Unteres Aaretal
Megafusion am Klingnauer Stausee? Stadtrat bringt 16'000-Einwohner-Gemeinde ins Gespräch

Lange war es ruhig in Sachen Gemeindefusionen im Unteren Aaretal. Nun bringt der Klingnauer Stadtrat eine Grossgemeinde ins Gespräch. «Die Stadt Klingnau sieht sich langfristig als Teil einer Seestadt rund um den Klingnauer Stausee», so Stadtammann Reinhard Scherrer.

Philipp Zimmermann
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Der Klingnauer Stausee aus der Vogelperspektive.
Das Untere Aaretal mit Döttinger Reben, Klingnau und dem Klingnauer Stausee. Auf der anderen Seite ist Leuggern und weiter hinten der Kühlturm des AKW Leibstadt erkennbar.
Im Bild: Kleindöttingen/Böttstein (links der Aare) und Döttingen.
Der Klingnauer Stausee nochmals aus einer anderen Vogelperspektive.

Unteres Aaretal

Sandra Ardizzone

6,5 Jahre ist es nun her, seit Vertreter fast aller Gemeinden des Bezirks die Charta der «Vision Zurzibiet» unterzeichneten. Das Denken in Gemeindegrenzen überwinden, regionales Handeln in den Vordergrund stellen und sich für die positive Entwicklung der Region einsetzen – das waren die Ziele. Zudem einigten sich die Gemeinden darauf, dass sie langfristig die Konzentration auf drei Gemeinden anstreben wollen, sprich auf je eine im Unteren Aaretal, Rheintal-Studenland und Surbtal. Der Zeithorizont blieb offen.

Aktuell läuft das Projekt «Rheintal+», bei dem zehn Gemeinden den Zusammenschluss prüfen. Zuletzt hatten sich Endingen und Unterendingen vor fünf Jahren zusammengeschlossen. Im Unteren Aaretal war dagegen die Fusion von Döttingen und Klingnau gescheitert. Seitdem war es hier still geworden um das Thema.

Nun bringt der Klingnauer Stadtrat eine Megafusion im Unteren Aaretal ins Gespräch. «Die Stadt Klingnau sieht sich langfristig als Teil einer Seestadt rund um den Klingnauer Stausee.» Diesen Satz präsentierte Gemeindeammann Reinhard Scherrer am Samstag an der Informationsveranstaltung zu den Visionen und 15 Handlungsfeldern der Gemeinde. Und strich sogleich hervor, dass der Stadtrat bis dahin «eine Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden als unerlässlich halte. Diese solle eine nachhaltige zukunftsfähige Entwicklung ermöglichen.

Der Klingnauer Stausee im Porträt: Die Bevölkerung des Unteren Aaretals weiss nur zu gut, dass man in der Naturperle die Seele baumeln lassen kann.
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Der Klingnauer Stausee aus der Vogelperspektive. Das Naturzentrum ist auf der Kleindöttinger Seite (im Bild links) geplant.
Promotoren des Naturzentrums: Kathrin Hochuli, Geschäftsführerin Birdlife Aargau, Werner Müller, Geschäftsführer Birdlife Schweiz, und Simon Egger, Leiter Sektion Natur und Landschaft beim Kanton Aargau, (v.l.) auf dem Aussichtsturm beim Klingnauer Stausee.
Der Blick über den Klingnauer Stausee von Döttingen her.
Für Vogelkundler (Ornithologen) ist der Klingnauer Stausee ist Begriff – man trifft sie fast täglich hier an.
Zuletzt sorgte der Klingnauer Stausee mehrfach für Schlagzeilen, weil wegen der Verlandung (durch angeschwemmte Sedimente) viel Material ausgebaggert werden soll.
Das Wasserkraftwerk Klingnau: Es produziert pro Jahr durchschnittlich rund 225 Gigawattstunden (GWh) elektrische Energie. Das entspricht dem Verbrauch von 50'000 Haushalten. Es ist im Besitz eines Konsortiums von Axpo und AEW Energie AG.
Blick auf das Vogelparadies Klingnauer Stausee von Kleindöttingen her. Klingnau liegt auf der anderen Seeseite.
Rund um den Klingnauer Stausee mit dem Velo unterwegs – das ist problemlos möglich.
Blick auf den Klingnauer Stausee mit Döttingen (links), Klingnau (Mitte) und dem AKW Leibstadt (im Hintergrund).
Der Klingnauer Stausee gilt als Naturparadies.
Den Weg rund um den Stausee nutzen auch viele Freizeitsportler – gerade an sonnigen Tagen.
Beliebt: Schwände und Enten füttern am Klingnauer Stausee.
Schwäne und Enten auf einer Insel im Klingnauer Stausee.
Zwei junge Rauchschwalben warten einträchtig auf die Mutter mit dem Futter.
Der letzte Atemzug – bevor der kleine Frosch im Rachen des Graureihers verschwindet.
Eine Rostgans geniesst das Bad im Klingnauer Stausee...
..., wie auch dieses Bild zeigt.
Seltener Gast. Ein Löffler rastet am Klingnauer Stausee.
Für seinen Zurzibiet-2015-Kalender hat der Zurzacher Zeichner Andreas Güntensperger dieses Bild vom Klingnauer Stausee mit Döttingen im Hintergrund gezeichnet.
Weisse Pracht: Ein Seidenreiher auf der Jagd am Klingnauer Stausee.
Auf Klingnauer Seite befindet sich das Naturschutzgebiet Machme, wo Wasserbüffel zeitweise leben und grasen.
Ein Alpenstrandläufer am Klingnauer Stausee auf Futtersuche.
Einfach schön: Die Skyline am Klingnauer Stausee.
Eine Anlegestelle mit einem Boot der Klingnauer Pontoniere. Sie trainieren allerdings nicht auf dem Stausee, sondern unterhalb des Wasserkraftwerks.
Eine der vielen gefiederten Schönheiten am Naturparadies: Eine Kolbente (Männchen).
Blick vom Winzerdorf Döttingen auf Reben, Klingnau und den Klingnauer Stausee.
An Silvester findet alljährlich der Gippinger Stauseelauf statt: Hunderte Läufer nehmen jeweils daran teil.

