Wahlen
Knechts Zurzibieter SVP verärgert über FDP und Wirtschafts-Dachverband

Das Wirtschaftsforum Zurzibiet verzichtet auf Inserate für Hansjörg Knecht, den Ständeratskandidaten aus der Region. Die SVP ist darüber verärgert – ebenso über einen FDP-Leserbrief. Bei der wundert man sich dagegen und spricht von «Dünnhäutigkeit».

Daniel Weissenbrunner
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77 255 Stimmen hat Hansjörg Knecht im ersten Ständeratswahlgang am 18. Oktober erhalten. Der Leibstadter erzielte hinter Pascale Bruderer das zweitbeste Ergebnis, vor Philipp Müller und Ruth Humbel. Im Bezirk Zurzach liess Knecht sogar SP-Frau Bruderer klar hinter sich.

Werner Laube hofft, dass der zweite Wahlgang am Sonntag für Knecht erneut zu einem Zurzibieter Heimspiel wird. «Die Chancen stehen gut», glaubt der SVP-Bezirkspräsident. Dennoch ist Laube missgestimmt: In einem Leserbrief in der «Botschaft» kritisiert Laube, wie auf Hansjörg Knecht zuletzt in seinem Stammland auf den Mann gespielt worden sei.

Ihn stösst eine Empfehlung der FDP Bezirk Zurzach, die am vergangenen Samstag erschienen ist, sauer auf. Er habe nichts einzuwenden, wenn der eigene Kandidat Philipp Müller unterstützt werde. «Es kann aber nicht sein, dass Hansjörg Knecht diffamiert wird, nur um die Parteiinteressen der FDP Aargau zu wahren.»

Bei der FDP stossen Laubes Vorwürfe auf Verwunderung. «Die SVP schiesst übers Ziel hinaus. Wir haben Knecht weder beleidigt, noch in ein schlechtes Licht hingestellt», sagt Claudia Hauser. Die Präsidentin der FDP Bezirk Zurzach verblüfft die plötzliche Dünnhäutigkeit. «Ausgerechnet die SVP.»

Werner Laube sieht das anders. Er will, dass das Zurzibiet mit Hansjörg Knecht in Bern eine Stimme erhält: «Es ist eine kurzsichtige Denkweise der Gegner. Spätestens in einem Jahr bei den Grossratswahlen werden die gleichen Parteifunktionäre der FDP betonen, wie wichtig es ist, Vertreter für unsere Rand- und Grenzregion zu haben.»

Laubes Begründung löst bei Claudia Hauser Kopfschütteln aus. «Dafür habe ich null Verständnis. Dieser Vergleich hinkt. Bei den Grossratswahlen geht es tatsächlich darum, gute Vertreter aus unserem Bezirk nach Aarau zu wählen. Am nächsten Sonntag wählen wir aber einen Standesvertreter für den Kanton Aargau und nicht einen für das Zurzibiet.» Für sie ist der politische Rucksack massgebend. «Es ist kein Geheimnis, dass Philipp Müller besser vernetzt ist als Hansjörg Knecht.»

Auf taube Ohren stösst die SVP auch beim Wirtschaftsforum Zurzibiet. Der Dachverband, der die Kräfte der verschiedenen Wirtschaftsorganisationen in der Region vereint, verzichtet auf eine Inseratekampagne für Knecht. Für Werner Laube unverständlich. Vor vier Jahren habe das Forum die Nationalratskandidaten aus dem Bezirk unterstützt. «Und jetzt, wo wir einen Ständerat nach Bern schicken könnten, herrscht Funkstille.»

Keine Mehrheit für Support

Beim Wirtschaftsforum weist man Laubes Kritik zurück. «Wir sind parteipolitisch eine neutrale Organisation», erklärt Geschäftsführer Peter Andres. Er räumt jedoch ein, dass ein Antrag zur Unterstützung für Knecht eingegangen sei. Per Mehrheitsbeschluss sei dieser in der Geschäftsleitung abgelehnt worden. Brisant: Die beiden SVP-Mitglieder mussten sich den fünf übrigen Mitgliedern beugen. Peter Andres wertet den Entscheid nicht gegen Hansjörg Knecht.

«Im Forum sind die unterschiedlichsten Gruppierungen vertreten, die über die Bezirksgrenze hinausgehen.» Beispielsweise bei Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel: Knechts Konkurrentin vertritt als Verwaltungsrätin die Interessen von der RehaClinic Bad Zurzach. Für Werner Laube ein schwacher Trost.