Bad Zurzach
«Kreuzen und Drehen» – Wie schwer ist eigentlich Klöppeln?

Am Wochenende findet in Bad Zurzach eine Klöppelstubete statt, bei der auch Anfänger das alte Handwerk ausprobieren können. Kursleiterin Sonja Nussbaumer aus Rekingen weiht die az schon vorher in die Geheimnisse des Spitzenmachens ein.

Nadja Rohner (Text und Fotos)
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«Kreuzen und Drehen» – Wie schwer ist eigentlich Klöppeln?
9 Bilder
Sonja Nussbaumer klöppelt auch mit Metallfäden
Notizbücher mit Spitzen
Moderne Klöppelobjekte
Sonja Nussbaumer hat ihre Ohrringe selber geklöppelt
Dieses Osterei kann man an der Stubete am Wochenende herstellen
Auch so ein Ei kann ein Anfänger unter Anleitung herstellen
Auch Büromaterial lässt sich mit Spitzen verzieren
Dekorationen für Fortgeschrittene

«Kreuzen und Drehen» – Wie schwer ist eigentlich Klöppeln?

Nadja Rohner

«Klöppeln» – wer das hört, denkt meist an Spitzendecken, an verzierte Volkstrachten, an antiquiertes Kulturgut. Komplett gegensätzlicher Meinung sind da die Damen der Klöppelgruppe Zurzach – und die vielen Besucher aus der ganzen Schweiz, die am kommenden Wochenende in den Flecken an die Klöppelstubete im Gemeindezentrum pilgern werden. Doch wie schwer ist Klöppeln eigentlich? Kann das jeder lernen? Ein Selbstversuch.

Ich bin in Rekingen. Hier wohnt Sonja Nussbaumer, die «Expertin» und Kursleiterin der Klöppelgruppe Zurzach. Sie entwirft für die zweimal jährlich stattfindende Klöppelstubete jeweils ein einfaches, aber dekoratives Objekt, das auch absolute Anfänger vor Ort unter ihrer Anleitung klöppeln können – so wie ich heute.

Nussbaumer führt mich in ihr Arbeitszimmer. Etwas skeptisch beäuge ich das Klöppelkissen, auf dem die Kursleiterin schon eine Arbeit vorbereitet hat. Zwanzig Holzklöppel zähle ich, und noch mehr Fäden. Ein Deko-Ei für den Osterbaum soll daraus werden. «Keine Sorge», sagt Nussbaumer, die meinen Blick richtig gedeutet hat, «ich habe es noch jedem beibringen können.» Während ich mich setze, erklärt die Expertin: «Wir arbeiten heute auf dem sogenannten Flachkissen. Das ist für Anfänger geeigneter als das runde Klöppelkissen. Zum Klöppeln braucht man einen Klöppelbrief – ein Stück Karton, auf dem genau eingezeichnet ist, wie die Fäden verlaufen und wo zur Fixierung eine Nadel angebracht wird.»

«Im Prinzip machen wir nichts anderes als Kreuzen und Drehen»

Ich erfahre, dass es beim Klöppeln drei Grundtechniken gibt: den Ganzschlag, den Halbschlag und den Leinenschlag. Ich lerne heute ausschliesslich den Ganzschlag für mein Osterei. Na dann. «Im Prinzip machen wir nichts anderes als Kreuzen und Drehen», erklärt Nussbaumer, und macht es vor. Vier Holzklöppel – zwei Paare – liegen nebeneinander. Erst tauschen die beiden Mittleren die Plätze, dann werden der zweite und vierte Klöppel um eine Position nach rechts verschoben. Kreuzen und Drehen halt. Das macht man zwei Mal, fixiert dann den Knoten mit einer Stecknadel, wiederholte das Ganze und – voilà.

44. Stubete für Spitzenmacherinnen,

mit Kafistube, Schnupperklöppeln,
Demonstrationen und Klöppelmarkt;
So. 16. März, 10 - 17 Uhr;
Gemeindezentrum Langwies,
Bad Zurzach

Ermutigt nehme ich die Klöppel in die Hand, kreuze und drehe, will den Knoten festziehen – und verheddere die Fäden. Der zweite Versuch klappt. Obwohl die Bewegungen und Arbeitsschritte recht einfach und immer dieselben sind, muss ich mich enorm konzentrieren. «Chrüüze, Dreihe», murmle ich vor mich hin. Sobald ich versuche, mit Sonja Nussbaumer ein Gespräch zu führen, schleichen sich Fehler ein. «Das geht allen Anfängern so», sagt Nussbaumer, die auch privat Kurse anbietet. «Bis man wirklich Routine hat, dauert es seine Zeit. Und selbst dann kann man nebenher nicht fernsehen, wie zum Beispiel beim Stricken. Höchstens Radio hören geht.»

Mein Osterei nimmt langsam Form an, meine Bewegungen werden fliessender, meine Begeisterung wächst. Nach einer Stunde lasse ich Nussbaumer für das «Finish» ans Klöppelbrett – und bin baff, als ich sehe, wie flink ihre Hände sind. «Ich klöpple ja auch schon bald zehn Jahre», sagt sie und lacht. Längst verwendet Nussbaumer nicht mehr nur Garn, sondern auch andere Materialien wie Metallfäden. Ihr Klöppelwerk verziert alle möglichen Gegenstände: Lineale, Notizbücher, Kugelschreiber. Auch die kleinen geklöppelten Fächer, die an ihren Ohrringen baumeln, hat sie selber gemacht. «Die Leute denken immer, Klöppeln sei altmodisch – dabei stellen wir sehr moderne Gegenstände und Dekorationen her, die gut in einen jungen Haushalt passen», sagt die Klöpplerin.

Sie hofft, dass auch dieses Mal wieder viele neue Gesichter den Weg zur Klöppelstubete finden werden und sich beim Schnupperklöppeln begeistern lassen. «Es dürfen ruhig auch Männer sein», sagt sie. «Die kommen zwar jeweils fast ebenso zahlreich wie die Frauen, trauen sich dann aber nicht so richtig ans Klöppelbrett.»

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