Klingnau
Katze in Marderfalle: Nun folgt die Busse für fahrlässige Tierquälerei

Eine Frau fand nach ihren vermissten Kater nach tagelanger Suche abgemagert in einer Marderfalle. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft ein Urteil gefällt, das rechtskräftig ist.

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In dieser Marderfalle in einem fremden Garten fand eine Klingnauerin ihren Kater – «völlig abgemagert».

In dieser Marderfalle in einem fremden Garten fand eine Klingnauerin ihren Kater – «völlig abgemagert».

zvg

Völlig abgemagert und verzweifelt schreiend fand eine Klingnauerin ihren Kater Pinu (11) im März in einer Marderfalle in einem fremden Garten. Die Katzenhalterin hatte ihren Liebling zehn Tage lang gesucht. Weil der Käfig gut getarnt war- er befand sich unter einem grauen Fass, das wiederum von einem grünen Vlies und Tannenästen bedeckt war - machte sie eine Anzeige (die az berichtete).

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach einen Strafbefehl gegen jene Person erlassen, welche die Marderfalle aufgestellt hat. Die Person wurde wegen Vergehen gegen das Jagdgesetz (Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel) sowie wegen fahrlässiger Tierquälerei zu einer Busse von 3500 Franken und einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen verurteilt. Fiona Strebel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, bestätigt eine entsprechende Meldung der Lokalzeitung «Die Botschaft».

Keine Einsprache

Gegen diesen wurde keine Einsprache eingereicht, der Strafbefehl ist rechtskräftig. Inwiefern die Staatsanwaltschaft nicht von einer vorsätzlichen Tierquälerei ausgeht, dazu äussert sich die Mediensprecherin nicht konkret. Fiona Strebel sagt auf Nachfrage nur: «Es war kein erkennbarer Vorsatz vorhanden.»

Weitere Anzeigen sind bei der Kantonspolizei nicht hängig, wie Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei, sagt. Er fügt an, dass «das Verschwinden mehrerer Katzen in diesem Quartier leider nicht geklärt werden konnte.» Und: «Ein aufgefundener Katzenschwanz wurde durch die Tierpathologie untersucht. Dabei konnte festgestellt werden, dass ein Fuchs den Schwanz abgetrennt haben dürfte.»

"Falle täglich kontrollieren"

Für fahrlässig verübte Tierquälerei sieht das Tierschutzgesetz eine Mindeststrafe von einem Tagessatz und eine Höchststrafe von 180 Tagessätzen vor. Wie ist dieses Urteil einzuschätzen? Lukas Berger, Tierschutzanwalt und Jurist beim Schweizer Tierschutz, verweist zwar darauf, dass er die näheren Umstände nicht kenne. Trotzdem staunt er darüber, dass es nicht eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tierquälerei gekommen ist. «Wer eine solche Falle aufstellt, muss sie täglich kontrollieren. Wer das nicht tut, nimmt in Kauf, dass ein Tier übermässig leidet, ja sogar elend krepiert. Und laut Strafgesetzbuch ist das Inkaufnehmen immer vorsätzlich, auch wenn die Person nicht absichtlich gehandelt hat.»

Berger führt ausserdem aus, dass er regelmässig Anrufe von Katzenhaltern erhalte, die sehen, wie Anwohner in ihrem Quartier Marderfallen aufstellen oder die gar ihre eigenen Katzen in Fallen finden.

Eine Marderfalle in seinem Garten aufzustellen, ist im Kanton Aargau nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt. «Das ist möglich als Selbsthilfemassnahme gegen Wildtiere, wenn diese erheblichen Schaden verursachen und sich dieser nicht anders verhindern lässt», erklärt Erwin Osterwalder von der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei. Geregelt ist das in der Aargauer Jagdverordnung. Dort ist auch festgehalten, dass das Fallenaufstellen mit der zuständigen Jagdgesellschaft abzusprechen ist. «Zudem müssen die Fallen gemäss Bundesjagdverordnung täglich kontrolliert werden», sagt Osterwalder.