Projekt Rheintal+
Mehrheit für die Zurzibieter Megafusion: 7 von 10 Gemeinden wünschen Zusammenschluss

Das Projekt Rheintal+ der Zurzibieter Gemeinden Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Fisibach, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen tritt in die entscheidende Phase.

Louis Probst
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10 Gemeinden im Zurzibiet haben im Projekt Rheintal+ eine Fusion geprüft. In den weiteren Bildern folgen die 10 Gemeinden. Im Bild Bad Zurzach, die mit Abstand grösste der zehn Gemeinden
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Projekt Rheintal+ - das sind die 10 Zurzibieter Gemeinden
Bad Zurzach ist weitherum bekannt als Wellness- und Kurort. Im Bild der Turm neben dem Thermalbad Zurzach. Oben im Turm befindet sich das Panoramarestaurant.
Blick in den historischen Ortskern von Bad Zurzach. Hier sind 4328 Einwohner gemeldet.
Der Flecken, wie die Einheimischen den historischen Ortskern nennen, ist ein beliebter Ort für Märkte und Events - hier die Tavolata, die ein grosses Publikum anlockte.
Rietheim ist, vom Rhein aus gesehen, die unterste der zehn "Rheintal+"-Gemeinden. Hier leben 741 Einwohner.
Rietheim: Der Zug fährt durchs Dorf.
Das Auenschutzgebiet Chly Rhy in Rietheim.
Auch ein touristisches Strassenschild macht Werbung für die besondere Auenlandschaft in Rietheim.
Die andere Rheintal+-Nachbargemeinde von Bad Zurzach ist Rekingen (rheinaufwärts) mit 951 Einwohnern. Hier befindet sich das Wasserkraftwerk, das 60'000 Haushalte mit Strom versorgt. Auf der deutschen Seite liegt Reckingen (mit c).
Blick vom Nurren auf Rekingen und Bad Zurzach (hinten).
Die Gemeinden am Rhein, also Rietheim, Bad Zurzach, Rekingen, Mellikon, Rümikon und Kaiserstuhl, verfügen über einen SBB-Bahnhof oder eine SBB-Bahnstation.
Von Rekingen hinauf geht es nach Böbikon.
Die Kleinstgemeinde Böbikon hat 171 Einwohner. Es ist einwohnermässig die kleinste der "Rheintal+"-Gemeinden.
Höher als Böbikon liegt Baldingen (im Bild), wo 257 Einwohner leben.
Markant: Die Kirche von Baldingen. Im Dorf wuchs übrigens der ehemalige Aargauer National- und Ständerat Jules Binder (Jahrgang 1925, CVP) auf.
In Baldingen bestehen einige landwirtschaftliche Betriebe. Der höchste Punkt der Gemeinde liegt auf 575 Metern, auf der Spornegg.
Von Rekingen dem Rhein entlang kommt man nach Mellikon (235 Einwohner).
Auch Mellikon ist eine Kleinstgemeinde, verfügt aber über eine Bahnstation und ein Industriegebiet.
Von Mellikon hinauf geht es nach Wislikofen, das zum sogenannten Studenland gehört.
Bekannteste Liegenschaft in Wislikofen (340 Einwohner) ist die Propstei.
Mellstorf ist ein Ortsteil von Wislikofen. Die beiden Ortschaften fusionierten auf den 1. Januar 1899.
Von Mellikon rheinaufwärts geht es nach Rümikon.
Rümikon gilt noch heute als Fischerdorf – hier wurden einst Lachse gefangen.
Auch Rümikon (321 Einwohner) liegt am Rhein und verfügt über eine Bahnstation.
Neben Rümikon am Rhein liegt das Städtchen Kaiserstuhl (435 Einwohner). Mit den beiden Fernsehgrössen Dietmar Schönherr und Dieter Moor hatte Kaiserstuhl einst zwei prominente Einwohner.
Kaiserstuhl ist flächenmässig die kleinste Gemeinde im Kanton Aargau. Die Schüler von Kaiserstuhl und Fisibach gehen im Kanton Zürich in Weiach und Stadel (Oberstufe) zur Schule.
Ein Hingucker: Der Stadtturm von Kaiserstuhl.
Zu Kaiserstuhl gehört der Rhein beim Grenzübergang nach Hohentengen/Deutschland (rechts). Dort steht auch das Schloss Rötteln.
Fisibach (498 Einwohner) liegt neben Kaiserstuhl, und grenzt auch an den Rhein. Es geriet schweizweit in die Schlagzeilen, weil sich Einwohner Gedanken machten über einen Kantonswechsel zum Kanton Zürich. Dieser ist allerdings vom Tisch.
Vorne landwirtschaftliche Nutzfläche, hinten das Gebäude der Ziegelei.
Fisibach verfügt – wie alle zehn "Rheintal+"-Gemeinden – über landschaftliche Qualitäten.
Weitherum bekannt: Das Baggermuseum Ebianum in Fisibach.
Im Ebianum lassen sich Events durchführen: Auch eine grosse Informationsveranstaltung zu Rheintal+ fand im Januar 2017 hier statt. Texte: Philipp Zimmermann. - Quelle Einwohnerzahlen: Statistisches Amt Aargau, Ende Juni 2018.

