Döttingen
Lohnabzug nach Demonstration: Lehrer wehren sich gegen Schulpflege-Vorwürfe

Im Streit zwischen Schulpflege und Lehrern in Döttingen ist eine Einigung in weite Ferne gerückt. 16 Lehrpersonen in Döttingen hatten einen Lohnabzug hinnehmen müssen. Sie hatten während der Unterrichtszeit gegen den Bildungsabbau demonstriert.

Daniel Weissenbrunner
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Grosse Aufmerksamkeit erzeugte die Kundgebung gegen Bildungsabbau mit gegen 8000 Teilnehmenden am 8. November in Aarau.
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Die Demonstranten zogen vor das Grossratsgebäude und machten ihrem Unmut über die Sparpläne Luft.
alv-Präsidentin Elisabeth Abbassi hielt eine flammende Rede gegen die Sparpläne.
Auch auf der Terrasse vor dem Grossratsgebäude standen die Demonstranten dicht gedrängt.
Auch Schülerinnen und Schüler waren unter den Kundgebungsteilnehmern.
Emoji weint wegen Sparmassnahmen.
Regierungsrätin Susanne Hochuli passiert die Demonstranten. Offensichtich gut gelaunt.
Übergabe der Petion an Grossratspräsident Marco Hardmeier...
...die 49'000 Unterschriften wiegen ganz schön schwer.
Im Visier: Bildungsdirektor Alex Hürzeler.
Der Demozug durch die Aarauer Innenstadt.
Die Kundgebung aus Sicht des Grossratsgebäudes. Fotografiert von Thomas Leitch, SP-Grossrat und Präsident der Bildungskommission
Tausende trotzen der Kälte und demonstieren.
alv-Präsidentin Elisabeth Abbassi bei ihrer flammenden Rede gegen das Sparprogramm des Kantons.
Iseli spricht für die Anliegen der Kapo
Demo in Aarau gegen Bildungssabbau
Diverse selber kreierte Plakate an der Demo gegen Bildungsabbau.
Auch die Beamten der Kantonspolizei Aargau marschierten am Protestzug als «weisser Block» mit.
Auch die Beamten der Kantonspolizei Aargau marschierten am Protestzug als «weisser Block» mit.
Auch die Beamten der Kantonspolizei Aargau marschierten am Protestzug als «weisser Block» mit.
Protest gegen Bildungssabbau in Aarau
Sarkasmus auf Demoplakat.
Auch der US-Wahlkampf spielt mit.
Demo in Aarau. Start am Bahnhof
Sparschwein als Maskotchen gegen Bildungsabbau
Demo in Aarau. Start am Bahnhof
Die Demonstranten versammeln sich am Bahnhof
Der Protestzug auf dem Weg zum Grossratsgebäude
Der Protestzug auf dem Weg zum Grossratsgebäude

Grosse Aufmerksamkeit erzeugte die Kundgebung gegen Bildungsabbau mit gegen 8000 Teilnehmenden am 8. November in Aarau.

Fabio Baranzini

Die Reaktionen in den letzten Tagen waren heftig: Der verhängte Lohnabzug für die Lehrkräfte in Döttingen durch die zuständige Schulpflege wirft sowohl im Ort sowie online hohe Wellen. Befürworter und Gegner liefern sich harte Wortgefechte. «Finde ich absolut richtig, ich kann bei meinem Job auch nicht fernbleiben», lautet der Tenor einerseits. «Die Schulpflege, so wie sie bei uns aufgestellt ist gehört in eine Bananenrepublik», verschafft sich ein Kritiker der Gegenseite Luft.

Hintergrund des entbrannten Streits ist die Teilnahme von Lehrerinnen und Lehrern an der Demonstration vom vergangenen 8. November in Aarau gegen den geplanten Bildungsabbau der Regierung. Über 8000 Staatsangestellte gingen damals auf die Strasse. Unter den Demonstranten befanden sich auch 16 Lehrpersonen aus Döttingen.

Für die Abwesenheit während der Unterrichtszeit haben die Lehrkräfte von der Schulpflege im Anschluss eine unliebsame Quittung präsentiert erhalten. Die betroffenen Lehrer wurden mit einem Lohnabzug von 200 Franken sanktioniert. Nicht weil sie an der Demonstration mitgewirkt haben, wie Schulpflegepräsidentin Claudia Simon in der «Schweiz am Wochenende» ausdrücklich festhält. Man habe im Gegenteil eine Teilnahme sogar begrüsst. Es sei aber von Anfang an klar kommuniziert worden, dass die ausgefallene Unterrichtszeit kompensiert werden müsse, so Simon. Das sei nicht erfolgt. Einen möglichen Termin in der Adventszeit, um die Zeit nachzuholen, habe man ungenutzt verstreichen lassen.

Demotivierende Situation

Die betroffenen Lehrkräfte haben zu den Vorwürfen öffentlich keine Stellung bezogen. Die Begründung liefert eine betroffene Lehrerin. Man wollte nicht zusätzlich Öl ins Feuer giessen, sagt sie, die allerdings anonym bleiben will. Man möchte nun die entstandenen Missverständnisse ausräumen. «Uns wird jetzt der Schwarze Peter angehängt. Damit sind wir nicht einverstanden.» Die Kritik der fehlenden Kompromissbereitschaft weist sie von sich. Der vorgeschlagene Termin der Schulpflege im Advent war, laut der Lehrerschaft, zu kurzfristig angesetzt. «Und aus organisatorischen Gründen liess sich kein anderes Datum finden.» Schliesslich sei man einfach vor vollendete Tatsachen gestellt worden, bedauert die Lehrerin.

Claudia Hossfeld von der Schulleitung glaubt nicht an ein taktisches Manöver seitens der Lehrpersonen. «Dass die Schulpflege letztlich so reagiert habe, ist ihr Recht, da sie sich an kantonale Vorgaben gehalten hat. Der Entscheid war für die Stimmung innerhalb der Schule aber sicher nicht förderlich», so Hossfeld. Man habe gehofft, die Situation intern lösen zu können.

Auch bei den involvierten Lehrerpersonen ist man über die Darstellung der Schulpflege irritiert. «Wir fühlen uns mit unseren Anliegen nicht verstanden», heisst es. Als entsprechend demotivierend schildert die Lehrerin den derzeitigen Zustand. Ein Indiz, dass die Fronten zwischen den Parteien verhärtet sind, zeigte sich vor kurzem an einem runden Tisch, der ergebnislos verstrich. Aus dem erhofften Schritt aufeinander zu sei leider nichts geworden, heisst es vonseiten der Lehrkräfte. Gerüchte, wonach Kündigungen ins Auge gefasst worden seien, haben sich bisher nicht bestätigt. «Ich glaube aber, dass der eine oder die andere sich darüber Gedanken gemacht hat», so die Lehrerin.