Fusionsprojekt Rheintal+
Mellikons Ammann musste lange schweigen – der Rietheimer erlebte «unschöne Sachen»

Die Gemeinderäte von Mellikon und Rietheim empfahlen ein Nein zur Gemeindefusion Zurzach – einer der beiden freute sich allerdings über das Ja in seiner Gemeinde: Der Melliker Rolf Laube hat sich am Abstimmungsabend als Fusionsbefürworter outen dürfen.

Philipp Zimmermann
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PK Rheintal+ nach Abstimmung vom 24. Mai 2019
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Rolf Laube als Projektleiter von Rheintal+ nimmt nach dem Abstimmungsabend vor den Medien Stellung an der Pressekonferenz im Kreuz in Kaiserstuhl.
Heiri Rohner (Wislikofen), Rolf Laube (Mellikon) und Reto S. Fuchs (Bad Zurzach) nach der Pressekonferenz anlässlich der Rheintal+-Abstimmung.
9 von 10 Gemeinden im Zurzibiet haben Ja gestimmt zum Fusionsprojekt. Im Bild: Roger Berglas, der Ammann der Nein-Gemeinde Fisibach, der externe Projektbegleiter Jean-Claude Kleiner und Bad Zurzachs Ammann Reto S. Fuchs.
Heiri Rohner (Wislikofen) und Rolf Laube (Mellikon).
Gruppenbild nach dem langen Abend: Roger Berglas (Fisibach), Ruedi Weiss (Kaiserstuhl), Jean-Claude Kleiner (externer Projektbegleiter), Urs Habegger (Rümikon), Heiri Rohner (Wislikofen), Rolf Laube (Mellikon), Adrian Thoma (Böbikon), Werner Schumacher (Rekingen), Beat Rudolf (Rietheim), René Meier (Baldingen), Reto S. Fuchs (Bad Zurzach), Andi Meier (Andi Meier, Gemeindeschreiber Verwaltung2000), Daniel Baumgartner (Fachbeirat, Gemeindeschreiber Bad Zurzach).
Jean-Claude Kleiner (externer Projektbegleiter) und Rietheims Ammann Beat Rudolf.
Vorne René Meier (Baldingen) im Gespräch mit Urs Habegger (Rümikon) und Werner Schumacher (Rekingen).
Werner Schumacher (Rekingen) und René Meier (Baldingen).
Impressionen von der Pressekonferenz im Restaurant Kreuz in Kaiserstuhl.
Impressionen von der Pressekonferenz im Restaurant Kreuz in Kaiserstuhl.
Impressionen von der Pressekonferenz im Restaurant Kreuz in Kaiserstuhl.
Impressionen von der Pressekonferenz im Restaurant Kreuz in Kaiserstuhl.
Impressionen von der Pressekonferenz im Restaurant Kreuz in Kaiserstuhl.

PK Rheintal+ nach Abstimmung vom 24. Mai 2019

Chris Iseli

Der Melliker Gemeindeammann Rolf Laube ist nach dem Ja seiner Stimmbürger zum Fusionsprojekt Rheintal+ erleichtert. In den letzten Wochen hatte er keinen leichten Stand: Der Gemeinderat von Mellikon hatte für das Fusionsprojekt ein Nein empfohlen. Nun hat Laube den Vorsitz des Projektleitung von Rheintal+ inne. Da lag die Vermutung nahe, dass er selbst ein Fusionsbefürworter ist. Wie sonst könnte er den Vorsitz des Projekts glaubwürdig ausfüllen?

Tatsächlich informierte er an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom Donnerstag darüber, dass er ein Fusionsbefürworter ist. Möglich gemacht hat dies die Stimmfreigabe für alle Gemeinderäte, welche die Rheintal+-Projektleitung schon vor längerer Zeit für diesen Abend beschlossen hatte.

"Nach der letzten Informationsveranstaltung ging ich davon aus, dass die Chancen bei 50:50 liegen", sagt Rolf Laube am späten Donnerstagabend im Restaurant Kreuz in Kaiserstuhl. Dort haben sich die zehn Gemeindeammänner getroffen. Die Stimmung ist locker. Freude und Erleichterung über die hohe Zustimmung ist den meisten der Männer ins Gesicht geschrieben. Mit Fisibach hat nur eine der zehn Gemeinden die Fusion abgelehnt. Der Alleingang ist aufgrund der hohen Stimmbeteiligung bereits definitiv.