10 Gemeinden im Zurzibiet haben im Projekt Rheintal+ eine Fusion geprüft. In den weiteren Bildern folgen die 10 Gemeinden. Im Bild Bad Zurzach, die mit Abstand grösste der zehn Gemeinden

ZVG/Bad Zurzach Tourismus

Das Projekt Rheintal+ der Zurzibieter Gemeinden Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Fisibach, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen tritt in die entscheidende Phase. Der Vertrag für den Zusammenschluss zur neuen Einwohnergemeinde Zurzach liegt vor (www.rheintalplus.ch). Am 23. Mai werden die zehn Gemeinden an ausserordentlichen Gemeindeversammlungen über den Vertrag abstimmen. Das Projekt kommt dann zustande, wenn neben Bad Zurzach mindestens vier weitere Gemeinden zustimmen (Regelung 4+1).

Laut Vertrag wird die neue Gemeinde Zurzach heissen, ihren Sitz in Bad Zurzach haben und, je nach Zahl der beteiligten Gemeinden, einen Gemeinderat mit sieben oder neun Sitzen haben. Bestehende Gemeindenamen, Postleitzahlen und Strassennamen bleiben unverändert.

Geregelt wird im Vertrag auch die spezielle Schulsituation von Kaiserstuhl und Fisibach. Die Kinder aus diesen Gemeinden besuchen heute die Schulen im zürcherischen Weiach. Eine Kündigung des entsprechenden Vertrages ist erstmals auf das Schuljahr 2026/2027 möglich. Im Zusammenschlussvertrag wird Kaiserstuhl und Fisibach ein Vetorecht zugestanden. Demnach kann eine neue Gemeinde die Verträge mit Weiach nur mit Zustimmung der Stimmberechtigten der Ortschaften Fisibach und Kaiserstuhl kündigen.

Am Samstag haben die Ammänner der zehn Gemeinden über die Haltung ihrer Behörden zum Vertrag informiert. Während die Gemeinderäte von Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rümikon und Wislikofen die Annahme empfehlen, sprechen sich die Gemeinderäte von Fisibach, Mellikon und Rietheim für Ablehnung des Vertrags aus.

Unbekannte Faktoren

Bei den Gründen für die Ablehnung scheint die Regel 4+1 eine gewisse Rolle zu spielen. «Wir können uns nicht vorstellen, dass auf dieser Basis eine neue Gemeinde entstehen kann, weil zum Zeitpunkt der Abstimmung einzelne Parameter unbekannt sind», sagte der Mellikoner Gemeindeammann Rolf Laube. «Man weiss nicht, wen man heiratet.»

Beat Rudolf, Gemeindeammann Rietheim «Wir befürchten einen Verlust an Gewicht und Mitsprache im neuen Gebilde.»

Beat Rudolf, Gemeindeammann Rietheim «Wir befürchten einen Verlust an Gewicht und Mitsprache im neuen Gebilde.»

Sandra Ardizzone

Beat Rudolf von Rietheim äusserte sich ähnlich. Er machte zudem einen Wegfall der Schul-Mittelstufe Rietheim sowie Befürchtungen über einen Verlust an Gewicht und Mitsprache im neuen Gebilde geltend. Etwas anders tönte es aus Fisibach: «Wir stellen fest, dass die Akzeptanz für den Zusammenschluss nicht da ist», erklärte Roger Berglas. «Es gibt Spannungsfelder, die ein Zusammenwachsen verunmöglichen.» Alle drei Gemeindeammänner bekräftigten aber – Zusammenschluss hin oder her – den Willen zu einer guten Zusammenarbeit.

Nichts zu verlieren

«Für die Annahme des Vertrags», so Reto S. Fuchs, Gemeindeammann in Bad Zurzach, «spricht das grössere Gewicht gegenüber dem Kanton. Wir sind überzeugt, dass grosse Themen wie Gesundheit, öffentlicher Verkehr oder Standortentwicklung, in einer grösseren Organisation besser zum Tragen gebracht werden können». Auch der Baldinger René Meier stellte fest: «In Zukunft werden grosse Aufgaben in einem grösseren Verbund besser zu bewältigen sein.»

Adrian Thoma aus Böbikon meinte kurz und bündig: «Gemeinsam erreichen wir mehr.» Ruedi Weiss aus Kaiserstuhl zeigte sich dankbar für das Vetorecht zum Schulvertrag mit Weiach. «Wir hoffen zudem, dass eine grössere Gemeinde mehr Gewicht hat und dass sich die Region vom Image des Finanzausgleichsempfängers verabschieden kann.»

Der Rekinger Werner Schumacher sagte: «Wir versprechen uns durch das neue Gebilde eine Stärkung.» Durch den Zusammenschluss ergäben sich Standortvorteile für die Region und mehr Gewicht gegenüber dem Kanton, so Urs Habegger, Gemeindeammann in Rümikon. Heiri Rohner aus Wislikofen stellte fest: «Die heutigen Strukturen sind nicht mehr zeitgemäss. Wir sind der Meinung, dass Wislikofen nichts verlieren, sondern nur gewinnen kann.»