Der Klingnauer Stausee im Porträt: Die Bevölkerung des Unteren Aaretals weiss nur zu gut, dass man in der Naturperle die Seele baumeln lassen kann.

"Mehr Gewicht im Kanton"

Gerade wegen der ungeklärten Frage der Oberstufen- und Bezirksschulstandorte im Zurzibiet steht das Untere Aaretal vor einer Zerreissprobe. Insofern war auch eine gewisse Vorsicht spürbar, mit der Scherrer das Thema ansprach. Weder nannte er andere Gemeindenamen noch einen Zeithorizont. Am Klingnauer Stausee liegen mit Döttingen, Klingnau, Koblenz, Böttstein und Leuggern fünf Gemeinden. Die Vision Zurzibiet zählt mit Full-Reuenthal und Leibstadt zwei weitere Zurzibieter Gemeinden zur Subregion.

Stattdessen unterstrich Scherrer, dass das Untere Aaretal mit 16'000 Einwohnern über ein politisches und wirtschaftliches Potenzial verfüge, um sich im wirtschaftlichen Umfeld des Kantons Aargau und der angrenzenden Regionen längs des Rheins positiv zu behaupten. Sein Wachstumspotenzial könne es nachhaltig ausschöpfen, wenn es geschlossen auftrete und als politische Einheit die gemeinsamen Interessen vertrete. «Als Seestadt wird das Untere Aaretal zu einem politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zentrum im Bezirk Zurzach und erhält damit mehr Gewicht und eine grössere Bedeutung im Kanton Aargau.»

In Sachen Oberstufe stellte sich der Stadtrat hinter das Konzept der Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA), das Bezirks-, Sekundar- und Realschule unter einem Dach vorsieht. «Das wird auch vom Kanton angestrebt», sagte Gemeinderat Kuno Schumacher. Und damit könne man auch veränderte pädagogische Konzepte reagieren. Der Aargau ist schweizweit ein Ausnahmefall – die allermeisten kennen eine zweigliedrige Sekundarstufe.

Starkes Bevölkerungswachstum

Klingnau erfährt zurzeit ein starkes Bevölkerungswachstum. In den letzten zwei Jahren ist die Gemeinde um 150 auf fast 3500 Einwohner gewachsen. Bis 2020 werden weitere 100 Einwohner erwartet. Im nächsten Schuljahr werden erstmals alle Primarschulklassen doppelt geführt. «Dieses Wachstum ist eine Herausforderung», sagte Scherrer. Deshalb läuft eine Verwaltungsanalyse. Sie soll aufzeigen, ob zusätzliche Stellenprozente nötig sind. Mit der laufenden Teilrevision der Bau- und Nutzungsordnung will der Stadtrat vorhandene Landreserven optimal aktivieren.

Die Jugendarbeit Aaretal/Kirchspiel steht vor der Auflösung. Böttstein hat an der Gmeind den Austritt beschlossen. Leibstadt dürfte folgen. Leuggern ist schon vor einigen Jahren ausgestiegen. Laut Gemeinderätin Elvira Mrose will Klingnau zusammen mit Döttingen etwas Neues probieren.

In den letzten Jahren haben sich die Klingnauer Gemeindevertreter als Gemeindeammann und Gemeinderäte bezeichnet. Nun kommt mit dem Bekenntnis zur Stadt zum bewussten Wechsel zu Stadtammann und Stadtrat. «Wir werden von Aussen immer so angesprochen», sagte Scherrer. «Die Stadträte werden deshalb aber nicht zehn Zentimeter grösser – und niemand verdient deswegen mehr», versicherte er.

Gemeindefusionen im Aargau seit 2002:

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