Leibstadt
100 Jahre Kalt AG: So entwickelte sich die kleine Küferei zum topmodernen Grossbetrieb

Heute ist die Leibstädter Kalt AG ein modernes Holztechnik-Unternehmen. In seiner ganzen Geschichte ist der Betrieb, den die Gebrüder Grenacher einst gegründet haben, oft neue Wege gegangen.

Susanne Holthuizen
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Die Kalt AG in Leibstadt feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Fest.

Die Kalt AG in Leibstadt feierte sein 100-jähriges Bestehen mit einem Fest.

Bild: Susanne Holthuizen

In 100 Jahren hat sich das Leibstädter Holztechnik-Unternehmen Kalt AG von der kleinen und bescheidenen Sägerei zum topmodernen Abbundwerk für Präzisionstechnik in Holz entwickelt. Jetzt feiert das Unternehmen sein Jubiläum und blickt auf seine Geschichte zurück.

Diese beginnt mit Gottfried und Hermann Grenacher, die in unmittelbarer Nähe der heutigen Kalt AG eine Küferei und Wagnerei betreiben. Für den Eigenbedarf an Schnittholz schaffen sie sich eine Gattersäge an, die das Interesse der umliegenden Waldbesitzer weckt. Die kleine Anlage reicht für Fremdarbeiten aber nicht aus.

Weil Hermann Grenacher jedoch das Potential der Auftragsarbeit sieht, beschliesst er fortan eigene Wege zu gehen. Er errichtet 1921 ein Sägereigebäude und lässt sich von einem Schlosser eine Einblatt-Gattersäge anfertigen. Die Stromversorgung zu jener Zeit ist noch nicht flächendeckend und so wird die Maschine von einem Benzinmotor angetrieben. Das Rattern der Sägeblätter ist heute noch sein hörbares Markenzeichen.

Heutiger Betriebsleiter geht immer noch neue Wege

1957 übernimmt Gottfried Kalt, der Schwiegersohn des Firmengründers, den Betrieb und erweitert das Lohnsagen. Das Geschäft floriert bis über die Landesgrenzen hinaus und der Betrieb muss wieder ausgebaut werden. Stetig wird reinvestiert in neue Maschinen und Geräte. Dies geht auch so weiter als sein jüngster Sohn Klaus den Betrieb 1991 übernimmt.

Gottfried Kalt übernahm den Betrieb im Jahr 1957.

Gottfried Kalt übernahm den Betrieb im Jahr 1957.

Bild: ZVG

Zu dieser Zeit entwickelt ein deutsches Unternehmen einen völlig neuen Typus von Abbundmaschine. Klaus Kalts Sohn Lukas erkennt die Chance und leitet eine Richtungsänderung im Betrieb ein. Die Holzverabeitungstechniken und Maschinen wechseln noch einige Male bis Lukas Kalt 2012 das Steuer in vierter Generation übernimmt.

Er baut den einstigen Sägereibetrieb zur Hochpräzisionsunternehmung für Holz um und stockt sein Team auf 15 Personen auf. Nach hundert Jahren lautet seine Vision nun «das richtige Bauteil, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort, CO2-neutral und mit dem CO2-neutralen Werkstoff Holz» auf den Markt zu bringen.

Eine Flugaufnahme des Unternehmens aus den 90er-Jahren.

Eine Flugaufnahme des Unternehmens aus den 90er-Jahren.

Bild: ZVG

Innovation ist denn auch der beständige Begleiter von Lukas Kalt. Um Holz in die richtige Form zu bringen, setzt er alles daran, das Know-How der Unternehmung zu erweitern, um damit in der Holzverarbeitung neue Wege zu beschreiten. So verwundert es kaum, dass er mittlerweile zusammen mit der ETH in Zürich an nachhaltigen Konstruktionstechniken mit dem Werkstoff Holz tüftelt. Das Projekt «Pi» – das erste Hochhaus aus Holz – wurde an der Jubiläumsfeier vom vergangenen Freitag vorgestellt.

Betrieb findet mit viel Pioniergeist zum Erfolg

Andreas Aebi, Präsident des Nationalrates, hob in seiner Rede an der Jubiläumsfeier die Wichtigkeit der Berufsbildung in KMU-Betrieben hervor. Er dankte Kalt dafür, dass er mit viel Pioniergeist den Familienbetrieb weiterbringt und sich nicht scheut, Grenzen zu verschieben. Mit den Worten «solche Vorbilder bilden die Stützen der Schweizer Wirtschaft», schloss er seine Ansprache.

Durch den Abend führten Radiomoderation Judith Wernli zusammen mit Lukas Kalt mit viel Humor. Als Tochter eines «Holzigen» kennt sich Wernli in der Branche aus und gab denn auch einige Einblicke aus ihrem Fundus zum Besten.

Dass Lukas Kalt kein Mensch ist, der sich auf Lorbeeren ausruht, sondern immer wieder seine Grenzen neu auslotet, zeigt sein neuester Wurf – der automatisierte Offertenschreiber. Das Tool hat er zusammen mit einer Softwarefirma entwickelt, damit er wieder mehr Zeit für Innovatives und Familie hat. Am Jubiläumsabend ging die Applikation online und ab sofort können Interessenten ihr 3D-Modell in Echtzeit berechnen lassen.

Judith Wernli (v.l.), Nationalratspräsident Andreas Aebi plus Weibel, Joël Mesot, Bertrand Piccard und Geschäftsführer Lukas Kalt am Fest.

Judith Wernli (v.l.), Nationalratspräsident Andreas Aebi plus Weibel, Joël Mesot, Bertrand Piccard und Geschäftsführer Lukas Kalt am Fest.

Bild: Susanne Holthuizen

Wenn man von punktgenauen Landungen und Pionierleistungen spricht, so fällt unweigerlich der Name Bertrand Piccard. Lukas Kalt hat sich zum Jubiläum einen lang gehegten Jugendtraum erfüllt und den Visionär kurzerhand an die Feier eingeladen. Mit SolarImpulse hat Piccard Geschichte geschrieben und die ganze Welt in Staunen versetzt.

«Zum Himmelstürmer wird man, wenn man wagt, Ballast abzuwerfen und bereit ist, die richtige Flughöhe zu finden. Ich musste erst durchs Eis gehen, um die Sonne zu sehen,» beschreibt der Pionier und Botschafter für Nachhaltigkeit seinen Weg zum Erfolg. Mit dem Höhepunkt des Abends im Rucksack möchte man im Buch der Zukunft blättern können und ist schon jetzt gespannt auf das nächste Kapitel der Kalt AG.

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