Klingnau
Reitverein bangt um seine Existenz: Das sind die zehn wichtigsten Punkte zur Abstimmung über die Sportplätze

Die Gegner kritisieren die Kosten von 5,9 Millionen Franken, für zwei Vereine geht es um ihre Zukunft. Und: Die Stadt bringt eine neue Idee ins Spiel, um die wiederkehrenden Ausgaben zu senken.

Stefanie Garcia Lainez
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Gegen die geplanten Sportplätze im Grie Klingnau wurde zum zweiten Mal das Referendum ergriffen.

Gegen die geplanten Sportplätze im Grie Klingnau wurde zum zweiten Mal das Referendum ergriffen.

Severin Bigler

Zum zweiten Mal kommen die Sportplätze an die Urne. Die Meinungen sind gespalten. Die zehn wichtigsten Fragen und ihre Antworten.

Was ist geplant?

Die Stadt möchte einen zweiten Fussballplatz für den FC Klingnau und einen neuen Sandplatz für den Reitverein Klingnau in der offiziellen Zone für Sport und Freizeit im Grie erstellen. Die Plätze sind zwischen Grieweg und Seitenkanalstrasse geplant. Dazwischen ist ein Mehrzweckgebäude aus Holz als Schallschutz vorgesehen:

Das Trainingsfeld des Schäferhundeclubs (links) bleibt bestehen, in der Mitte soll der Fussballplatz erstellt werden und rechts der Sandplatz. Dazwischen ist das Mehrzweckgebäude geplant.

Das Trainingsfeld des Schäferhundeclubs (links) bleibt bestehen, in der Mitte soll der Fussballplatz erstellt werden und rechts der Sandplatz. Dazwischen ist das Mehrzweckgebäude geplant.

Zvg

Der Trainingsplatz des Schäferhundeclubs bleibt bestehen, der Kynologische Verein bleibt so lange wie möglich in der Machme.

Wie hoch sind die einmaligen Baukosten?

Diese betragen 5,9 Millionen Franken. Die Gemeinde übernimmt 3,9 Millionen, der FC und der Reitverein zusammen 2 Millionen. Stadtrat Kuno Schumacher versichert: «Die Kosten beziffern den Maximalbetrag, den wir nur im Worst-Case-Szenario ausschöpfen. Es ist unser Ziel, das Projekt in jeder Phase zu optimieren.»

Wo stehen die Vereine mit der Finanzierung?

Beide Vereine finanzieren ihren Anteil aus der Vereinskasse, über Eigenleistungen und Sport-Toto-Beiträge. Der FC will zudem ein Darlehen aufnehmen und sucht Sponsoren. Der Reitverein wird einen Teil der Kosten mit der Wiederverwendung von Material decken und teilt mit, seinen Anteil sicher stemmen zu können und dass bereits die Hälfte des Betrags gesichert sei. Die Spenden- und Sponsorensuche würde nach der Abstimmung gestartet. «Die Vereine hoffen, mehr als 2 Millionen beisteuern zu können», so Schumacher.

Ist das Projekt zu teuer?

Die Gegner stören sich unter anderem an den Kosten. Sie befürchten wegen der angespannten finanziellen Lage und weiterer Projekte eine erneute Steuererhöhung.

Stadtrat Kuno Schumacher.

Stadtrat Kuno Schumacher.

zvg

Der ehemalige Präsident der Finanzkommission, Hans Muff, schreibt auf der Plattform Crossiety, dass die Stadt dafür tief in die «Fremdfinanzierungs-Kiste» greifen müsse. Dringende Investitionen zu Gunsten der ganzen Gemeinde hätten deshalb Vorrang.

Kuno Schumacher versichert:

«Die einmaligen Investitionen sowohl für die Sportplätze als auch für die anderen Projekte kann die Stadt stemmen.»

Was die Rechnung jeweils stärker belaste, seien die jährlichen Kosten. Die Stadt muss nach Gesetz einen bestimmten Betrag abschreiben.

Wie hoch sind die jährlichen Kosten?

Die Kosten für Betrieb, Unterhalt und Reinigung berappen die Vereine. Die Stadt kommt für die Bewässerung der Anlagen auf, dies aber in Zukunft ohne teures Trinkwasser. Ein Projekt werde dafür ausgearbeitet und soll auch die Bewässerung der Grünanlagen der Badi einschliessen. «Das müssen wir ohnehin optimieren», sagt Kuno Schumacher. Einzig die gesetzlich vorgeschriebene Abschreibung und den Zinsanteil von insgesamt rund 198'000 Franken gehen zu Lasten der Stadt – was aber mittels Baurechtsvertrag eliminiert werden soll.

Was sind die Vorteile eines Baurechtsvertrags?

