Zurzibiet
Mehr Verkehrsünder - weil die Polizei anderweitig ermitteln muss

Autofahrer nützen aus, dass Polizisten vermehrt Asylunterkunft statt Verkehr kontrollieren. Im Mitteilungsblatt der Gemeinde des Monats September ist von einem «neuen Höchststand an Übertretungen» die Rede.

Pirmin Kramer
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Bei einer Kontrolle fuhren auf der Leuggernstrasse 42 Prozent der Autos zu schnell.Chris Iseli

Bei einer Kontrolle fuhren auf der Leuggernstrasse 42 Prozent der Autos zu schnell.Chris Iseli

Man habe im August an der Leuggernstrasse in Leibstadt Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt, sagt Repol-Chef René Lippuner. In den 90 Messminuten seien 84 von 201 Autofahrern zu schnell unterwegs gewesen – also 42 Prozent.

«Tendenz leider eindeutig»

Die Tendenz sei leider im ganzen Bezirk Zurzach eindeutig, sagt Lippuner. «Seit einigen Monaten nimmt die Zahl der Autofahrer, die auf den Zurzibieter Strassen zu schnell unterwegs sind, wieder zu.» Lippuner glaubt, den Grund für diese Zunahme zu kennen. «In den vergangenen Monaten konnten wir nicht mehr so viele allgemeine Verkehrskontrollen durchführen, da wir uns auf die Aktion Crime Stop bei der Asylunterkunft in Rekingen und in der Region Bad Zurzach konzentriert haben. Die Autofahrer merken rasch, wenn es Phasen mit weniger Kontrollen gibt, und fahren dann weniger vorsichtig.»

Haben auch Polizisten in anderen Bezirken wegen der Aktion Crime Stop zu wenig Zeit für die Verkehrssicherheit? Wie im Zusammenhang mit dem Massnahmenpaket gegen Kriminaltourismus und Asylkriminalität bereits mehrfach kommuniziert, habe im Kanton zwar tatsächlich eine Verlagerung der Ressourcen stattgefunden, sagt Peter Buri, Sprecher des Regierungsrates. «Rund 15 bis 20 Prozent der Ressourcen, die bisher für Verkehrssicherheit eingesetzt wurden, werden nun temporär für die Kriminalitätsbekämpfung eingesetzt.» Mit Ausnahme der Aussage des Zurzibieter Repol-Chefs habe er aber keine Kenntnisse von Bezirken, in denen Polizisten zu wenig Zeit für Verkehrskontrollen hätten. «Noch immer werden pro Jahr rund 240000 Mannstunden für die Verkehrssicherheit geleistet», sagt Buri.

Alkohol und Drogen am Steuer

Neben Tempoübertretungen würde momentan auch die Zahl anderer Verkehrsdelikte zunehmen, zum Beispiel Alkohol und Drogen am Steuer, sagt Repol-Chef Lippuner. «Als vor ein paar Wochen der Schulunterricht wieder begann, haben wir viele Autofahrer gesehen, die bei den Fussgängerstreifen nicht für die Kinder angehalten haben.»

An der Gewerbeausstellung in Bad Zurzach im Oktober will die Regionalpolizei Zurzibiet mit einem eigenen Stand einen Beitrag zu besserer Verkehrssicherheit leisten.