Oberstufe Unteres Aaretal
Kantonale Sparmassnahmen in der Schule: «Das wird uns noch teuer zu stehen kommen»

Die geplanten Sparmassnahmen des Kantons und ihre Auswirkungen für Schule und Kinder standen am Elterninfoabend der Oberstufe Unteres Aaretal im Zentrum.

Louis Probst
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Im Bez-Schulhaus in Klingnau besuchen neuerdings auch Sek- und Realschüler den Unterricht.

Im Bez-Schulhaus in Klingnau besuchen neuerdings auch Sek- und Realschüler den Unterricht.

PZ

«Die Lehrpersonen tun alles dafür, die Auswirkungen der bisherigen Sparmassnahmen im Bildungsbereich abzufangen», sagte Franco Corsiglia, Schulleiter Oberstufe Unteres Aaretal (Osua) am Elterninformationsabend in der Klingnauer Propsteiturnhalle. Deshalb hätten die Eltern bis jetzt noch nichts davon bemerkt. «Wenn aber die Sanierungsmassnahmen 2017 umgesetzt werden, dann werden Sie das zu spüren bekommen.» Und er ergänzt: «Jetzt geht es um den Bildungsabbau.»

Diese Sanierungsmassnahmen 2017 des Kantons sollen unter dem Strich zu Einsparungen von insgesamt 5,1 Millionen Franken führen. Was es damit auf sich hat, zeigte Thomas Leitch auf, Grossrat und Präsident der Bildungskommission.

Der Infoanlass in Klingnau ist gut besucht.

Der Infoanlass in Klingnau ist gut besucht.

Louis Probst

Im Wesentlichen geht es um die Reduktion der ungebundenen Lektionen bei der Primarschule; die Reduktion der Stundentafel in der Primarschule und der Oberstufe; den Verzicht auf Beiträge für die Sprach- und Bewegungsförderung; den Verzicht auf Beiträge für die Kinder- und Jugendförderung sowie um die Reduktion des Unterrichts in Deutsch als Zweitsprache.

Wie Thomas Leitch sagte, lehnt die Bildungskommission die Sanierungsmassnahmen – die auch im Widerspruch zu hehren Aussagen der Regierung stehen – ab.

«Integration geht über Sprache»

«Die Sanierungsmassnahmen haben Auswirkungen auf vielen Ebenen», betonte Franco Corsiglia. Als «komisch» bezeichnete er, dass unter den Sparmassnahmen 2017 einmal mehr der Deutsch-Zusatzunterricht erscheint. «Integration», gab er zu bedenken, «geht nur über die Sprache. Die Oberstufen, nicht nur die in Klingnau, sondern die im ganzen Kanton, haben aber zunehmend mit fremdsprachigen Kindern zu arbeiten.»

Franco Corsiglia, Schulleiter Oberstufe Unteres Aaretal

Franco Corsiglia, Schulleiter Oberstufe Unteres Aaretal

Louis Probst

Der Deutsch-Zusatz-Unterricht sei – wie vieles, das der Schule als teuer angelastet werde – nicht von der Schule erfunden worden, betonte er. Selbst wenn man die Schulbildung aufs Lesen, Schreiben und Rechnen reduzieren wolle, erfordere zumindest das Lesen und Schreiben die Kenntnis der Sprache.

«Wenn man die Sparmassnahmen anschaut und die steigenden Schülerzahlen», so Franco Corsiglia, «erscheint es seltsam, dass bei mehr Kindern weniger Lehrpersonen nötig sein sollen.» Und er ergänzt: «Man will zudem, dass die Schule auch erzieht und betreut. Da kann man sich schon die Frage stellen, weshalb die Schule teurer wird.»

Folge: teure Therapien

«Wir sparen, koste es, was es wolle», sagte Christine Bamberger, Schulleiterin der Primarschule Koblenz. «Die Sparmassnahmen werden uns noch teuer zu stehen kommen.» Mit Blick auf die Spar-Stundentafel, die bei der Primarschule den Verzicht auf drei Pflichtlektionen pro Woche vorsieht, stellte sie fest, dass damit vermehrt Schüler in teure Therapien geschickt werden müssten und damit bloss eine Verschiebung von Kosten resultiere.

Und durch den Verzicht auf Halbklassen falle ein grosser Teil der individuellen Förderung weg. «Lernen läuft über Beziehungen und braucht Zeit», erklärte sie. «Noch nie sind bei Schülerinnen und Schülern so viele individuelle Bedürfnisse festgestellt worden, wie heute. Dem müssen wir gerecht werden. Oder wir schicken die Kinder in Therapien.»

Fragen aus dem Publikum gab es wenige. Möglich, dass die zahlreichen Besucherinnen und Besucher tatsächlich «vom Sparen erschlagen» waren, wie Franco Corsiglia meinte. Immerhin wurden Fragen nach dem Zeitpunkt der Umsetzung der Sparmassnahmen, aber auch zu Sparpotenzialen bei den Schulevaluationen gestellt.

Trotz drohenden Sparmassnahmen richtet man bei der Oberstufe Unteres Aaretal den Blick nach vorn. Wie Daniela Koller von der Osua-Schulpflege erklärte, befasst man sich mit Abklärungen, wie die Forderungen des Kinderbetreuungsgesetzes sinnvoll umgesetzt werden können.

Real- und Sekschüler im Bez-Schulhaus

«An der Bezirksschule Klingnau werden jetzt auch zwei Sekundar- und zwei Realklassen unterrichtet», sagte Franco Corsiglia. Absicht der Osua ist es, alle 1. Oberstufenklassen unter einem Dach zu haben, mit dem Ziel eines stufenübergreifenden Unterrichts. Als weiteres Projekt nannte der Schulleiter die Aufgabenlounge, die demnächst eingeführt wird. Diese Lounge soll es ermöglichen, die Hausaufgaben in der Schule zu machen.