Gemeindeversammlung
Klingnauer wollen Döttinger Wasser – Stadtrat muss bei höheren Wasser-Gebühren über die Bücher

Um hohe Investitionen bei der eigenen Wasserversorgung zu vermeiden, beziehen die Klingnauer in Zukunft das Trinkwasser von Döttingen.

Philipp Zimmermann
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Klingnau kann sich über zu wenig Wasser nicht beklagen. Dennoch bezieht das Städtchen das Trinkwasser künftig aus der Nachbargemeinde.Sandra Ardizzone

Klingnau kann sich über zu wenig Wasser nicht beklagen. Dennoch bezieht das Städtchen das Trinkwasser künftig aus der Nachbargemeinde.Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Die Klingnauer können sich nicht über einen Wassermangel beklagen. Trotzdem beziehen sie in Zukunft das Trinkwasser von Döttingen. Diskussionslos hat die Gemeindeversammlung vom Donnerstag dem Zusammenschluss mit der Wasserversorgung der Nachbargemeinde zugestimmt. Dazu gehört ein Kredit von 400'000 Franken. «Döttingen hat sich als verlässlicher Partner erwiesen und ist uns wohlwollend entgegengekommen», sagte Gemeinderat Patrick Güntert. Die Nachbarn hatten dem Zusammenschluss tags zuvor schon zugestimmt.

Klingnau wird damit das gesamte Trinkwasser von Döttingen beziehen. Das Grundwasserpumpwerk Gütsch nimmt die Gemeinde allerdings nicht ausser Betrieb. «Für den Notfall», erklärte Güntert. Die Klingnauer vermeiden damit, einen Millionenbetrag in ihre Wasserversorgung investieren zu müssen. Diese wären wegen der Verschärfung des Gewässerschutzgesetzes im Industriegebiet Zelgli, im Einzugsgebiet des Grundwassers, nötig geworden. Dazu hat der Bund das Nitrat-Projekt gestoppt: Nitrat, in Düngemitteln enthalten, belastet das Grundwasser. Nachdem der Bund den Düngeverzicht nicht mehr entschädigt und den Nitrat-Grenzwert erhöht hat, hätte Klingnau Landwirte selbst entschädigen müssen, damit der Nitrat-Gehalt unter dem Grenzwert bleibt.

Nein zu höheren Wassergebühren

Abgelehnt haben die Klingnauer das neue Wasserreglement. Zwei Bürger störten sich an den Erhöhungen und stellten einen Rückweisungsantrag, der deutlich angenommen wurde. Die Kritik entzündete sich vor allem an der Grundgebühr pro Anschluss von 200 Franken (aktuell: 150 Franken). Das sei nicht gerecht, wurde Kritik laut. Eigenheim-Besitzer würden so massiv höher zur Kasse gebeten als Bewohner eines Mehrfamilienhauses mit nur einem gemeinsamen Anschluss. Die Kritiker forderten eine tiefere Gebühr pro Hausanschluss, mit der auch die Erhöhung der Verbrauchsgebühr von 1.60 auf 2.00 Franken pro Kubikmeter zumindest abgefedert werden könne.

Stadtrat Güntert unterstrich, dass die Erhöhung keinen Zusammenhang mit dem Zusammenschluss mit der Wasserversorgung Döttingen habe. Vielmehr würden nach den hohen Investitionen im Städtchen und der Flüestrasse weitere Investitionen anstehen.

Die weiteren Entscheidungen:

Drei Verpflichtungskredit-Abrechnungen wurden genehmigt. Beim 157'000-Franken-Kredit Strassenbau/Beleuchtung Unterstadtgasse betrug die Überschreitung 81'000 Franken. Der Grund: Bei der Strassensanierung mussten Schutt und Bauschutt von einem alten Stadtbrand, die überraschenderweise zutage traten, als Inertstoffe entsorgt werden. Die Zusatzkosten dafür betrugen 107'000 Franken.

