Dieselbe Betreiberin
Kritisierte Krippe musste in Freienwil schliessen – warum nicht in Schneisingen?

Nach heftigen Vorwürfen musste die Krippe «Im Dörfli» Ende 2017 schliessen. Deren Betreiberin führt aber nach wie vor eine Kita in Schneisingen. Dort setzt der Gemeinderat auf unangemeldete Kontrollen.

Andreas Fretz
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Die Kita «Im Dörfli» in Freienwil (im Bild) musste Ende 2017 schliessen. Schneisingen wählte einen anderen Weg.

Die Kita «Im Dörfli» in Freienwil (im Bild) musste Ende 2017 schliessen. Schneisingen wählte einen anderen Weg.

Sandra Ardizzone

Die Kinderkrippe «Im Dörfli» geriet Ende des letzten Jahres in die Schlagzeilen. Im November deckte die AZ auf, dass es in der Krippe mit den Standorten Freienwil und Schneisingen Probleme gab. Mehrere aktuelle und ehemalige Mitarbeiterinnen warfen der Kita-Betreiberin unter anderem vor, Löhne zu spät oder gar nicht zu bezahlen. Die Kita-Betreiberin wurde scharf kritisiert.

Vorab in Freienwil sorgte der Fall für Wirbel. Mit der Folge, dass Ammann Robert Müller, der die Räumlichkeiten vermietet hatte, den Vertrag mit der Kita-Betreiberin kündigte. Gleichzeitig entzog der Gemeinderat der Krippe aufgrund von Gefährdungsmeldungen die Bewilligung. Per Ende Jahr musste die Krippe in Freienwil schliessen.

In Schneisingen gibt es die Krippe mit einer Betriebsbewilligung für 14 Plätze noch immer. Wie kann es sein, dass Freienwil und Schneisingen derart unterschiedlich reagieren? Für die Aufsicht und die Bewilligung eines Kita-Standortes sind die Standortgemeinden zuständig. Auch auf der Gemeindekanzlei in Schneisingen und bei der damals zuständigen Gemeinderätin Susanne Frei meldeten sich ehemalige Mitarbeiterinnen und besorgte Eltern. «Vor allem im Sommer, also noch vor den Zeitungsartikeln, liefen die Drähte heiss», sagt Ammann Adrian Baumgartner. Im Surbtal war eine Schliessung dennoch kein Thema.

Mehr Austausch gewünscht

«Der Gemeinderat hat nach den Vorwürfen seine Aufsichtspflicht wahrgenommen», sagt Baumgartner. Vor Ort wurden Kontrollen durchgeführt und es habe Gespräche gegeben. Gestützt darauf wurden Massnahmen angeordnet. «Der Gemeinderat behält sich unangemeldete Kontrollen vor», sagt Baumgartner, «weiter wurde festgehalten, dass wir einen vermehrten Austausch wünschen.» Der neu gewählte Gemeinderat Markus Schmid, in dessen Ressort die Kita fällt, steht in Kontakt mit der Betreiberin.

«Situation merklich verbessert»

Der Gemeinderat könne nur eingreifen, wenn das Kindeswohl gefährdet sei, betont der Schneisinger Ammann, «für arbeitsrechtliche Probleme sind andere Instanzen zuständig». Entscheidend sei auch gewesen, dass es um den Fall ruhig geworden ist. «Mitarbeiterinnen und Eltern melden sich nicht mehr bei uns. Wir werten das als gutes Zeichen.» Baumgartner vermutet, dass durch die Schliessung des Standorts in Freienwil wieder mehr Kraft und Ressourcen für den Standort Schneisingen vorhanden sind. «Seitdem hat sich die Situation jedenfalls merklich verbessert», sagt er.

Dass in Freienwil ein anderer Weg gewählt wurde, überrascht in Schneisingen nicht. Der Mietvertrag in Freienwil wäre ohnehin in diesem Frühjahr ausgelaufen, der Ammann zog die Notbremse. «Wir standen in Kontakt mit dem Freienwiler Gemeinderat», sagt Baumgartner. Vorwürfe, weshalb man im Surbtal einen anderen Weg wählte als in Freienwil, seien keine laut geworden. «Wir sind froh um die Krippe», sagt Baumgartner. Es ist die einzige im Dorf. Daneben gibt es in Schneisingen Tagesmütter. Im Nachbarort Lengnau ist die Kinderkrippe Bärlitatze, in Ehrendingen das Chinderhuus Surbtal.