Bad Zurzach
Kontroverse um Schlosspark-Unterhaltskosten: Das sagt der Gemeindeammann

Der Bad Zurzacher Ammann erklärt die umstrittene Unterstützung für die Schlossbesitzer. Der Gemeinde ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit Zugang zum Schlosspark hat.

Stefanie Garcia Lainez
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Der Park der Villa Himmelrych ist wieder zugänglich.

Der Park der Villa Himmelrych ist wieder zugänglich.

Claudio Thoma

Die Freude war gross, als der Schlosspark der Villa Himmelrych in Bad Zurzach Anfang August nach elf Jahren seine Tore wieder öffnete. Dass das auch so bleibt, ist ein grosses Anliegen der neuen Besitzerin, der Park Himmelrych AG. Um die Unterhaltskosten des Parks ist nun eine Kontroverse entbrannt. Am Donnerstag Abend stimmt die Gemeindeversammlung über die Teilübernahme des Parkunterhalts in der Höhe von jährlich maximal 37'000 Franken ab. Die Gegner stören sich daran, dass das private Schloss mit Steuergeldern unterstützt werden soll.

«Dieser Beitrag ist als Starthilfe zu betrachten», sagt Ammann Bernhard Scheuber. Die Vereinbarung wäre bis Ende 2023 befristet und soll im Frühling 2023 neu verhandelt werden. Die Werkbetriebe sollen die monatliche Reinigung der Wege, Leerung der Abfalleimer oder das Mähen der Wiesenflächen übernehmen. «Dass der Park der Bevölkerung offen steht, ist auch der Gemeinde wichtig», begründet Scheuber. Zum einen wegen der besonderen Lage als Verbindung zwischen dem Naherholungsgebiet am Rhein und dem Flecken. Zum anderen aber auch, da das Schloss ein wichtiger Zeitzeuge sei.

«Die Villa ist der Inbegriff des Aufschwungs, dem Erbauer Jakob Zuberbühler verdankt das Zurzibiet viel.» Als 1876 die Eisenbahn in Betrieb genommen wurde und die Bedeutung der Messeplätze abnahm, sei der Messeort Zurzach wirtschaftlich in einen Dornröschenschlaf gefallen. Der Textilfabrikant, ein Waisenkind aus Appenzell, baute im Flecken ein Grossunternehmen auf, Anfang des 20. Jahrhunderts liess er die Villa Himmelrych errichten. Zuberbühler verstarb 1904, sein Textilimperium zerfiel nach dem Ersten Weltkrieg. Später gehörten Teile der Fabrik und die Villa dem Schuhfabrikanten Odermatt & Co. Auch diese Firma ging Konkurs, 1978 übernahm die Antonie-Deusser-Stiftung das Schloss.

Glücksfall für Bad Zurzach

Der damalige Präsident Hugo Ammann machte das neue Museum über die Region hinaus bekannt und den Park öffentlich zugänglich. «Für Bad Zurzach war das ein Glücksfall», sagt Scheuber. Die finanzstarke Stiftung habe sich das leisten können. «Die heutige Erwartungshaltung, dass es so weitergeht, könnte daraus entstanden sein.» Er hält nochmals fest: «Mit der Vereinbarung fliesst kein Geld. Es handelt sich nur um Arbeits- und Sachleistungen.» Den Betrag zu genehmigen, läge im Kompetenzbereich des Gemeinderates. Gemeinderat Reto S. Fuchs gehört aber zu den Schlossbesitzern. «Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Bevölkerung darüber abstimmen zu lassen.»

Kritik, dass der Tierpark die Unterstützung nötiger hätte, lässt Scheuber nicht gelten. «Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Wir nehmen die Anliegen zum Tierpark ernst und führen intensive Gespräche mit dem Verein.» Mündlich sei bereits ein finanzieller Zuschuss zugesagt worden. «Heute stimmen wir aber über den Schlosspark ab.»