Bad Zurzach
Messerattacke nach flottem Dreier: Ehefrau auf freiem Fuss

Ehefrau Luana verführt ihren Mann Sandro zusammen mit ihrer Kollegin Maria. Als dieser anbeisst dreht Luana durch und greift zum Küchenmesser - ein bizarrer Fall von extensiver häuslicher Gewalt endet vor Bezirksgericht.

Rosmarie Mehlin
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Ein bizarrer Fall vor dem Bezirksgericht Zurzach (Symbolbild)

Ein bizarrer Fall vor dem Bezirksgericht Zurzach (Symbolbild)

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In einer Bar in Zürich hatten sie sich ineinander verknallt, ein Jahr später geheiratet. Schon nur deshalb, «weil Luana sonst die Schweiz hätte verlassen müssen. Aber ich hab auch gehofft, dass es klappen würde.» Also sprach der 30-jährige Sandro (alle Namen geändert) als Zeuge vor dem Zurzacher Bezirksgericht. Laut Traktandenliste ging es um «versuchte vorsätzliche Tötung». Angeklagt war Luana.

Die Ehe hatte halt doch nicht so ganz geklappt. «Wir hatten gute Zeiten, uns wirklich geliebt, zwei Jahre lang», versicherte Sandro. Aber immer mehr wurde gestritten statt geliebt. Dabei sind sich beide verbal und tätlich nichts schuldig geblieben. Drogen und Alkohol spielten dabei eine grosse Rolle. Und das Temperament, das die 25-jährige Luana zusammen mit ihrem hübschen Gesicht aus ihrer südamerikanischen Heimat mit in den kühlen Norden gebracht hatte. «Wir haben wegen des Lärms sogar mal eine schriftliche Mahnung der Hausverwaltung bekommen», so Sandro. Auch die Polizei war, wegen häuslicher Gewalt und Drogen, bereits zweimal in der Attikawohnung des Paares aufgekreuzt, als es im letzten September zum Eklat kam.

Vom Sex zur Gewalt

Es war ein Sonntagmorgen. Luana war mit Freundinnen im Ausgang und hatte die rund zehn Jahre ältere Maria im Schlepptau, als sie heimkehrte. Beide Frauen waren alles andere als nüchtern. Luana, von der ehelichen Pflicht-Passivität ihres Gatten frustriert, forderte Maria auf, Sandro diesbezüglich ein bisschen auf Vordermann zu bringen. Maria tat offenbar ihr Bestes und siehe da, es gab einen stehenden Erfolg. Als Luana das bemerkte, holte sie flugs Kondome. Als Sandro und Maria richtig zur Sache gingen, war das für Luana dann doch zu viel des Guten. Als sie zornig das Schlafzimmer verliess, ahnte Sandro Schlimmes. Er machte den Coitus zum interruptus, verhüllte seine Blösse mit der Daunendecke und folgte seiner Frau.

Vor dem Schlafzimmer kam ihm diese mit zwei spitzen Messern in der Hand entgegen. Als er ihr die Messer wegnehmen wollte, stach sie zwölfmal auf ihn ein. Sandro wurde glücklicherweise aber nur von drei Stichen und nur leicht an einer Flanke, in der Nierengegend und an der Unterlippe verletzt. Während er sich in der Folge im Spital Leuggern mit Pflästerli verarzten liess, begleitete Luana Maria nach Hause. «Als ich wieder heimkam, tauchte die Polizei auf. Ich hätte sie nicht alarmiert, aber offenbar hatte das ein Nachbar getan», so Sandro.

Luana, die seit jenem Sonntagmorgen in U- und Sicherungshaft sass – 213 Tage notabene –, vergoss vor den Schranken ein Meer von Tränen. Sie versicherte, dass Sandros Drogensucht die Ursache für die Zerrüttung und die Streitereien gewesen sei. Inzwischen ist er clean, hat aber die Scheidung eingereicht, was Luana nicht verstehen will: Sie liebe ihn immer noch, wolle mit ihm zusammenbleiben. Ihre Aufforderung an Maria, ihn «anzumachen», sei als Botschaft an Sandro gemeint gewesen. «Niemals wollte ich ihn töten! Ich hatte überhaupt nicht die Absicht, jemanden zu verletzen. Ich wollte nur Maria Angst einjagen, damit sie sofort unsere Wohnung verlässt!» Diese Aussage wiederholte Luana immer wieder.

Wieder auf freiem Fuss

Das Gericht unter Vorsitz von Cyrill Kramer glaubte ihr. Einstimmig sprach es die 25-Jährige vom Vorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung frei und sprach sie schuldig der versuchten schweren und vollzogenen einfachen Körperverletzung. Dafür wurde Luana zu 10 Monaten Haft, bedingt auf zwei Jahre, verurteilt. Damit ist Luana wieder auf freiem Fuss. Der Staatsanwalt hatte 51⁄2 Jahre gefordert, die Verteidigerin einen Freispruch.

Die Genugtuung von über 53000 Franken, welche Luanas Anwältin für die siebenmonatige Haft beantragt hatte, wurde durch den Schuldspruch hinfällig. Offen bleibt die Frage, wies weitergeht mit Luana. «Ich will sie auf gar keinen Fall mehr in meiner Wohnung haben», sagte Sandro nach dem Urteilsspruch. Tja – Liebe kommt, Liebe geht ...