Tegerfelden
Maloney ist ein Zustand – ein schlechter

Am Samstag war der Kultprivatdetektiv von Radio SRF 3 als Gast des Kulturkreises Surbtal leibhaftig zu Gast im Weinbaumuseum.

Rosmarie Mehlin (Text und Foto)
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Michael Schacht alias Privatdetektiv Philip Maloney im Weinbaumuseum Tegerfelden.

Michael Schacht alias Privatdetektiv Philip Maloney im Weinbaumuseum Tegerfelden.

«Jetzt brauch ich mal einen Whisky» – den Satz aus dem Mund von Philip Maloney, dem Privatdetektiv mit den «haarsträubenden Fällen», gibt es seit 27 Jahren sonntags zwischen 11 und 12 Uhr regelmässig auf Radio SRF 3 zu hören. Rund 400 Maloney-Folgen wurden bisher ausgestrahlt, über 100 Maloney-CDs sind bisher erschienen.

Mit seinem Schauspielerkollegen Jodoc Seidel alias der Hörspiel-Polizeibeamte tingelt Michael Schacht als leibhaftiger Maloney auch seit Jahren mit Lesungen durch die Lande. Da Seidel sich letzte Woche beim Sturz von einer Leiter den Fuss gebrochen hat, trat Schacht im Surbtal solo ans Mikrofon. 93 Zuschauerinnen und Zuschauer liessen sich im Kulturraum des Weinbaumuseums Tegerfelden von seinem Philip Maloney begeistern.

Wer ist dieser Mann, der den ständig von Geldsorgen geplagten Privatdetektiv zur Kultfigur werden liess? Michael Schacht wurde in Berlin geboren, wuchs im schleswig-holsteinischen Rendsburg auf, besuchte die Schauspielschule in Frankfurt und lebt seit 28 Jahren in Bern. «Wenn man nach fünf Jahren nicht weg ist, bleibt man in Bern kleben.» Er habe, so Schacht, eine Vorliebe für die Paradoxie des Lebens. «Was uns täglich an Informationen vorgesetzt wird, ist nicht greifbar, nicht fassbar und schlimmer als Lügen – ist bullshit. Ich schaue mir auf Youtube mit Begeisterung den amerikanischen Philosophen Harry G. Frankfurt an, wenn er aus seinem Buch ‹on bullshit› liest.»

Michael Schacht ist seit ein paar Tagen 75, doch seine Locken sind nur leicht grau meliert. Sein Gesicht ist zwar von tiefen Furchen durchzogen, aber sein Temperament und seine Schlagfertigkeit würden manch Jüngerem zur Ehre gereichen. In seinen blauen Augen blitzt regelmässig Schalk auf. «Weihnachtsmänner und Schweine haben blaue Augen», hält er dezidiert fest. Humor, gewürzt mit einer kräftigen Prise Zynismus, prägt das Gespräch mit Michael Schacht: «Humor ist der Schwimmring des Lebens», ist eines seiner Credos.

Mit Maloney oft auf Achse

In den 60er-Jahren war er im Ensemble vom Städtebundtheater Biel-Solothurn, in den 70ern am Neumarkttheater und am Schauspielhaus Zürich sowie an den Stadttheatern St. Gallen und Bern engagiert. «Ich habe sehr gemischte Erinnerungen an jene Jahre. Sie waren kein Smoothie.» Seit 1978 ist Schacht freiberuflich tätig und hat es keinen Moment bereut. Schacht arbeitet seither unter anderem regelmässig am Radio als Sprecher sowie Autor von Kurzgeschichten und Hörspielen.

Im Umfeld von satirischen Sendungen hatte er Rolf Graf, den Autor von «Die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney», kennen gelernt. 1989 war der erste Fall mit Graf als Regisseur und Schacht in der Titelrolle fürs Radio produziert worden. Seither läuft und läuft die parodistische Krimiserie in derselben Besetzung. Hat Schacht nicht allmählich genug davon? «Maloney ist ein Zustand – ein schlechter Zustand», stellt er kryptisch fest, fügt aber an, Maloney sei für ihn eine Arbeit und als solche gut. Natürlich schlüpfe er im Studio jeweils in die Figur, lebe sie, «doch wäre ich privat wie Maloney, wäre ich längst im Burghölzli gelandet».

Anders als der Privatdetektiv mag Schacht keinen Whisky. «Ich trinke generell kaum Alkohol. Ich bin ohne schon verrückt genug.» Er ist Vater einer Tochter und eines Sohnes – «glücklicherweise konnte ich verhindern, dass sie zum Theater gehen» – und stolzer Opa eines fast dreijährigen Enkels. Er lebe gerne in Bern, die Stadt sei längst Heimat für ihn. «Ich bin in meinem Leben unendlich viel herumgedüst, war in meiner Jugend ein zerrissener Mensch und ständig auf der Suche. Heute reicht es mir, dass ich mit den Maloney-Lesungen viel auf Achse bin.»