Wehntal/Surbtal
Keine höheren Gemeindebeiträge für Mediothek

Seit September 2011 wird an der Kantonsgrenze Aargau/Zürich eine Auseinandersetzung um Geld ausgetragen. Schneisingen, Siglistorf und Lengnau weigern sich jetzt, mehr für die Mediothek in Niederweningen zu bezahlen.

Angelo Zambelli
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Die Mediothek in Niederweningen steht im Zentrum einer Meinungsverschiedenheit zwischen der Standortgemeinde und den Aargauer Gemeinden Schneisingen, Siglistorf und Lengnau. Angelo Zambelli

Die Mediothek in Niederweningen steht im Zentrum einer Meinungsverschiedenheit zwischen der Standortgemeinde und den Aargauer Gemeinden Schneisingen, Siglistorf und Lengnau. Angelo Zambelli

In einem Schreiben an die Gemeinderäte Schneisingen, Siglistorf und Lengnau beantragen die Mediothekskommission Niederweningen und der Gemeinderat Niederweningen, die bisher geleisteten Beiträge an die Finanzierung der Mediothek zu erhöhen.

Mit diesem Anliegen haben die Niederweninger bei den Aargauer Nachbarn wenig Begeisterung ausgelöst: Als Folge der dreifachen Aargauer Ablehnung intervenierten die Niederweninger im Juni 2012 erneut und nannten bei dieser Gelegenheit auch konkrete Zahlen: Von Lengnau wäre ein Finanzierungsbeitrag von 4500 Franken erwartet worden, von Schneisingen 10600 Franken und von Siglistorf 3700 Franken. Die bis 2011 bezahlten Beiträge der Zurzibieter Gemeinden waren im Schreiben ebenfalls aufgelistet: Lengnau 0, Schneisingen 3500, Siglistorf 1200.

Der Brief endete mit den beiden Sätzen: «Mediothekskommission und Gemeinderat Niederweningen sehen sich leider gezwungen, den Mitgliederbeitrag für die Einwohner von Lengnau, Schneisingen und Siglistorf von bisher 40 auf neu (ab 2013) 70 Franken zu erhöhen. Zuständig für Anfragen bezüglich dieser Erhöhung sind die Aargauer Gemeinderäte.»

«Wir beteiligen uns seit Jahren»

Gemeindeammann Claudia Graf (Schneisingen) hält in ihrer telefonischen Begründung der abgelehnten Beitragserhöhung fest, dass die freundnachbarlichen Beziehungen der beiden Grenzgemeinden wegen der Mediotheks-Geschichte nicht gefährdet seien: «Wir beteiligen uns seit Jahren an der Finanzierung der Mediothek Niederweningen. Den jahrelang geleisteten Beitrag von 2000 Franken haben wir erst kürzlich auf 3500 Franken erhöht, weil das Angebot laufend erweitert wurde und die Mediothek bei der Bevölkerung sehr beliebt ist. Ab dem nächsten Jahr erhöhen wir den Beitrag in einem weiteren Schritt auf 4000 Franken. Damit – so glauben wir – hat die Gemeinde Schneisingen ihre Pflicht gegenüber der Mediothek und gegenüber der Nachbargemeinde Niederweningen erfüllt.» Mühe habe der Gemeinderat Schneisingen mit der bereits umgesetzten Erhöhung des Mitgliederbeitrages für die drei Aargauer Gemeinden, sagt Graf. «Den Schritt von 40 auf 70 Franken erachten wir als zu gross.» Die Erhöhung der Mitgliederbeiträge könnte dazu führen, dass der eine oder andere Schneisinger Einwohner die Niederweninger Mediothek künftig meide und auf andere Anbieter ausweiche, warnt Graf.

Drohung stösst auf Unverständnis

Praktisch deckungsgleich äussert sich Stefan Schuhmacher, Gemeindeammann in Siglistorf: «Seit 2008 leisten wir einen jährlichen Beitrag von 1200 Franken. Auf die Anfrage im September 2011 haben wir uns bereit erklärt, den Beitrag auf 2100 Franken zu erhöhen, allerdings erst auf das Jahr 2013, weil wir damals das Budget 2012 bereits erstellt hatten.» Mit dem Angebot, bis 2015 einen höheren Beitrag zu leisten und danach eine weitere Erhöhung in Betracht zu ziehen, habe der Gemeinderat Siglistorf seine Pflicht erfüllt, sagt Schuhmacher. Gar nicht gefallen hat ihm die inzwischen umgesetzte Drohung, bei Nichterhöhung der Gemeindebeiträge würden die Mitgliederbeiträge für die Nutzer aus den drei Aargauer Gemeinden angehoben: «Irgendwo hats Grenzen, auch wenn wir anerkennen, dass die Mediothek für die Region eine wertvolle Institution ist. Zudem muss sich der Gemeinderat die Frage stellen, ob die Allgemeinheit dazu verpflichtet ist, private Ausleihen von Büchern und Filmen zu finanzieren.»

Der Lengnauer Ammann Kurt Schmid hat eine dritte Sicht der Dinge: «Lengnau orientiert sich bezüglich Mediothek Richtung Baden und überweist den Beitrag auch an Baden. Zwei Finanzierungsbeiträge können und wollen wir uns nicht leisten.»