Bad Zurzach
Kult-Bar «Zum roten Bock» plant Comeback im legendären Bächle-Laden

Die Pop-up-Bar «Zum roten Bock» soll im ehemaligen Kolonialwarenladen wiederbelebt werden.

Andreas Fretz
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Aus der alten Verkaufstheke im Bächle-Laden sollen zwei Bartresen entstehen.

Aus der alten Verkaufstheke im Bächle-Laden sollen zwei Bartresen entstehen.

Gemütlich ein Bier trinken, mit guten Freunden plaudern, das Leben und den Feierabend geniessen: Immer am ersten Freitag im Monat öffnete in Bad Zurzach die Pop-up-Bar «Zum roten Bock» ihre Türen. Der beliebte Treffpunkt erlangte Kultstatus. Doch die schöne Zeit fand nach drei Jahren ein Ende, weil der Gasthof «Zum kleinen Steinbock», welcher der Pop-up-Bar Gastrecht gewährte, komplett saniert und in Wohneinheiten umgebaut werden soll. Im September 2018 verabschiedete sich die Pop-up-Bar mit einem grossen Fest. Und schon bald fragten sich die ersten Zurzacher auf Facebook: «Was soll ich bloss am ersten Freitag im Monat machen?»

Doch nun soll das Comeback erfolgen. Bei der Abteilung Bau, Planung und Umwelt der Gemeinde Bad Zurzach liegt bis zum 10. April ein Baugesuch öffentlich aus. «Eigentlich ist es nur ein Umnutzungsgesuch», sagt Alex Strittmatter. Er und Stephan Laube sind die Gründer und Betreiber der Pop-up-Bar. Der neue Standort lässt aufhorchen. Auf der Homepage der Bar «Zum roten Bock» findet sich bereits eine feine Hommage: «Heimat auf Zeit bei Paul» steht dort geschrieben. Gemeint ist der geschichtsträchtige «Bächle-Laden», in dem zuletzt die «Flecken-Legende» Paul Bächle wirkte.

Wir wollen den sozialen Gedanken Paul Bächles weitertragen.

(Quelle: Alex Strittmatter, Gründer und Betreiber der Bar «Zum roten Bock»)

Im Jahr 1910 hatte sein Vater Gregor Bächle an der Hauptstrasse 66 in Zurzach einen Kolonial- und Haushaltwarenladen gegründet. 1926 wurde Sohn Paul geboren. Die Familie wohnte im Parterre des Hauses, in dem auch Laden und Lager untergebracht waren. Am 7. März 2015 verstarb Paul Bächle 89-jährig im Altersheim.

An der Wintergmeind 2016 genehmigte die Stimmbevölkerung den Kauf des Bächle-Areals für 1,2 Millionen Franken durch die Gemeinde. Dadurch sollte eine spekulative, profitorientierte Entwicklung an zentraler Lage verhindert werden. Paul Bächle «würde sich über den Kauf freuen», zeigte sich Ammann Reto S. Fuchs damals überzeugt.

Das posteten die Bar-Betreiber nach dem Abschiedsfest:

Alex Strittmatter und dem Verein «Bar zum roten Bock» ist es denn auch ein Anliegen, dem Geist und Erbe Paul Bächles gerecht zu werden. In dessen Testament findet sich der Eintrag, dass das Areal den sozialen Charakter beibehalten und für die Allgemeinheit genutzt werden soll. «Wir wollen den sozialen Gedanken Paul Bächles weitertragen», sagt Alex Strittmatter. Unterstützt wird das Vorhaben auch von der IG Paul Bächle, die wünscht, dass wieder Leben in die Räumlichkeiten einkehrt. Was mit der Bar geschieht, wenn die Gemeinde für das Areal einen Käufer findet, ist offen. «Aber schliesslich handelt es sich ja auch um eine Pop-up-Bar», sagt Strittmatter.