Die Parzelle bleibt weiterhin im Eigentum der Stadt, die Vereine übernehmen aber die Verantwortung – und die Kosten für Zinsen und Amortisation. «Wir sind laufend bestrebt, die jährlich wiederkehrenden Kosten zu reduzieren», sagt Kuno Schumacher. «Deshalb wäre das Baurecht die optimale Lösung.» Der Baurechtsvertrag ist jedoch nicht Teil des aktuellen Projektes.

Was passiert mit den Garderoben des Fussballclubs?

Die Anwohner wünschten ein neues, eigenständiges Garderobenhäuschen an der Ecke Grieweg/Brüggliweg. Wegen der Synergien in einem gemeinsam genutzten Mehrzweckgebäude der Vereine (nur eine WC-Anlage und Technikraum nötig) und den tieferen Kosten (es werden rund 0,5 Millionen eingespart) will die Stadt vorerst auf den Bau eines separaten Gebäudes verzichten; an dessen Stelle sind nun Parkplätze und ein Provisorium des FC vorgesehen. Das Mehrzweckgebäude soll in einer kleineren Version realisiert werden, aber so, dass es zu einem späteren Zeitpunkt um vier Garderobeneinheiten vergrössert werden könnte.

Finanziert die Stadt Auswärtigen das Hobby?

«Klar hat die erste Mannschaft des FC nicht nur Klingnauer in ihren Reihen», sagt Kuno Schumacher. «Aber eine erfolgreiche Mannschaft bietet Perspektiven für den Nachwuchs, überregionale Vereine fördern den Zusammenhalt der Region.» Von den mehreren hundert Mitglieder stammt etwa die Hälfte aus Klingnau. Und der Präsident des Reitvereins, Christian Bamberger, sagt:

«Es ist unbestritten, dass der Reitverein nicht nur aus Klingnauer Mitgliedern besteht, sondern auch aus der näheren Umgebung.»

Er ergänzt aber: «Mit unseren Pferdesportveranstaltungen holen wir Reiter und Zuschauer aus der ganzen Schweiz nach Klingnau und versuchen, die Stadt in unserem Namen mit Stolz zu repräsentieren.»

Welche anderen Projekte sind noch geplant?

In den nächsten acht Jahren stehen Ausgaben von 23 Mio. Franken zur Diskussion für Sanierungen von Strassen, Schulhaus, Kindergarten und Friedhofkapelle. Die Schlosssanierung für knapp 12 Mio. hat die Stadt rausgestrichen, da eine Spezialfinanzierung gesucht wird. Schumacher: «Diese Projekte sind finanzierbar. Die aktuelle Tiefzinslage hilft, Vorinvestitionen zu finanzieren, deren Folgekosten durch das erreichte Wachstum aufgefangen werden können.»

Die Sportplätze sind umstritten

Seit über einem Jahrzehnt beschäftigt sich Klingnau mit einem neuen Fussballplatz. Ein erstes Projekt scheiterte 2009 an der Urne. Der Projektierungskredit für das aktuelle Projekt mit Fussballplatz und Sandplatz für den Reitverein wurde vor einem Jahr an der Urne mit nur 13 Stimmen Unterschied äusserst knapp genehmigt. Danach arbeiteten Quartier-, Vereins- und Behördenvertreter das Bauprojekt aus, dessen Kredit an der Gmeind mit 115 Ja zu 66 Nein angenommen wurde. Mit 360 Unterschriften wurde dagegen erfolgreich das Referendum ergriffen, weshalb nun erneut an der Urne abgestimmt wird.

Was passiert bei einem Nein?

Die Anlagen des FC Klingnaus und des Reitvereins sind sanierungsbedürftig – aber vor allem für letzteren geht es um die Existenz. Denn ohne neuen Sandplatz kann der Reitverein in Zukunft kaum mehr wetterunabhängige Turniere auf aktuellem Niveau durchführen. Der bestehende Sandplatz ist zu klein dafür, auf der Wiese ist die Verletzungsgefahr für die Pferde insbesondere bei schlechtem Wetter zu gross. Deshalb sind in den vergangenen Jahren die Teilnehmerzahlen an Springkonkurrenzen auf Wiese um 50 Prozent zurückgegangen.

Der FC Klingnau darf zwar auf seinem aktuellen Platz in der Machme die Bauten sanieren, aber wegen des Stausee-Schutzdekrets nicht erneuern, um mit einer zeitgemässen Anlage ersetzen. Kuno Schumacher ergänzt:

«Wir müssen die Vereine und ihre Jugendarbeit unterstützen und als Stadt attraktiv bleiben.»

Würden Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten, käme das viel teurer. Bei einem Nein drohe ein Stillstand. «Bad Zurzach hat gezeigt, dass sich Investitionen auszahlen.»

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