Studenland
Kosten für den nächtlichen Transport übersteigen den Nutzen

Nach knapp drei Jahren Betriebszeit wird der Studenland-Nightliner auf den Fahrplanwechsel Anfang Dezember eingestellt. Doch der Aufwand für den Nachtbus ist gegenüber den Steuerzahlern nicht mehr verantwortbar.

Angelo Zambelli und Britta Gfeller
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Der Nightliner bringt die Nachtschwärmer aus den Gemeinden im Studenland vom Ausgang in Baden nach Hause. Er verkehrt von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag ab Baden über Ehrendingen, Schneisingen, Siglistorf, Wislikofen, Mellikon, Rümikon und Fisibach und Kaiserstuhl bis zur Endstation Rekingen. Abfahrt ist um 1.36 Uhr.

Abnehmende Frequenzen

Als Hauptgrund für die Kündigung nennt Claudia Graf, Gemeindeammann von Schneisingen, eine ungenügende Auslastung. «Zu Beginn waren die Frequenzen noch recht gut. Doch mehr und mehr zeigte sich, dass die Kosten im Vergleich mit den abnehmenden Passagierzahlen nicht mehr zu verantworten waren.» Um das Missverhältnis zu korrigieren, klopften die Zurzibieter Gemeinden bei Ennetbaden und Ehrendigen an und baten um eine Kostenbeteiligung mit der Begründung, der Nightliner werde auch von Ehrendinger und Ennetbadener Nachtschwärmern genutzt. Die beiden Gemeinden aus dem Bezirk Baden lehnten dankend ab.

Graf bedauert, dass das auf Jugendliche zugeschnittene Angebot gestrichen werden musste: «Als Energiestadt waren wir stark daran interessiert, den öffentlichen Verkehr auch spätnachts auszubauen. Letztlich war aber das Kosten-/Nutzenverhältnis gegenüber dem Steuerzahler nicht mehr zu verantworten.» Die acht am Nachtbus beteiligten Gemeinden mussten die jährlichen Kosten von 32000 Franken zu 100 Prozent übernehmen.

Graf schliesst aber nicht vollständig aus, dass der Nightliner dereinst wiederbelebt oder durch einen Rufbus ersetzt werden könnte. «Gute Ideen nehmen wir gerne entgegen.»

Weiter bestehen bleibt das Nachtbusangebot ab Zürich (N51) am Freitag und Samstag. Die Busse fahren um 1.21, 2.21., 3.21 und 4.21 Uhr ab Zürich-Bellevue über Oberglatt und das Wehntal nach Schneisingen und weiter über Steinmaur nach Bachs.

«Vorbildliche Initiative»

Der vor mehr als drei Jahren gefällte Entscheid der acht Studenländer Gemeinden, gemeinsam einen Nachtbus anzubieten und zu finanzieren, wird von der Postauto Schweiz AG in Aarau hoch eingeschätzt: «Die Initiative der am Projekt beteiligten Gemeinden war vorbildlich. Dass sie ihren Einwohnern ermöglichen, auch nachts mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause zu kommen, ist nicht selbstverständlich», sagt René Böhlen, Mitglied der Geschäftsleitung der Postauto Schweiz AG. «Leider haben pro Fahrt nur gerade zwei bis drei Personen das Nachtangebot genutzt.»