Das Konzept vom ehemaligen Standort wird beibehalten: Am ersten Freitag im Monat soll die Pop-up-Bar geöffnet sein und die lokale Bevölkerung mit einem einfachen Angebot ansprechen. Das traditionelle Bier des Monats gibt es weiterhin, möglicherweise ergänzt durch einen Wein oder einen Drink des Monats. Wer speisen möchte, kann dies vis-à-vis im Gasthaus Krone tun. «Die Leute können dort essen und vor- oder nachher zu uns zum Apéro oder Absacker kommen», sagt Strittmatter. Um 22 Uhr soll vor der Türe Nachtruhe einkehren. Die neuen Räume bieten für mehr Leute Platz als im «Steiböckli», wo sich das Geschehen im Sommer oft nach draussen verlagerte.

Das ehemalige "Gasthaus zum kleinen Steinbock" wird saniert. Ein Gasthaus ist aber nicht mehr geplant.     

Das ehemalige "Gasthaus zum kleinen Steinbock" wird saniert. Ein Gasthaus ist aber nicht mehr geplant.     

Philipp Zimmermann

Im Sommer solls losgehen

Strittmatter sagt: «Der alte Bächle-Laden soll in der neuen Bar sichtbar bleiben.» Das ehemalige Ladenlokal und das Lager werden als Bar genutzt, nicht aber der ehemalige Wohnraum. Baulich will man so wenig wie nötig verändern. Die Räume werden hergerichtet, Strom, Wasser und Brandschutz angepasst, sanitäre Anlagen sollen entstehen. Aus der alten Verkaufstheke entstehen zwei Bartresen. Ziel ist es, dass der Betrieb der Pop-up-Bar im Sommer gestartet werden kann.

Bad Zurzach in Bildern:

