von Bad Zurzach stehen viele solche Altstadt-Liegenschaften.
Das Verenamünster im Frühling.
Verenamünster von hinten.
So sieht das Verenamünster innen aus.
So sieht das Verenamünster innen aus.
In der Krypta des Verenamünsters befindet sich das Grab der Heiligen Verena. Wegen diesem pilgerten im Mittelalter alljährlich Tausende nach Zurzach.
Blick auf das Verenamünster: Beim Gang durch den Flecken ergeben sich solche Ansichten.
Auch ein Blickfang: Das "Schloss" von Bad Zurzach. Der Industrielle und "Stickereibaron" Jakob Zuberbühler (1840-1904) erbaute es einst.
Das Schloss wurde um 1900 gebaut. Bis 2009 war es ein Museum. Seitdem steht es leer. Die Birchmeier-Grupper sowie Reto S. Fuchs und seine Frau wollen als Inhaber dem Schloss neues Leben einhauchen.
Das Schloss von Bad Zurzach mit einem pompösen Eingang. Es wird auch "Himmelrych" und "Villa Zuberbühler" genannt.
Aus dem Vogelperspektive: Zu Bad Zurzach gehören auch einige Landwirtschaftsflächen und der Rhein, der die Grenze zu Deutschland bildet.
Die Soletürme sind Zeugen der ehemaligen Salzgewinnung in Zurzach.
Die Soletürme sind denkmalgeschützt.
Auch die Tour de Suisse gastierte mehrfach in Bad Zurzach – hier 2005: Beim Thermalbad nahmen die Radprofis den Weg nach Altdorf in Angriff.
Der Bahnhof Zurzach.
Seit über 40 Jahren gehört ein kleiner Tierpark zu Bad Zurzach, der von einem gemeinnützigen Verein geführt wird.
Zu Bad Zurzach gehört auch das allsommerliche Open-Air-Kino im Kurpark.
Blick vom Nachbarort Rekingen auf die Rheinlandschaft bei Bad Zurzach.
Die Burgkapelle Kirchlibuck ("Chilebückli"): Zeuge, dass die Römer sich hier einst niederliessen. Tenedo hiess Bad Zurzach damals. Die Römer sicherten hier einen Rheinübergang.
In Bad Zurzach befinden sich diverse Hotels, hier vorne das Park-Hotel, hinten das Thermalbad mit der bekannten RehaClinic, die in der Schweiz mehrere Ambulatorien führt.
Das renommierte Park-Hotel in Bad Zurzach ist das Hotel mit den meisten Betten im Kanton Aargau.
Beliebt ist auch das Regibad Zurzach.
Die Barzmühle lässt sich bei einer Führung erkunden.
Zur Barzmühle gehört eine Getreidemühle mit Getreideanbaumuseum und Schmiede.
Das grosse Wasserrad der Mühle am Rhein.
«Fährmann hol über»: Hier fährt die Barzfähre der Pontoniere von Bad Zurzach ins deutsche Kadelburg.
Auch der "Bestatter" war schon in Bad Zurzach: Das Solvay-Industrieareal diente als Kulisse für die «Bestatter»-Aufnahmen. Im Bild: Mike Müller als Luc Conrad und Peter Lohmeyer als Josef Mankowsky, dem grossen Gegenspieler des Bestatters in der 6. Staffel.
Schlicht schön: Bad Zurzach im Winter.
Und das ist Zukunftsmusik: Diese Visualisierungen zeigen die Ostumfahrung, mit welcher der Durchfahrtsverkehr aus dem historischen Zentrum geleitet werden soll. Wer nach Bad Zurzach will, wird hier (Anfahrt vom Zurziberg und Tegerfelden) links abbiegen müssen.
Die Visualisierung zeigt den offen geführten Teil der Ostumfahrung im Süden des Fleckens. Es folgt ein Tunnel.
Das Bundesgericht hat der Ostumfahrung Bad Zurzach auf eine Beschwerde hin grünes Licht erteilt.
Bad Zurzach ist bekannt für sein Thermalbad, sein Wellness-Angebot und die Rehabilitationsmöglichkeiten.
In Bad Zurzach werden am Aschermittwoch zwei besondere Fasnachtsbräuche gelebt: Nachmittags verteilt der Ättirüedi Süsses, Orangen und mehr an die Kinder - oder besser: Er wirft es in die Luft, wenn die Kinder laut genug schreien.
Am Abend des Aschermittwochs findet die "Lätschete" statt: Nach der Rede des Fasnachtspfarrers...
... wird der kürzlich verstorbene Prinz Karneval auf einer Bahre zur Rheinbrücke getragen.
Dort wird der Prinz (eine Puppe) angezündet, seine Überreste werden dem Rhein übergeben.