Stimmfreigabe half Befürwortern

In Mellikon überwogen 43 Ja-Stimmen die 20 Nein-Stimmen markant. Das sind 68 Prozent. Damit hatte hier niemand gerechnet. Wie also lässt sich das deutliche Melliker Ja erklären? Hat die Stimmfreigabe, also dass der Ammann offen seine Meinung sagen konnte, geholfen? "Ich glaube ja", antwortet Rolf Laube. Auch der langjährige Gemeindeammann hat die deutliche Zustimmung so nicht erwartet.

Dass Laube hinter der Fusion steht, hatte sich im Dorf und teilweise auch in der Region schon vor dem Abstimmungsabend herumgesprochen. Nachdem sich nach den letzten Infoveranstaltungen in den Rheintal+-Gemeinden vor wenigen Wochen die Zeichen mehrten, dass die Melliker Nachbarn und Partner der Gemeindeverwaltung (Verwaltung2000) wohl für die Fusion votieren werden, dürften Melliker vermehrt ein Fragezeichen hinter den weiteren Gang der Eigenständigkeit gesetzt haben. In so manchen Bereichen wären sie eh auf die neue Gemeinde Zurzach angewiesen. Die Verhandlungsposition als kleiner Nachbar wäre nicht gerade rosig.

«Unschöne Sachen»

Mit einem Nein hat auch Rietheims Gemeindeammann Beat Rudolf gerechnet. Auf "50 zu 50" schätzte auch er die Chance ein, dass die Versammlung der Vorlage zustimmt respektive sie ablehnt. Es kam anders: Mit 97 Ja zu 55 Nein oder 64 Prozent Zustimmung hat Rietheim deutlich die Richtung vorgegeben. Rudolf freute sich zumindest über das "klare Ergebnis", sprach schon an der Versammlung, angesichts des Grossaufmarsches, von gelebter Demokratie. Und er zeigte sich bemüht, teils harsche verbale Auseinandersetzungen auf eine sachliche Ebene zu bringen. Er habe zuletzt schon einiges einstecken müssen, sagt er zu später Stunde im Kreuz. "Unschöne Sachen", fügt er an, sprich Kritik unter der Gürtellinie. Er hat deshalb an der Gemeindeversammlung an die Bevölkerung appelliert, dass man miteinander sachlich auf Augenhöhe umgehen solle. Bis zum endgültigen Entscheid, den die Stimmberechtigten am 8. September an der Urne fällen werden.

