Baldingen
Los geht's: Wanderschuhe schnüren und mitten hinein in die Wundertüte namens Natur

Ein neuer sechs Kilometer langer Naturerlebnis-Weg führt Wissensdurstige rund um Baldingen und von einer Information zur nächsten. Die 19 Tafeln entlang des Pfades verraten unter anderem, warum der gelbe Bauch der Unke nicht nur schön, sondern auch gefährlich ist.

Rosmarie Mehlin (Text und Bild)
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Auf der Spornegg zeigt eine grosse Tafel den Verlauf des Naturerlebnis-Weges.

Auf der Spornegg zeigt eine grosse Tafel den Verlauf des Naturerlebnis-Weges.

Man sieht das Gras wachsen, die Kirschbäume blühen, die Äpfel heranreifen – aber wo steckt das Hermelin, wo spannt die Krabbenspinne ihr Netz, wo pfeift der Distelfink sein Lied? Die Natur ist eine wahre Wundertüte.

Rund um Baldingen kann man in ihr jetzt auf Entdeckungsreise gehen – per pedes bergauf und bergab, übers freie Feld, entlang von Waldrändern und durch Waldstücke.

Rund 40 Baldingerinnen und Baldinger waren dabei, als der von der Gemeinde initiierte und finanzierte Naturerlebnis-Weg am Ostermontag eingeweiht wurde. Etwa sechs Kilometer lang ist er, blaue Schilder mit weissem «Rundweg»-Aufdruck leiten wissensdurstige Wandersleute von einer Informationstafel zu nächsten. 19 solche stehen am Wegesrand.

Reich an Informationen sind sie, farbig wunderschön bebildert und teils durch Grafiken ergänzt. Inhaltlich sind sie das Werk der freiberuflichen Zoologin Esther Krummenacher, die vom Kanton Mandate sowohl für die Umsetzung des Amphibienschutz-Konzeptes als auch als Beraterin von Gemeinden bezüglich Natur- und Landschaft inne hat. Für die attraktive Gestaltung der Tafeln war Krummenachers Tochter Livia zuständig.

Gelbunken statt Grüngut

Die Informationen sind vielfältig und nehmen Bezug auf die Umgebung des jeweiligen Tafel-Standorts. Thematisiert sind unter anderem «Feuchtwald», «Niederhecken», «Hochstammbäume», «Fromentalwiesen», «Honigbienen» oder «Jagd».

Auf der Tafel zum Thema «Hochspannungsmasten» beispielsweise erfährt man, dass der Zugang zu den Leitungen frei bleiben muss und daher keine grossen Bäume wachsen dürfen. «Für Kleinstrukturen wie Ast- und Steinhaufen sowie überständige Stauden und Sträucher findet sich jedoch genügend Platz – Lebensraum etwa für Zauneidechse, Sichelschrecke und Zebraspinne.»

Ein Waldstück, das viele Jahre als Ablagerungsplatz für Grüngut aller Art diente, hatte gemäss Waldgesetz vor drei Jahren geräumt werden müssen. In Zusammenarbeit der Gemeinde und der Abteilung Wald des Kantons entstanden seichte Gräben, welche nur periodisch Wasser führen. «Von der Gründeponie zum Unkenparadies» ist hier auf der Naturerlebnis-Tafel zu lesen.

Die unmittelbare Nähe zum ehemaligen Steinbruch Musital – einem Amphibiengebiet von nationaler Bedeutung – war ideale Voraussetzung. Und tatsächlich vermehren sich Gelbbauchunken, Grasfrösche, Bergmolche hier inzwischen in grosser Zahl.

Es lauern auch Gefahren

Wer sich auf die Pirsch macht, sollte sich allerdings in Acht nehmen. Denn bei Gefahr zeigt die Gelbbauchunke ihren Bauch und signalisiert mit dessen gelber Farbe ihren Feinden Gefahr. Das Hautgift, dass die Unke in solcher Situation absondert, ist für den Menschen zwar nicht gefährlich, aber doch stark schleimhautreizend.

Keinerlei Gefahr hingegen geht vom Heugümper in der Brache aus, von der Mönchsgrasmücke in der Baumhecke und vom Admiral im Hochstammbaum. Also denn – Wanderschuhe geschnürt und mitten hinein in die Wundertüte namens Natur.