Aktuell zählt der Wellness- und Kurort Bad Zurzach fast 4400 Einwohner.

ZVG/Bad Zurzach Tourismus

Es liegt auf der Hand: Die Bevölkerung könnte von einer massiven Steuersenkung profitieren. Etwas gewagter: Das Projekt Golfplatz könnte wieder in Angriff genommen werden. Ein Kulturzentrum würde der Region ebenfalls guttun. Doch auch genügend laufende Projekte kosten eine Menge Geld.

Was sagen die Bad Zurzacher zum Geldsegen? «Steuersenkung? Nein, danke», meint etwa Josef Haus vom Gewerbeverein Rheintal-Studenland. «Das Beispiel Döttingen hat gezeigt, dass das nicht nachhaltig ist.» Im einstigen Zurzibieter Steuerparadies stieg der Steuerfuss innert Jahren rasant von 60 auf aktuell 110 Prozent.

Ostumfahrung vorantreiben

Stattdessen würde Haus die Millionen verwenden, um die Ostumfahrung voranzutreiben und den historischen Marktflecken aufzuwerten. «Wir brauchen ein Fleckenkonzept», sagt Haus, «davon würde unser Gewerbe profitieren.» Den Golfplatz – Josef Haus war einst einer der Initianten der Idee – sieht er nicht als Aufgabe der Gemeinde an. Lieber würde er Geld ins Fusionsprojekt Rheintal+ investieren. 10 Zurzibieter Gemeinden entlang dem Rhein prüfen derzeit einen Zusammenschluss. «Finanzielle Sicherheit würde den kleineren Gemeinden vielleicht die Angst nehmen», hofft Haus.

Bernhard Scheuber, engagiert in der IG Bildungsvision und bei Rheintal+, würde mit dem Geld eine Idee kaufen. «Die Idee, wie man vermehrt junge Zuzüger nach Bad Zurzach holen kann.» Dem Bezirkshauptort droht sonst die Überalterung. «Die jungen Menschen sollen realisieren, wie toll das Leben hier ist», sagt Scheuber.

«Es braucht ein Kulturzentrum»

Das Kolumnisten-Ehepaar Sybil Schreiber und Steven Schneider sieht den Geldsegen als grosse Chance. «Es braucht ein Kulturzentrum in der Region», sagt Steven Schneider, «das Zurzibiet ist eine kulturelle Brache.» Der Schriftsteller wüsste auch bereits, wo das neue Zentrum stehen soll. «Ich bin aus Liebe zum historischen Flecken nach Bad Zurzach gezogen. Das ‹Steiböckli› ist ein wunderbares, charmantes altes Haus, das sich anbieten würde. Jedenfalls wünsche ich für ein Kulturzentrum keinen Neubau.»

Peter Andres, Bad Zurzachs Schaltzentrale in wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder touristischen Belangen, findet, der Bezirkshauptort biete seinen Einwohnern schon vieles. «Obwohl es sich um einen ausserordentlichen Betrag handelt, würde ich ihn im Rahmen der geplanten Ausgaben einsetzen», sagt er. Das Geld einfach auszugeben, sei nicht nachhaltig. «Mit dem Schulhausneubau oder der Ostumfahrung gibt es genügend Projekte, für die man das Geld einsetzen kann.»

Bad Zurzachs Sportkoordinator Alex Strittmatter zeigt sich zwar zufrieden mit der Sportinfrastruktur, «aber ein überregionales Sportzentrum hätte seinen Reiz». Ein Zentrum, das sowohl Vereine als auch Private nutzen können. Denn von gesunder Bewegung profitere die ganze Bevölkerung.