Leuggern
Landwirt züchtet neue Apfelsorte und wird für den Förderpreis nominiert

In Leuggern wurde eine neue Apfelsorte gezüchtet: Landwirt Karl Rennhard aus Schlatt und seine sensationelle Trouvaille «Cox Rennhard» sind für den Aargauer Förder- und Innovationspreis nominiert

Rosmarie Mehlin
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Süsser Mutant mit einem Schuss Säure: Karl Rennhard, Sohn Cyrill, die Angestellten Tomec und Adam sowie Frau Franziska (v.r.). zvg

Süsser Mutant mit einem Schuss Säure: Karl Rennhard, Sohn Cyrill, die Angestellten Tomec und Adam sowie Frau Franziska (v.r.). zvg

Beobachten können, betont Landwirt Karl Rennhard, sei beim Obstbau sehr wichtig. Eines Tages, als er beobachtend in seinen Apfelplantagen unterwegs war, machte er eine Entdeckung. «An einem Baum hingen statt der üblichen roten Cox-Äpfel rot-gelblich gestreifte Früchte.» Das war 2003 und jetzt ist Rennhard für den Aargauer Innovations- und Förderpreis für die Landwirtschaft vorgeschlagen.

Zielstrebig und mit grossem Durchhaltewillen hat der vierfache Familienvater, der mit seiner Familie im Leuggemer Weiler Schlatt nebst Rindermast und Ackerbau auf 5,5 Hektaren Obstbau mit Baumschule betreibt, sich für den Durchbruch und die internationale Anerkennung seines «Cox Rennhard» eingesetzt. «Zunächst hatte ich aus dem von mir entdeckten Mutanten 50 junge Bäume gewonnen und diese drei Jahre lang beobachtet. Ich musste herausfinden, ob es sich um eine ‹Eintagsfliege› handelte, oder ob die Sorte in ihren Eigenschaften und im Aussehen stabil bleibt.»

Sortenspezialisten prüften 5 Jahre

Nachdem sich das bestätigt hatte, brachte Rennhard mehrere Bäume zur Prüfung ans Institut für Pflanzenbauwissenschaften an der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope in Wädenswil. Dort haben Sortenspezialisten die Äpfel während fünf Jahren geprüft. «Seither liegt Schwarz auf Weiss vor, dass sich meine Äpfel nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich und besonders in der Grösse von den bisher vorhandenen Cox-Züchtungen unterscheiden, so der stolze Züchter.

Der «Cox Rennhard» ist mit seinem attraktiven gestreiften «Outfit» also nicht nur schöner und sein Aroma süss mit einem Schuss Säure, sondern auch wirtschaftlicher. «Liegt der durchschnittliche Ertrag in unserer üblichen Cox-Parzelle bei 28 Tonnen pro Hektare, beträgt er bei den ‹Cox Rennhard› 38 Tonnen.»

Vom Resultat aus Wädenswil bestärkt, hatte der 53-jährige Leuggemer umgehend den Schutz seines Apfels auf dem Europäischen Markt in die Wege geleitet. «20 meiner Bäume sind gegenwärtig in Karlsruhe und wurden am dortigen landwirtschaftlichen Technologiezentrum unter anderem einem Virentest unterzogen. Einige befinden sich gegenwärtig in einer Thermo-Therapie zur Eliminierung sämtlicher Viren.»

Die Grossverteiler im Visier

Im Vertrag mit dem Zentrum wird Rennhard garantiert, dass die Bäume keinesfalls an Drittpersonen weitergegeben werden dürfen. «Das ist sehr wichtig, denn erst wenn ich die Dokumente aus Karlsruhe in Händen halte, bin ich als gesamteuropäischer Alleininhaber der Sorte geschützt.» Als solcher kann der Leuggemer Lizenzen für seine «Cox Rennhard» in ganz Europa vermieten oder verkaufen. Die Mieter respektive Käufer können dem Apfel dann durchaus einen anderen Namen geben. Ein Grafiker hat aus Sympathie für Rennhard und seinen Apfel zu sehr günstiger Kondition ein tolles Logo «Cox Rennhard erfrischend gut» gestaltet und nicht weniger attraktive Informationsunterlagen geschaffen. «Im November werde ich die Grossverteiler orientieren und ihre Ansicht zu den Marktchancen abtasten.» Der Leuggemer betont, dass er nichts überstürzt und finanziell nicht übermarcht habe. «Aber ich habe viel Herzblut investiert und fühle mich jetzt super. Zu Beginn wurde ich zwar mancherorts belächelt, aber jetzt herrscht Freude. Schliesslich gibt es nicht jeden Tag eine neue Apfelsorte.»

Stolz ist Karl Rennhard auch auf die Nominierung für den Aargauer Förder- und Innovationspreis – getragen und organisiert von der Aargauischen Landwirtschaftlichen Kreditkasse, dem Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, dem Bauernverband Aargau und den Aargauer Landfrauen.

Mitten im Wahlkampf

Noch bis zum 31. Oktober kann unter www.landwirtschaft.ag abgestimmt werden. Dort finden sich alle acht nominierten – mittendrin die Familie Rennhard. «Ich hoffe natürlich auf das beste Resultat. Man kann auch mehrfach für mich und meinen ‹Cox› stimmen, allerdings jeweils mit 24 Stunden Abstand.»