Leuggern
Metallbau-Erne-Konkurs: Die Auffanggesellschaft erleidet bereits Schiffbruch

Nach dem Konkurs der renommierten Metallbau H. Erne AG in Leuggern wollten die Besitzer mit einer Auffanggesellschaft am bestehenden Standort mit 20 bis 25 Mitarbeitern einen Neustart wagen. Doch diese Hoffnung hat sich bereits zerschlagen.

Philipp Zimmermann
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H. Erne Metallbau AG ist Konkurs
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70 Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Das Unternehmen war überschuldet.
Der Grundstein für den Konkurs ist bei einem Grossauftrag im Jahr 2011 gelegt worden.
Der Grossauftrag betraf das Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance im Wallis, das 2018 in Betrieb gehen soll.
Für die Leuggermer Firma standen am Jahrhundertbauwerk vorübergehend über 60 Schweisser und Monteure im Einsatz. Laut den Besitzern habe man sich vor der Vertragsunterzeichnung total verkalkuliert.
Vom Konkurs sind auch einige Subunternehmer betroffen, die nun auf ausstehenden Rechnungen sitzen bleiben. Es geht um einen Betrag in Millionenhöhe.

H. Erne Metallbau AG ist Konkurs

Chris Iseli

Am Mittwoch eröffnete das Bezirksgericht Zurzach den Konkurs über die renommierte H. Erne Metallbau AG aus Leuggern. Noch am Mittwoch hatten die Besitzer Andreas und Melchior Lütschg aus Glarus die Hoffnung, dass sie mit einer Auffanggesesellschaft weiterwirtschaften könnten. «Wir möchten möglichst schnell starten», sagte Lütschg (die az berichtete). Doch dazu kommt es nicht.

Das zuständige Konkursamt Brugg bestätigt dies. "Die Auffanggesellschaft wird die Aktiven nicht aus der Konkursmasse übernehmen können", sagt der Konkursbeamte Christoph Fuhrer. "Dafür liegen die finanziellen Vorstellungen zwischen uns als Vertrern der Konkursmasse und den Besitzern zu weit auseinander", erklärt er. Detaillierter könne er sich dazu nicht äussern. Damit dürfte sich die Hoffnung auf die Auffanggesellschaft bereits zerschlagen haben. Andreas Lütschg wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Liegenschaft vor Konkurs verkauft

Drei Mitarbeiter des Konkursamtes machten sich am Donnerstag am Firmensitz am Steiächerweg in Leuggern ein Bild vom Inventar. Wie ein Mitarbeiter der az erzählt, "knisterte es". Wegen des ausgebliebenen September-Lohnes haben sich bei Angestellten Frust und Ärger breit gemacht. Dies steigerte sich, als klar wurde, dass die Auffanggesellschaft Schiffbruch erleidet. Lütschg hatte 20 bis 25 Mitarbeitern der H. Erne Metallbau eine Anstellung bei der Auffanggesellschaft in Aussicht gestellt. Es kam zu emotionalen Szenen. Lütschg habe sich harte Vorwürfe anhören müssen.

Gemäss Handelsregister-Eintrag wurde die Auffanggsellschaft unter dem Namen Erne Anlagenbau AG bereits am Freitag, 23. September, eingetragen. Das Aktienkapital beträgt 100'000 Franken. Nebst Andreas Lütschg waltet noch Martin Niederberger (Zufikon) als Verwaltungsrat. Das Kapital stellt laut Lütschg die Fäh Maschinen- und Anlagenbau AG aus Glarus, die ihm sowie seinem Bruder gehört.

Die Eigentümer der neu gegründeten Erne Anlagenbau AG wollten das gesamte Inventar der konkursiten H. Erne Metallbau AG kaufen. Dazu gehören das Geschäftsinventar sowie Fahrzeuge. Nicht aber die zwei Parzellen mit der Firmenliegenschaft am Steiächerweg. Fuhrer bestätigt, dass diese verkauft worden ist. Laut einer vertraulichen Quelle der az ging der Verkauf am Freitag, 23. September, über die Bühne.

Heute Freitag ist der Konkurs im Schweizerischen Amtsblatt publiziert worden. Erste Gläubiger haben sich bereits beim Konkursamt gemeldet, um ihre Forderungen einzureichen.

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