Lesen Sie hier den Liveticker zum Abstimmungsabend nach

Voller Saal in Bad Zurzach: Im Bezirkshauptort sind 414 von 2291 Stimmberechtigten anwesend.
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In mehreren Gemeinden wird eine geheime Abstimmung verlangt, etwa in Rietheim.
Bad Zurzachs Gemeindeammann Reto S. Fuchs begrüsst die Stimmberechtigten zur Abstimmung über den Fusionsvertrag.
Bad Zurzachs Ammann Reto S. Fuchs.
Die Abstimmung in Bad Zurzach: Hände schiessen in die Höhe.
395 von 414 Anwesenden sagen Ja zu Rheintal+ – 10-Nein-Stimmen werden gezählt.
Weitere Impressionen aus Bad Zurzach.
Weitere Impressionen aus Bad Zurzach.
Weitere Impressionen aus Bad Zurzach.
Weitere Impressionen aus Bad Zurzach.
Grossauflauf auch in Rietheim: Wenige Minuten vor Beginn der Gmeind sind alle Plätze besetzt.
Der Gemeinderat von Bad Zurzach.
Projekt Rheintal+: Diese zehn Zurzibieter Gemeinden prüften die Fusion.
So sollte das Wappen für die Gemeinde "Zurzach" aussehen – weil Fisibach Nein gesagt hat, fällt wohl ein blauer Flussstreifen weg.
Das Abstimmungsprozedere zum Fusionsvertrag Rheintal+.
10 Zurzibieter Gemeinden entscheiden über den Zusammenschluss. Es folgen Bilder zu diesen Gemeinden. Hier im Bild ist Bad Zurzach, die mit Abstand grösste der zehn Gemeinden
Blick aus der Vogelperspektive auf Bad Zurzach und und das Rietheimer Feld der Nachbargemeinde Rietheim.
Bad Zurzach ist weitherum bekannt als Wellness- und Kurort. Im Bild der Turm neben dem Thermalbad Zurzach. Oben im Turm befindet sich das Panoramarestaurant.
Blick in den historischen Ortskern von Bad Zurzach. Hier sind 4328 Einwohner gemeldet.
Der Flecken, wie die Einheimischen den historischen Ortskern nennen, ist ein beliebter Ort für Märkte und Events - hier die Tavolata, die ein grosses Publikum anlockte.
Rietheim ist, vom Rhein aus gesehen, die unterste der zehn "Rheintal+"-Gemeinden. Hier leben 741 Einwohner.
Rietheim: Der Zug fährt durchs Dorf.
Das Auenschutzgebiet Chly Rhy in Rietheim – ein Naturparadies.
Auch ein touristisches Strassenschild macht Werbung für die besondere Auenlandschaft in Rietheim.
Die andere Rheintal+-Nachbargemeinde von Bad Zurzach ist Rekingen (rheinaufwärts) mit 951 Einwohnern. Hier befindet sich das Wasserkraftwerk, das 60'000 Haushalte mit Strom versorgt. Auf der deutschen Seite liegt Reckingen (mit c).
Blick vom Nurren auf Rekingen und Bad Zurzach (hinten).
Die Gemeinden am Rhein, also Rietheim, Bad Zurzach, Rekingen, Mellikon, Rümikon und Kaiserstuhl, verfügen über einen SBB-Bahnhof oder eine SBB-Bahnstation.
Von Rekingen hinauf geht es nach Böbikon.
Die Kleinstgemeinde Böbikon hat 171 Einwohner. Es ist einwohnermässig die kleinste der "Rheintal+"-Gemeinden.
Höher als Böbikon liegt Baldingen (im Bild), wo 257 Einwohner leben.
Markant: Die Kirche von Baldingen. Im Dorf wuchs übrigens der ehemalige Aargauer National- und Ständerat Jules Binder (Jahrgang 1925, CVP) auf.
In Baldingen bestehen einige landwirtschaftliche Betriebe. Der höchste Punkt der Gemeinde liegt auf 575 Metern, auf der Spornegg.
Von Rekingen dem Rhein entlang kommt man nach Mellikon (235 Einwohner).
Auch Mellikon ist eine Kleinstgemeinde, verfügt aber über eine Bahnstation und ein Industriegebiet.
Von Mellikon hinauf geht es nach Wislikofen, das zum sogenannten Studenland gehört.
Bekannteste Liegenschaft in Wislikofen (340 Einwohner) ist die Propstei.
Mellstorf ist ein Ortsteil von Wislikofen. Die beiden Ortschaften fusionierten auf den 1. Januar 1899.
Von Mellikon rheinaufwärts geht es nach Rümikon.
Rümikon gilt noch heute als Fischerdorf – hier wurden einst Lachse gefangen.
Auch Rümikon (321 Einwohner) liegt am Rhein und verfügt über eine Bahnstation.
Neben Rümikon am Rhein liegt das Städtchen Kaiserstuhl (435 Einwohner). Mit den beiden Fernsehgrössen Dietmar Schönherr und Dieter Moor hatte Kaiserstuhl einst zwei prominente Einwohner.
Kaiserstuhl ist flächenmässig die kleinste Gemeinde im Kanton Aargau. Die Schüler von Kaiserstuhl und Fisibach gehen im Kanton Zürich in Weiach und Stadel (Oberstufe) zur Schule.
Ein Hingucker: Der Stadtturm von Kaiserstuhl.
Zu Kaiserstuhl gehört der Rhein beim Grenzübergang nach Hohentengen/Deutschland (rechts). Dort steht auch das Schloss Rötteln.
Fisibach (498 Einwohner) liegt neben Kaiserstuhl, und grenzt auch an den Rhein. Es geriet schweizweit in die Schlagzeilen, weil sich Einwohner Gedanken machten über einen Kantonswechsel zum Kanton Zürich. Dieser ist allerdings vom Tisch.
Vorne landwirtschaftliche Nutzfläche, hinten das Gebäude der Ziegelei.
Fisibach verfügt – wie alle zehn "Rheintal+"-Gemeinden – über landschaftliche Qualitäten.
Weitherum bekannt: Das Baggermuseum Ebianum in Fisibach.
Im Ebianum lassen sich Events durchführen: Auch eine grosse Informationsveranstaltung zu Rheintal+ fand im Januar 2017 hier statt. Quelle Einwohnerzahlen: Statistisches Amt Aargau, Ende Juni 2018.

Voller Saal in Bad Zurzach: Im Bezirkshauptort sind 414 von 2291 Stimmberechtigten anwesend.

Chris Iseli