Die Überschreitung von 74'000 Franken des Verpflichtungskredits (1,1 Mio. Franken) zum Schulcontainer (4 Klassenzimmer) hängt mit einem Rechtsstreit und der erfolgreichen Submissionsbeschwerde der Erne AG aus Laufenburg zusammen, welche den Container nach dem Sieg im Rechtsstreit erstellt hat (die AZ berichtete). Weitere Gründe waren der Baugrund, der schlechter als erwartet war, sowie zusätzliche Wünsche von Seiten der Schule.

Der FC Klingnau erhält nachträglich 100'000 Franken Unterstützung für die Erweiterung und Teilsanierung des Garderobengebäudes im Grie. Das Gebäude gehört der Gemeinde.

Ja zum neuen Abwasserreglement. Dieses beinhaltet auch eine neue Anschlussgebühr für Schwimmbassins von 45 Franken pro Kubikmeter.

Ja zum Nachtparkierreglement. Die Gebühr beträgt 40 Franken pro Monat. Die Kontrollen wird eine Privatperson durchführen, zwischen 1 und 5 Uhr nachts.

Ja zu einer Einbürgerung einer deutschen Staatsangehörigen (28), die als Assistenzärztin am Kantonsspital Aarau arbeitet.

Weitere Informationen:

Die Schule spürt das starke Bevölkerungswachstum: Im neuen Schuljahr 2018/19 werden in der Primarschule erstmals zwei Klassen pro Jahrgang geführt. In die Oberstufe tritt dagegen ein zahlenmässig schwacher Jahrgang mit einer Bez-, einer Sek- und zwei Realklassen über. Die Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA) wird damit insgesamt 4 Bez-, 4 Sek- und 6 Realklassen führen. "Diese Baisse ist allerdings vorübergehend", erklärte Stadtrat Kuno Schumacher. Mittel- bis langfristig sei mit je 6 Klassen zu rechnen. Das Bevölkerungswachstum im Unteren Aaretal ist im Vergleich mit dem Bezirk überdurchschnittlich.

Unabhängig davon, ob die Bezirksschule auch in Zukunft in Klingnau stehen wird, sind aufgrund der steigenden Schülerzahlen mehr Schulzimmer nötig. Der Stadtrat will deshalb einen Occasion-Pavillon mit vier Klassenzimmern erwerben, der auch bei der Sanierung der Schützenmatt genutzt werden soll. Möglich wird der Kauf, ohne dass die Gemeindeversammlung dem zustimmen muss, dank eines Notkredits. Das Gemeindegesetz (Paragraf 90d) sieht diese Möglichkeit bei einer solchen "ausserordentlichen Situation" vor. Der Pavillon soll hinter der Propstei aufgestellt werden. Für ihn muss die alte Baracke abgerissen werden. Klar ist aber: Der Pavillon bleibt ein Provisorium. Deshalb gibt die Denkmalpflege ihre Zustimmung.

Der Stadtrat nimmt Abstand vom Vorhaben, im Propsteikeller das Gemeindearchiv einzurichten. Einerseits weil es bei einem Hochwasser hier schlecht geschützt wäre, zweitens weil viele Dokumente auch digital archiviert werden können und dabei nicht so viel Raum benötigt wird. Die Gemeindeversammlung vom Juni 2007 hatte dafür einen Kredit von 280'000 Franken gesprochen.

Für die Sanierung des Chieswegs (mit Werkleitungen) wird der Stadtrat voraussichtlich an der nächsten Gmeind eine Nachtragskredit vorlegen. Im Zuge des Verkaufs des Gemeindewerks Elektrizitätsversorgung Klingnau (EVK) an die AEW Energie AG sind hier höhere Kosten als die 390'000 Franken zu erwarten, welche die Gmeind im Juni 2014 gesprochen hatte. Nächstes Jahr soll der Chiesweg saniert werden.

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