Naturschutz
Lösung im Fall Rietheimer Feld endlich in Sicht

Der Kanton Aargau, die Gemeinde Rietheim und Pro Natura Aargau haben einen Weg gefunden, wie im Rietheimer Feld ein Auengebiet realisiert werden kann.

Angelo Zambelli
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Schweiz am Sonntag

Der von allen an der Mediation beteiligten Parteien abgesegnete Kompromiss sieht vor, die Renaturierungsmassnahmen am Rhein zu etappieren.

In einem ersten Schritt soll der südliche Rhein-Seitenarm «Chly Rhy» geöffnet und das ursprünglich breit ausgebildete Mündungsdelta in den Rhein wiederhergestellt werden.

Es ist vorgesehen, den Seitenarm mit einem künstlichen Einlauf zu sichern, um die Wassermenge kontrollieren zu können. Mit dieser Massnahme ist der Hochwasserschutz im bisherigen Rahmen gesichert. Zudem kann der Rheinuferweg weiterhin öffentlich genutzt werden. Damit ist ein wichtiges Anliegen der Gemeinde Rietheim erfüllt.

Um das Auengebiet umsetzen zu können, tauschen Kanton und Pro Natura Aargau rund 4,7 Hektaren Kulturland gegen Wald-, Weg- und Gewässerparzellen der Gemeinde Rietheim im Auengebiet ein.

Dadurch gelangen die Ortsbürger- und die Einwohnergemeinde Rietheim in den Besitz von Landwirtschaftsland an bester Lage. Dieser Tausch muss von den Rietheimer Ortsbürgern und von den Einwohnern abgesegnet werden.

Erst muss das Moratorium ablaufen

Als weiterer wichtiger Punkt haben die Verhandlungsparteien festgelegt, dass mit dem Bau einer zweiten Etappe erst nach Ablauf eines zehnjährigen Moratoriums begonnen werden soll. Das Moratorium macht es möglich, dass das Rietheimer Feld zumindest in den nächsten 10 Jahren landwirtschaftlich genutzt werden kann.

In einer vom federführenden Departement Bau, Verkehr und Umwelt veröffentlichten Medienmitteilung wird festgehalten, dass diese Vereinbarung einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen des Naturschutzes, der Landwirtschaft und der Standortgemeinde Rietheim darstellt, hinter die sich alle Beteiligten stellen können.

Zufrieden gab sich auch der Rietheimer Gemeindeammann Beat Rudolf an der Gemeindeversammlung vom Freitagabend. «Der Gemeinderat hat in der Mediation das erreicht, was er erreichen wollte», sagte Rudolf und spielte damit auf den Erhalt des Rheinuferwegs und den Tausch von Wald-, Weg- und Gewässerparzellen gegen wertvolles Landwirtschaftsland an.

Rudolf verhehlte nicht, dass der Weg zum Kompromiss lang und steinig war und dass im Laufe der Verhandlungen ab und zu auch mit harten Bandagen gekämpft wurde.

Ein Kompromiss

Letztlich habe aber doch eine für alle Seiten annehmbare Lösung gefunden werden können. «Jeder hat etwas gegeben und jeder hat etwas bekommen», umschrieb Gemeinderat Christian Schneider das Ergebnis der seit März andauernden Verhandlungen.

Als nächster Schritt nach der Mediation soll ein Renaturierungsprojekt auf dem im kantonalen Richtplan festgesetzten Perimeter ausgearbeitet und öffentlich aufgelegt werden. Die Bevölkerung erhält die Möglichkeit, sich zu den Plänen zu äussern und allenfalls Einsprache zu erheben.

Eine Diskussion war an der Gemeindeversammlung nicht möglich respektive nicht erwünscht, weil das Departement Bau, Verkehr und Umwelt, die Gemeindebehörde und die Vertreter von Pro Natura am 14. Dezember im Detail über die Auenpläne und das weitere Vorgehen informieren.

An dieser Veranstaltung ist eine Diskussion über das Verhandlungsergebnis sowie über das weitere Vorgehen nicht nur möglich, sondern erwünscht.