Würenlingen
Kampf gegen das Vergessen: Der nimmermüde Alt-Ammann veröffentlicht ein Buch über die Holzindustrie

Der Würenlinger Arthur Schneider hat seit 2014 vier Bücher geschrieben. Sein neuestes Werk handelt von der Geschichte der Holzindustrie im Unteren Aaretal.

Alexander Wagner
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Nach Zement, Flugzeugabsturz und Kriegsjahre nun das Thema «Holz»: Arthur Schneider mit seinem neuen Buch.

Nach Zement, Flugzeugabsturz und Kriegsjahre nun das Thema «Holz»: Arthur Schneider mit seinem neuen Buch.

Alexander Wagner

Arthur Schneider wird bald 80 Jahre alt. Doch sich gemütlich zurücklehnen ist für den ehemaligen Gemeindeammann nicht drin. In diesen Tagen publizierte er bereits sein viertes Buch im Eigenverlag. 2014 erschien sein erstes Werk «100 Jahre Zementi». Schneider hatte Freude an seinem Erstlingswerk. «Die jetzigen Besitzer weniger», meint er mit einem spitzbübischen Grinsen.

Schon ein Jahr später brachte er das Buch «Goodbye everybody» zum tragischen Flugzeugabsturz in Würenlingen her­aus. Dabei ging es Schneider, der 40 Jahre im Gemeinderat sass, darum, sich gegen das Vergessen zu wehren. Das ist auch seine grosse Motivation, weiterzuschreiben. «Ich war 70 Jahre lang aktiv. Da hat man sich ein grosses Wissen angeeignet und viele Erinnerungen gesammelt. Wenn man die nicht festhält, gehen sie verloren», ist er überzeugt. Nur drei Jahre später kam sein Buch «Die Kriegsjahre» heraus. Und jetzt folgt also das neueste Werk. «Holzindustrie im unteren Aaretal. Entstehung – Entwicklung – Untergang – Fortbestand».

Arthur Schneider: Holzindustrie im unteren Aaretal. Entstehung – Entwicklung – Untergang – Fortbestand
4 Bilder
Blick in das Buch: Es zeigt viele Bilder.

Arthur Schneider: Holzindustrie im unteren Aaretal. Entstehung – Entwicklung – Untergang – Fortbestand

Alexander Wagner

Das Thema Holz habe er nicht zwingend gesucht, erklärt Schneider. Er wurde von der Holzindustrie gebeten, die Geschichte festzuhalten. Gesagt, getan. Zuerst hat er alle Gemeinden von Kaiserstuhl bis Etzgen, über das Surbtal und von Koblenz bis Obersiggenthal angeschrieben, sein Projekt vorgestellt und um Unterlagen gebeten. Doch das Ergebnis war ernüchternd: «Der Rückfluss war sehr spärlich», meint er diplomatisch. So musste er auf eigene Faust recherchieren, denn in den rund 30 Gemeinden gab es sehr viele Betriebe in der Holzindustrie mit über 60 Unternehmen und rund 3000 Arbeitsplätzen. «Und ich wollte alle ins Boot holen», betont er.

Sein Vater holte ihn in den Holzhandel

Bereits sein Vater Johann Schneider war im Holzhandel tätig und ebenfalls mit der Gemeinde Würenlingen verbunden. Er führte das Steuer- und Betreibungsamt. Nach der Handelsschule und einem Bankpraktikum war eigentlich der berufliche Weg von Arthur Schneider in der Finanzbranche vorgezeichnet. Doch der Vater konnte die Sägewerk und Holzhandel AG in Koblenz als Mitaktionär übernehmen und schlug vor, dass sein Sohn Arthur die Administration übernehme.

Vernissage fiel ins Wasser

«In diesen Jahren war das noch so. Man war folgsam», erinnert er sich lachend an seinen Einstieg in den Holzhandel, dem er ein Leben lang und bis über das offizielle Pensionierungsalter treu blieb. Später konnte er die Ruedersäge AG in Schlossrued erwerben und war jetzt nicht nur im Holz­handel tätig, sondern auch noch Sägewerkbesitzer. Durch seine jahrzehntelange Tätigkeit in der Branche und die zahlreichen Beziehungen, die er im Geschäftsleben und in der Politik knüpfen konnte, kannte er viele Exponenten der Holzindustrie. «Ich bin ebe au en hölzige», sagt er lachend. Entstanden ist das Werk – im Gedenken an die Macher und Opfer, Tragödien und Schicksal. Im Mittelpunkt stehen Menschen, Wald und Holz.

Das Werk kam in diesen Tagen druckfrisch von der Presse. Eigentlich wäre eine Vernissage und Buchpräsentation geplant gewesen. Aber diese fiel, wie so vieles in Pandemiezeiten, ins Wasser.

An weiteren Ideen mangelt es ihm nicht

Für sein nächstes Buchprojekt lässt er sich Zeit. «Themen hätte ich schon...», meint er mit einem vielsagenden Lächeln. «Aber meine Frau hat nicht immer Freude daran.» Und möglicherweise auch die vier Kinder und neun Enkelkinder nicht, wenn sich der Grossvater wieder monatelang hinter Akten und Dokumenten verkriecht.

Arthur Schneider: Holzindustrie im unteren Aaretal. Entstehung – Entwicklung – Untergang – Fortbestand, 384 Seiten. Das Buch kann direkt beim Autor in Würenlingen für 50 Franken bezogen werden.