Atommüll
Kritik an Tiefenlager-Studie: «Gefahr, dass Bevölkerung gekauft wird»

Der Verein «Nördlich Lägern ohne Tiefenlager» nimmt Stellung zu einer Wirkungsstudie des Bundes und fordert weitere Abklärungen.

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Der Verein LoTi protestiert gegen den Bau eines geologischen Tiefenlagers im Gebiet Nördlich Lägern. (Archiv)

Der Verein LoTi protestiert gegen den Bau eines geologischen Tiefenlagers im Gebiet Nördlich Lägern. (Archiv)

Das Bundesamt für Energie hat Ende November den Schlussbericht einer Studie zu potenziellen Tiefenlager-Standorten publiziert. Sie soll mögliche Einflüsse eines Atommülllagers auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft in den betroffenen Regionen zeigen. Sechs Standorte sind noch im Rennen, auch das Gebiet nördlich Lägern mit Siglistorf, Fisibach und Schneisingen als direktbetroffene Gemeinden. Der Verein LoTi – nördlich Lägern ohne Tiefenlager – sieht sich durch die Studie in seinen Vorbehalten bestätigt. «Für LoTi ist klar, dass ein Atommülllager für keine Region förderlich ist», teilt der Verein mit.

Für Regionen, in welchen Bau- und Metall-Branchen stark vertreten sind, prognostiziert die Studie positive Auswirkungen durch den Bau eines Tiefenlagers. Es bringe Wertschöpfung, schaffe Arbeits und Steuereinnahmen. Eher negativ wirke sich ein Tiefenlager auf Regionen aus, in der Landwirtschaft und Tourismus – sogenannte «sensible Branchen» – eine wichtige Rolle spielen. Der Verein LoTi sagt dazu: Die geschaffenen Arbeitsplätze seien «weder langfristig gesichert noch relevant in der Anzahl». Der «Minderwert im landwirtschaftlichen Bereich» werde nur wenig gewichtet, obwohl die Landwirtschaft die Bevölkerung über Generationen mit gesunden Lebensmitteln versorgen müsse.

Je dichter besiedelt ein Gebiet sei und je grösser das angestrebte Siedlungswachstum, desto negativer würden die Standorte bewertet, heisst es in der Studie. Positiver falle die Bewertung aus, wenn sich schon Industrie und Gewerbe in Standortnähe befinden.

Dies seien keine neuen Ergebnisse, moniert der Verein LoTi: «Um die negativen Auswirkungen auf eine Standortregion vorauszusagen, muss man weder Prophet noch Prophetin sein. Während der Bauphase gibt es überall Emmissionen wie Lärm oder Mehrverkehr. Dass in dünnbesiedelten Gebieten weniger Leute unter diesen negativen Auswirkungen leiden werden, ist eine Binsenwahrheit.»

Weiter schreibt LoTi in der Stellungnahme zur Studie, es sei bedenklich, dass die Abgeltung für die Standortgemeinden den grössten Mehrwert eines Tiefenlagers darstelle: «Einmal mehr besteht die Gefahr, dass die Bevölkerung mit viel Geld gekauft wird und so Bedenken unter den Teppich gekehrt werden.»

LoTi fordert «die genauere Erforschung des geologischen Untergrundes, um die Eignung und die Sicherheit eines künftigen Endlagers abzuklären». Das sei wichtiger als Studien über wenig aussagekräftigen Auswirkungen. «Erst wenn hier vergleichbare Werte vorliegen, macht es Sinn, über ein mögliches Tiefenlager zu diskutieren.» (NRO)