Kaiserstuhl
Konflikt um den beliebten Schulhausabwart

Der Stadtrat will Giuseppe Fulmini ins Bauamt integrieren – Schulleitung und Lehrerschaft sind empört.

Angelo Zambelli
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Konflikt um den beliebten Schulhausabwart

Konflikt um den beliebten Schulhausabwart

Die Primarschule Kaiserstuhl ist in Aufruhr: Die Absicht des Stadtrates, Abwart Giuseppe «Giusi« Fulmini aus dem Schulareal abzuziehen und ins Bauamt zu integrieren, stösst auf Unverständnis. Schulleiterin Karin Maienfisch beschreibt den 56-jährigen Fulmini als «»Qualitätsmerkmal der Primarschule Kaiserstuhl». Er pflege einen überaus herzlichen Kontakt mit den Schülern und sei bereit, mehr Aufgaben zu übernehmen, als er aufgrund seines Aufgabenbereichs müsste. «Giusi ist wie ein Sozialarbeiter. Kinder können jederzeit zu ihm gehen, mit ihm plaudern oder das eine oder andere Problem mit ihm besprechen.»

Werden Budgetlöcher gestopft?

Dass der äusserst beliebte Hauswart nun sein Kämmerlein räumen und in ein Büro des Bauamtes umziehen muss, löst bei der Lehrerschaft und bei Schulleiterin Maienfîsch Empörung aus: «Offenbar will der Stadtrat den Aufgaben des Bauamts erste Priorität einräumen und die Belange der Schule hintanstellen.» Im Schulhaus Blölenboden wird befürchtet, dass Budgetlöcher auf Kosten der Schule gestopft werden sollen. Kaiserstuhl ist seit Ende Juli 2009 nicht mehr Bezirksschul-Standort. Damit entgehen dem Stadtrat beträchtliche Summen an Schulgeldern. Dass die Kostenneutralität ausgerechnet zu- lasten des beliebten Abwarts wiederhergestellt werden soll, bezeichnet die Lehrerschaft als «schäbig und unanständig», zumal Giuseppe Fulmini bereits Anfang Jahr eine Pensum- und Lohnkürzung von 20 Prozent hatte hinnehmen müssen.

Schulpflege, Schulleitung und Lehrerschaft würden es gemäss einer schriftlichen Stellungnahme zutiefst bedauern, «wenn die Schule aufgrund eines Schnellschusses oder eines wenig sensiblen Entscheids des Stadtrats einen derart einschneidenden Verlust erleiden würde».

Die Haltung des Stadtrats

Gemeindeammann Fritz Tauer verteidigt den Beschluss des Stadtrates, mit Bauamtsmitarbeiter Erich Weibel und Schulhausabwart Giuseppe Fulmini einen Pool zu bilden, in dem sich die beiden ergänzen und bei Abwesenheiten vertreten können. Der Stadtrat habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und in Sondersitzungen unter Berücksichtigung alle Aspekte nach einer sozialverträglichen Lösung gesucht, sagt Tauer. Nach dem Wechsel von der Bezirksschule mit 100 bis 120 Schülern zur Primarschule mit nur noch 40 bis 45 Kindern und entsprechend weniger Lehrkräften sei es angezeigt gewesen, die Nutzung der Schulanlage und die Aufgaben des Abwarts zu überprüfen und den neuen Gegebenheiten anzupassen. Für Tauer ist klar, dass die Anzahl der aufgewendeten Stunden für die Schule heruntergefahren werden und stattdessen in die Reinhaltung des Städtchens investiert werden muss. «Die Lehrerschaft braucht deswegen keinen Abbau der grundlegenden Dienstleistungen zu befürchten», sagt Tauer.

Abwart verlangt Kündigung

Der Betroffene selbst will sich die vom Stadtrat vorgeschlagene Änderung seines Aufgabengebietes nicht widerstandslos gefallen lassen. Sollten die Massnahmen wie angekündigt per 1. Januar 2011 umgesetzt werden, verlangt er, dass ihm gekündigt wird. «Tut der Stadtrat dies nicht, werde ich selbst kündigen, obwohl mich dies in ernste Schwierigkeiten bringen würde», sagt Fulmini. Am liebsten wäre ihm, wenn er wieder zu 100 Prozent arbeiten könnte und die Priorität wie bis anhin bei der Schule liegen würde. «Bei einem 100-Prozent-Pensum wäre ich bereit, Bauamtsarbeiten auch am Sonntag zu erledigen.»