Aktuell zählt der Wellness- und Kurort Bad Zurzach fast 4400 Einwohner.
53 Bilder
Der Turm von Bad Zurzach neben dem Thermalbad ist ein bekanntes Markenzeichen.
Das Thermalbad wurde vor wenigen Jahren umfassend saniert. An guten Tagen strömen über 2000 Personen ins Bad.
Das neue Intensiv-Solebecken im Thermalbad Zurzach kommt besonders gut an.
Das Naturschwimmbecken im Thermalbad Zurzach bietet auch an heissen Tagen eine Abkühlung. zvg
Im Thermalbad gibt es auchein "Papa Moll"-Kinderbecken.
Papa Moll gehört mittlerweile zu Bad Zurzach. Ein Buch spielt sogar im Thermalbad Zurzach
Bad Zurzach hat einen historischen Ortskern. Hier im Bild der Zugang auf der Promenadenstrasse.
Alle Jahre wieder lockt Floh- und Antiquitätenmarkt jeweils am letzten August-Wochenende viele Besucher in den historischen Ortskern von Bad Zurzach, den die Einheimischen aufgrund der Markttradition "Flecken" nennen.
Der Sternenbrunnen.
Hier im Bild der "Ochsen".
Charmant: Das Rosengässli im historischen Zentrum.
Verkehrsfrei wird der Flecken auch, wenn die "Tavolata" durchgeführt wird.
Dieser gesellschaftliche Anlass lockt viele Leute ins historische Zentrum.
Solche Bilder gefallen nicht nur den Einheimischen: Bad Zurzach mit Turmhotel und Thermalbad vor mehreren Regenbogen.
Wer nach Bad Zurzach kommt, sollte sich (im Sommerhalbjahr) abends die Wassersinfonie im Kurpark anschauen.
Jedes Jahr findet ein Weihnachtsmarkt in Bad Zurzach statt – auch zu diesem Markt kommen viele Besucher.
Der Gasthof zur Waag: Im historischen Kern von Bad Zurzach stehen viele solche Altstadt-Liegenschaften.
Das Verenamünster im Frühling.
Verenamünster von hinten.
So sieht das Verenamünster innen aus.
So sieht das Verenamünster innen aus.
In der Krypta des Verenamünsters befindet sich das Grab der Heiligen Verena. Wegen diesem pilgerten im Mittelalter alljährlich Tausende nach Zurzach.
Blick auf das Verenamünster: Beim Gang durch den Flecken ergeben sich solche Ansichten.
Auch ein Blickfang: Das "Schloss" von Bad Zurzach. Der Industrielle und "Stickereibaron" Jakob Zuberbühler (1840-1904) erbaute es einst.
Das Schloss wurde um 1900 gebaut. Bis 2009 war es ein Museum. Seitdem steht es leer. Die Birchmeier-Grupper sowie Reto S. Fuchs und seine Frau wollen als Inhaber dem Schloss neues Leben einhauchen.
Das Schloss von Bad Zurzach mit einem pompösen Eingang. Es wird auch "Himmelrych" und "Villa Zuberbühler" genannt.
Aus dem Vogelperspektive: Zu Bad Zurzach gehören auch einige Landwirtschaftsflächen und der Rhein, der die Grenze zu Deutschland bildet.
Die Soletürme sind Zeugen der ehemaligen Salzgewinnung in Zurzach.
Die Soletürme sind denkmalgeschützt.
Auch die Tour de Suisse gastierte mehrfach in Bad Zurzach – hier 2005: Beim Thermalbad nahmen die Radprofis den Weg nach Altdorf in Angriff.
Der Bahnhof Zurzach.
Seit über 40 Jahren gehört ein kleiner Tierpark zu Bad Zurzach, der von einem gemeinnützigen Verein geführt wird.
Zu Bad Zurzach gehört auch das allsommerliche Open-Air-Kino im Kurpark.
Blick vom Nachbarort Rekingen auf die Rheinlandschaft bei Bad Zurzach.
Die Burgkapelle Kirchlibuck ("Chilebückli"): Zeuge, dass die Römer sich hier einst niederliessen. Tenedo hiess Bad Zurzach damals. Die Römer sicherten hier einen Rheinübergang.
In Bad Zurzach befinden sich diverse Hotels, hier vorne das Park-Hotel, hinten das Thermalbad mit der bekannten RehaClinic, die in der Schweiz mehrere Ambulatorien führt.
Das renommierte Park-Hotel in Bad Zurzach ist das Hotel mit den meisten Betten im Kanton Aargau.
Beliebt ist auch das Regibad Zurzach.
Die Barzmühle lässt sich bei einer Führung erkunden.
Zur Barzmühle gehört eine Getreidemühle mit Getreideanbaumuseum und Schmiede.
Das grosse Wasserrad der Mühle am Rhein.
«Fährmann hol über»: Hier fährt die Barzfähre der Pontoniere von Bad Zurzach ins deutsche Kadelburg.
Auch der "Bestatter" war schon in Bad Zurzach: Das Solvay-Industrieareal diente als Kulisse für die «Bestatter»-Aufnahmen. Im Bild: Mike Müller als Luc Conrad und Peter Lohmeyer als Josef Mankowsky, dem grossen Gegenspieler des Bestatters in der 6. Staffel.
Schlicht schön: Bad Zurzach im Winter.
Und das ist Zukunftsmusik: Diese Visualisierungen zeigen die Ostumfahrung, mit welcher der Durchfahrtsverkehr aus dem historischen Zentrum geleitet werden soll. Wer nach Bad Zurzach will, wird hier (Anfahrt vom Zurziberg und Tegerfelden) links abbiegen müssen.
Die Visualisierung zeigt den offen geführten Teil der Ostumfahrung im Süden des Fleckens. Es folgt ein Tunnel.
Das Bundesgericht hat der Ostumfahrung Bad Zurzach auf eine Beschwerde hin grünes Licht erteilt.
Bad Zurzach ist bekannt für sein Thermalbad, sein Wellness-Angebot und die Rehabilitationsmöglichkeiten.
In Bad Zurzach werden am Aschermittwoch zwei besondere Fasnachtsbräuche gelebt: Nachmittags verteilt der Ättirüedi Süsses, Orangen und mehr an die Kinder - oder besser: Er wirft es in die Luft, wenn die Kinder laut genug schreien.
Am Abend des Aschermittwochs findet die "Lätschete" statt: Nach der Rede des Fasnachtspfarrers...
... wird der kürzlich verstorbene Prinz Karneval auf einer Bahre zur Rheinbrücke getragen.
Dort wird der Prinz (eine Puppe) angezündet, seine Überreste werden dem Rhein übergeben.

Aktuell zählt der Wellness- und Kurort Bad Zurzach fast 4400 Einwohner.

ZVG/Bad Zurzach Tourismus