Klingnau
Millionen-Deal Kiesabbau: «Wir setzen alles daran, dass die Stimmbürger Ja sagen»

Die Gemeinde Klingnau und die Birchmeier Gruppe haben über das geplante Kieswerk im Hard informiert. 20 Millionen Franken erhalten die Ortsbürger – die Einwohnergmeind muss allerdings erst noch Ja sagen zur Anpassung des Kulturlandplanes. Wofür das Geld verwendet werden soll, ist völlig unklar.

Andreas Fretz
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Im Hard und im Härdli (hinten) will das Döttinger Bauunternehmen Birchmeier Kies abbauen – heute wird hier Landwirtschaft betrieben.

Im Hard und im Härdli (hinten) will das Döttinger Bauunternehmen Birchmeier Kies abbauen – heute wird hier Landwirtschaft betrieben.

Philipp Zimmermann

«Tue Gutes und rede darüber», lautet eine Redewendung in der Kommunikationsbranche. Mit Blick auf die Gemeinde Klingnau liesse sich in abgewandelter Form sagen: Baue Kies ab und rede darüber. Dies taten am Dienstag der Gemeinderat und die Firma Birchmeier, als sie die Medien informierten.

Seit einem Jahr ist bekannt, dass die Döttinger Birchmeier Gruppe im Gebiet Hard-Härdli an der Grenze zu Koblenz Kies abbauen will. Trotz viel Skepsis sagten die Ortsbürger am 2. September 2015 Ja zum Vorhaben. «Der Kiesabbau ist für Klingnau ein grosses und einmaliges Projekt», betonte Ammann Oliver Brun am Dienstag, «der Gemeinderat und die Ortsbürger stehen geschlossen dahinter.» Ganz so klar war das Verdikt vor einem Jahr allerdings nicht. Die Ortsbürger genehmigten den Vertrag zum Kiesabbau mit 82:56-Stimmen.

Immerhin spülen der Abbau und die Auffüllung bei einer Laufzeit von 40 Jahren 20 Millionen Franken in die Ortsbürgerkasse. Was macht Klingnau mit all dem Geld? «Man kann es erst ausgeben, wenn man es im Sack hat», antwortet Ammann Brun, «noch in diesem Jahr wird eine Ortsbürger-Kommission ins Leben gerufen, die sich mit dieser Frage beschäftigen wird.»

Bis im Hard-Härdli das Geld fliesst, gilt es noch mehrere Hürden zu nehmen. Die gesamte Projektierung erfolgt in drei Stufen. Bevor der Grosse Rat die Anträge zum Projekt genehmigt und den Standort als Materialabbaugebiet im Richtplan festsetzt, können alle interessierten Personen und Organisationen Hinweise eingeben (Mitwirkung). Dafür liegt der Planungsbericht ab dem 19. September für drei Monate auf den Gemeindekanzleien in Klingnau und Koblenz öffentlich auf.

Im Richtplan wurde eine Fläche von 25 Hektaren für den Kiesabbau beantragt. Die Ortsbürger hatten aber nur 19 Hektaren bewilligt. Die Differenz soll als Spielraum dienen. Mit der «Planungskommission Kies» wird im Kulturlandplan (Zeitraum 2017/18) die genaue Lage und Grösse definiert. Die Fläche des aktiven Kiesabbaus soll so klein wie möglich gehalten werden (5 bis 7 ha). Diese Fläche verschiebt sich während der gesamten Abbauzeit innerhalb des Gebiets, dass dann maximal 19 ha beträgt.

Diese sogenannte Umweltverträglichkeitsprüfung bildet die Grundlage für die Anpassung des Kulturlandplanes der Gemeinde (Revision BNO). Diese wird voraussichtlich im November 2018 vor die Gmeind kommen. «Wir setzen alles daran, dass die Stimmbürger Ja sagen», betont Gemeinderat Reinhard Scherrer. Nach der Genehmigung kann die Birchmeier Gruppe das Baugesuch einreichen (März 2019).

Im Härdli wächst zurzeit Mais und stehen einige Kirschbäume.

Im Härdli wächst zurzeit Mais und stehen einige Kirschbäume.

Philipp Zimmermann

«Transparenz und proaktive Information sind uns ein wichtiges Anliegen», betonten die Parteien. «Die Koexistenz mit der Landwirtschaft ist uns wichtig, wir wollen die Leute nicht verärgern», sagte Geschäftsführer Markus Birchmeier.

Bereits per 1. September wurde die Birchmeier-Tochtergesellschaft «Kies + Beton AG Zurzibiet» gegründet. Damit soll auch die regionale Verankerung des Klingnauer Projekts sichtbar werden (getreu dem Motto: Kies aus der Region für die Region).

Bereits diesen Oktober eröffnet die Firma Birchmeier in Döttingen ein eigenes Kies- und Betonwerk. Spatenstich und Materialabbau im Hard-Härdli sollen ab 2020 erfolgen. Der Abbau und die Aufbereitung werden zunächst von einer mobilen Anlage betrieben, bis dann 2025 der «Neubau Kieswerk» steht. Markus Birchmeier rechnet damit, dass 20 bis 25 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.