Zurzibiet
Mehr häusliche Gewalt und eine «Frühpensionierung» – der Jahresrückblick der Regionalpolizei

Der Bericht 2017 der Regionalpolizei Zurzibiet liefert erschreckende Zahlen und Fakten. Trotzdem gab es für das vergangene Jahr auch erfreuliche und beeindruckende Entwicklungen.

Rosmarie Mehlin
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Eine gesamtschweizerisch erschreckende Tatsache – die Zunahme häuslicher Gewalt – macht auch vor dem Zurzibiet nicht Halt. (Symbolbild)

Eine gesamtschweizerisch erschreckende Tatsache – die Zunahme häuslicher Gewalt – macht auch vor dem Zurzibiet nicht Halt. (Symbolbild)

Keystone

13 uniformierte Polizeibeamte, davon vier Frauen, plus Diensthündin Meena und zwei zivile Mitarbeiterinnen haben 2017 im Zurzibiet mehr als 25 000 Stunden im Dienste von Sicherheit, Gesetz und Ordnung gestanden.

Dies sind 1746 Stunden weniger als im Jahr zuvor. Ursächlich dafür war, nebst Weiterbildung, Krankheit und Unfall, das neue Personalreglement der Stadt Klingnau, das den meisten Mitarbeitern eine zusätzliche Woche Ferien einräumt.

«Die Konsequenz ist weniger Präsenz in den Gemeinden mit einzelnen Ausnahmen, wie Böttstein oder Koblenz, wo grössere Fälle abzuarbeiten oder Problemfamilien zugezogen sind», sagt der Repol-Chef Oberleutnant René Lippuner.

Fakten und Zahlen der Jahresbilanz 2017

- 25 000 Stunden standen die 13 Polizisten der Repol Zurzibiet im vergangenen Jahr im Einsatz.

- 87 Mal musste die Repol 2017 wegen häuslicher Gewalt ausrücken.

- 166 000 Kilometer hat der Dienstwagen, der jetzt ersetzt wird, in den letzten elf Jahren zurückgelegt.

Auch mit einer Woche Ferien mehr ist der Job des Polizisten kein Honiglecken. Seitens der Bevölkerung sei der Ton immer häufiger gereizt: «Oft werden wir verbal angegangen noch bevor wir uns vorstellen können und obwohl der Angehaltene nicht einmal weiss, worum es überhaupt geht», so der Repol-Chef.

Nebst den 22 Gemeinden im Bezirk gehört zusätzlich Mandach zum Hoheitsgebiet der Regionalpolizei Zurzibiet. «Personell, finanziell wie auch materiell konnten wir unsere Vorgaben und Zielsetzungen weitestgehend und sehr gut erfüllen», kommentiert Lippuner den Jahresbericht 2017. Gemeindeammann Reinhard Scherrer doppelt nach: «Dies kann ich als Vertreter der politischen Behörde nur bestätigen. Die Marke ‹Repol Zurzibiet› ist und bleibt ein Vorbild.»

Kaum Einbrüche

Viele Fakten und Zahlen machen deutlich, dass die Repol mit ihrem Personalbestand knapp dotiert ist. Zum Beispiel die Zahl 800: So viele Stunden haben zwei Beamte allein für den Verkehrsunterricht von den Kindergärtnern bis zu den Fünftklässlern aufgewendet. «Glücklich können wir uns hier im Zurzibiet schätzen, dass wir fast keine Einbrüche verzeichnen müssen. Das liegt an den schlechten Fluchtmöglichkeiten aus dem Bezirk, aber auch an unseren regelmässigen Kontrollen».

In der Kriminalitätsbekämpfung – grundsätzlich das Kerngeschäft der Kantonspolizei – kommt die Repol fallweise zum Einsatz, so etwas bei Betäubungsmittelvergehen, im Bereich Fahndung, vor allem aber im Rahmen der Task Force «Crime Stop» in Asylantenunterkünften und an weiteren Hot Spots. «2017 sind uns bei solchen Einsätzen einige ordentliche Fische ins Netz gegangen», dagt Lippuner.

Leidende Tiere

Ruhestörungen, Umweltsünden, medizinische Hilfeleistungen, Fundbüro und viel Administration gehören ebenso zum Repol-Alltag wie die Kontrolle von Schwarzfahrern. «Die hat markant zugenommen, während die Anzeigen wegen Vandalismus weiter zurückgegangen sind.» Die Verkehrssicherheit habe nicht oberste Priorität gehabt.

Mit 107 Geschwindigkeitsmessungen wurden 35 Kontrollen weniger als 2016 durchgeführt. Nachdem 2013 mit über einem Viertel aller so gemessenen Fahrzeuge die Übertretungsrate einen traurigen Höhepunkt erreicht hatte, war sie 2015 auf knapp 16 Prozent gesunken.

«Letztes Jahr wurde die signalisierte Geschwindigkeit von 18,48 Prozent aller kontrollierten Fahrer überschritten. Besonders hat die Zahl jener zugenommen, die so schnell unterwegs waren, dass sie bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht werden mussten».

Eine gesamtschweizerisch erschreckende Tatsache – die Zunahme häuslicher Gewalt – macht auch vor dem Zurzibiet nicht Halt. Waren 2016 in der Schweiz 17 685 Fälle registriert worden, waren es im vorletzten Jahr hier 78 Fälle. 2017 haben im Zurzibiet die Fälle zugenommen. Die Repol musste 87 Mal wegen häuslicher Gewalt ausrücken. Bedauerlich sei auch die massive Zunahme von Vergehen in der Haltung von Tieren.

Acht Mal standen die Beamten in den vorherigen Jahren im Einsatz. 2017 hatten sie 26 Einsätze zum Wohl von Tieren, die schlecht gehalten oder verbotener Weise eingeführt worden waren. «Immer wieder müssen wir wegen Kampfhunden ausrücken, deren Halter aus dem Kanton Zürich kommen und hier ihre Vierbeiner im Grenzgebiet freilaufen lassen.»

Mit 11 Jahren in Pension

Es gibt indes auch Positives zu berichten: Obwohl nächsten Monat bei der Repol eine Pensionierung ansteht, wird nicht für ein Abschiedsgeschenk gesammelt. Mit rund 166 000 Kilometer unter der Haube wird ein elf Jahre alter BMW 330 ersetzt.

In den insgesamt fünf Fahrzeugen haben die Regionalpolizisten im vergangenen Jahr kreuz und quer durchs Zurzibiet insgesamt knapp 120 000 Kilometer zurückgelegt. Besonderes Augenmerk wird dieses Jahr auf die Sicherheit an Veranstaltungen – etwa das Public Viewing während der Fussball-WM – gelegt.

Neu gibt es einen direkt dafür verantwortlichen Beamten: Im April wird der Gefreite Andreas Rohner beim Schweizerischen Polizei-Institut den dreitägigen Kurs «Urbane Sicherheit besuchen. «Ziel ist, mittelfristig eine einheitliche Lösung im Bereich Veranstaltungen und Bewilligungen zu erarbeiten und mit allen 23 Gemeinden umzusetzen», so Rohner.