Mellikon
«Meieried» wird zur Auenlandschaft – für 2,8 Millionen Franken

Seit 20 Jahren ist das Stück Land beim Schwimmbad Mellikon als Teil des Auenschutzparks festgesetzt. Kommende Woche startet der Kanton nun mit der Renaturierung.

Stefanie Garcia Lainez
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Noch führt ein Wanderweg über das zuvor bewirtschaftete Stück Land, das nun renaturiert wird.

Noch führt ein Wanderweg über das zuvor bewirtschaftete Stück Land, das nun renaturiert wird.

zvg

Seit 2001 ist das «Meieried» in Mellikon im kantonalen Richtplan als Teil des Auenschutzparks Aargau festgesetzt – jetzt setzt der Kanton die Renaturierung um. Die Bauarbeiten auf dem vier Hektaren umfassenden Gebiet am Rhein starten kommende Woche, sofern die Witterung dies zulässt. Diesen Frühling genehmigte der Grosse Rat einen Verpflichtungsprojekt über 2,8 Millionen Franken für das Projekt.

Dass der Baustart erst 20 Jahre nach der Festsetzung des Gebiets erfolgt, hat mehrere Gründe. Insgesamt legte der Kanton rund zwei Dutzend Auengebiete auf rund 16 Quadratkilometern fest. Zuerst seien die dringenderen oder schneller umsetzbaren Projekte angegangen worden, sagt Bruno Schelbert, Programmleiter Auenschutzpark Aargau des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt. Er ergänzt:

«Die finanziellen und die personellen Ressourcen liessen es nicht zu, alle Projekte gleichzeitig anzugehen.»

2013 lag ein fixfertiges Bauprojekt für die Renaturierung im «Meieried» vor. Da aber im selben Jahr der Kanton ein umfassendes Sparpaket schnüren musste, wurde das Vorhaben auf Eis gelegt und die beiden betroffenen Staatsparzellen nochmals für acht Jahre verpachtet. Im vergangenen Frühling lief der Pachtvertrag aus.

Auf einer Länge von etwa 650 Metern gleich beim Schwimmbad werde ab nächster Woche ein rund 300 Meter langer, sogenannter rückspringender Altarm in Kombination mit kleinen Buchten entlang des Rheins erstellt, schreibt der Kanton in einer Mitteilung. Ein rückspringender Altarm ist ein Teil des Flusses mit stehendem Wasser, der nicht vom Rhein durchflossen wird. Die Verbindung zum Rhein befindet sich flussabwärts, das Wasser fliesst, wenn überhaupt, quasi flussaufwärts in diesen Nebenarm als Rückströmung. «Bei Hochwasser mit starker Strömung bietet dieser Flussarm einen Rückzugsort vor allem für junge und kleine Fische», ergänzt Bruno Schelbert. «Dadurch soll das Stillgewässer weniger schnell verlanden.»

Der Rheinuferweg wird für das Projekt verlegt

Des Weiteren werden mit dem Projekt beim «Meieried» verschiedene auentypische Lebensräume für Amphibien, Fische, Vögel und Insekten umgesetzt. Verlandungs- und Ruderalvegetation, also eine Fläche mit Kiesbänken und Schotterflächen, ergänzen das Lebensraumangebot. «Das geplante Gewässer mit den Ruderalflächen hat am Rheinufer eine wichtige Trittsteinfunktion als Ersatz- und Durchgangslebensraum für heute ungenügend vernetzte und auf solche Standorte angewiesene Tier- und Pflanzenarten», schreibt der Kanton.

Zwischen Eglisau und Rietheim herrsche ein grosser Mangel an solchen Standorten entlang des Rheins. Mit der Verlegung des Rheinuferwegs an die Böschungskante des neuen Altarms und dem Abbruch des Militärbunkers würden der notwendige Platz für Aufwertungsmassnahmen und ein Bereich geschaffen, in dem sich Pflanzen und Tiere ungestört entfalten können. Zusätzlich erstellt der Kanton eine Aussichtsplattform und direkt beim Schwimmbad Mellikon ein Rastplatz mit Feuerstelle.

Nur wenige Flächen eignen sich für Renaturierung

Anfang 1990er-Jahre verstärkten Bund und Kantone die Anstrengungen für eine ökologische Aufwertung des Hochrheins. Im Rahmen des Aktionsprogramms «Rhein 2000» der Internationalen Kommission zum Schutze des Rheins schlug der Bund zwölf Projekte für die Renaturierung des Hochrheins vor. «Die Intention war, zur Umsetzung der anspruchsvollen Ziele von ‹Rhein 2000› – der Rhein als Lebensraum für den Lachs sowie die Erhöhung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt – einen konkreten Impuls zu geben», heisst es in der Mitteilung weiter.

Auf Schweizer Seite seien die Gegebenheiten aus rein topografischen Gründen sehr eingeschränkt, so der Kanton. Das «Meieried» bei Mellikon sei eine der wenigen, überhaupt möglichen Renaturierungsflächen. Zudem seien diese Parzellen bereits in Besitz des Kantons Aargau. Aus diesen Gründen sei das «Meieried» im kantonalen Richtplan festgesetzt worden.

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