Döttingen
Meteoriteneinschlag in der Galerie? Beim Betreten könnte man es meinen

Die Ausstellung «Der zweite Blick» in der Döttinger Galerie Kulturtankstelle zeigt ungewöhnliche Künstlerpositionen. Rosmarie Vogt-Rippmann, Markus Müller und Ueli Sager zeigen ihre Werke noch bis Mitte April.

Ursula Burgherr
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Pappmaché-Objekte von Rosmarie Vogt-Rippmann und Girlandenbilder von Markus Müller im Hintergrund.
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Pappmaché-Objekte von Rosmarie Vogt-Rippmann und Girlandenbilder von Markus Müller im Hintergrund.
Ausstellung «Der zweite Blick» in der Döttinger Galerie Kulturtankstelle
Um die Buchstabengebilde von Ueli Sager zu entziffern, bedurfte es manchmal etwas Zeit.

Pappmaché-Objekte von Rosmarie Vogt-Rippmann und Girlandenbilder von Markus Müller im Hintergrund.

Ursula Burgherr

Meteoriteneinschlag in der Galerie Kulturtankstelle? Beim Betreten könnte man es meinen. Aber die Objekte von Rosmarie Vogt-Rippmann im Eingangsbereich sind aus Pappmaché und inwendig hohl. Während die Plastikerin früher streng geometrische Objekte schuf, gestaltete sie die meteoriten- und vasenartigen Gebilde intuitiv und ohne Skizze.

«Es war spannend, einmal die Kontrolle abzugeben und zu erleben, was für Formen – lediglich aus Zeitungen und Kleister – zwischen meinen Händen entstehen», sagt die in Scherz lebende Kreative. Jeden Millimeter planen musste sie hingegen bei ihrer grossen Bodeninstallation aus kolorierten Papierstreifen, die sich durch die Haupthalle der Kulturtankstelle schlängeln.

«Es bedarf einer ausgeklügelten Berechnung, damit sie aufrecht stehen und nicht in sich zusammenfallen», erklärt Vogt-Rippmann. Aber auch die Wirkung von einem Schattenwurf zum nächsten und den verschiedenen Farben sind gezielt eingesetzt. Für den Zuschauer ergeben sich dadurch je nach Standpunkt immer wieder neue Blickwinkel.

Markus Müller machte in den 60er- und 70er-Jahren mit seiner eigensinnigen Popart-Malerei auf sich aufmerksam und ist seinem Motto bis heute treu geblieben: «Ich will visuelle Sensationen kreieren!» Seit langem befasst er sich in seinen malerischen und zeichnerischen Arbeiten mit Girlanden.

War er anfänglich vom Auseinanderziehen, dem Gross- und wieder Kleinmachen fasziniert, richtet sich sein Fokus bei den jüngsten Arbeiten auf die Hohlräume, dank der eine Girlande erst beweglich wird. Mit den Durchblicken, die sie gewähren, spielt er. Dreidimensional, als ob man in sie hineinspazieren könnte, wirken die Girlanden-Bilder aus allen möglichen Perspektiven.

Damit die Proportionen perfekt sind, plant und zeichnet der in Boniswil lebende Maler seine Motive mit der Präzision eines Konstrukteurs am Reissbrett. Beim genauen Hinsehen entdeckt man durch deren Löcher hindurch blauen Himmel, Landschaften, schwarz straffierte Hintergründe oder ein gelbes Licht. Müller erläutert: «Der Blick durch die Form ist Sinnbild dafür, dass im Leben alles vielschichtig und oft nicht auf den ersten Moment erfassbar ist.»

«NIHIL» (zu Deutsch «nichts») steht in roten, blauen und gelben Holzlettern am Schaufenster der Kulturtankstelle. Ueli Sager, gebürtiger Menziker und Arzt mit Allgemeinpraxis in Möhlin, ist ein Mann der Wort- und Buchstabenverdrehungen. Mehr als die Bedeutung des Wortes interessiert ihn jedoch dessen visuelle Ästhetik.

«Mir ist die Ordnung bei der Gruppierung der Buchstaben wichtig», erklärt Sager. Bei «Aha, ehe, ihi, oho, uhu» sind die Vokale symmetrisch um ein grosses «H» gruppiert. Aus den waag- und senkrechten Stäben von «Abarbeit» gestaltete er ein Dreieck. Oft muss man etwas länger vor den Buchstabenanordnungen stehen, bis man sie entziffern kann. «Ich forderte den Betrachter auch mit meinen Décollagen aus Zeitungstexten und -bildern auf, nochmals hinzuschauen. Denn alles, was sich auf den ersten Blick offenbart, ist doch eigentlich langweilig.»

Ausstellung «Der zweite Blick», Kulturtankstelle Döttingen, mit Werken von Rosmarie Vogt-Rippmann, Markus Müller und Ueli Sager. Bis 11. April 2015. Öffnungszeiten: Fr/Sa, 14 bis 18 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung, Telefon 079 402 89 59.