Kaiserstuhl
«Allein in der Sauna»: Trotz seichtem Text und raren Pointen ein Kabinettstück der Extraklasse

In der Komödie «Allein in der Sauna» begeistert vor allem der künstlerische Leiter Peter Niklaus Steiner als Schauspieler auf der Kaiserbühne. Am Samstag war Premiere.

Rosmarie Mehlin
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Steiners Performance als Solo-Saunist Hampi ist das Highlight des Stücks.

Steiners Performance als Solo-Saunist Hampi ist das Highlight des Stücks.

Zvg

Draussen schneit es, doch im Amtshauskeller ist es 90 Grad heiss. Jedenfalls auf der Bühne, auf der sich Hanspeter Hermann tummelt und ob solcher Hitze stöhnt. Er tut dies freiwillig, hat sogar dafür bezahlt, denn er schwitzt, wie er das regelmässig tut, in der Sauna. Allerdings fehlt diesmal sein Kumpel sowie, noch schlimmer, der – in Hampis Augen – absolut zentralste Anreiz zu einem Saunabesuch: Angestrengt durch den Dampfnebel sperbernd hält der «Middle Ager» vergeblich Ausschau nach weiblichen Gästen.

Würde Hampi indes in den Zuschauerraum spähen, sähe er viele Damen unterschiedlichen Alters. Die sind zwar nicht nackt, wohl aber blicken sie mit grösstem Interesse auf einen ebensolchen männlichen Oberkörper mit rasierten Achselhöhlen und wohldosiertem Brusthaar – Details, die Hampi im Verlauf des Abends nebst vielem anderem explizit thematisiert.

Super-Macho mit Super-Stammtisch-Frauenbild

Denn: Nebst Brust, Bauch und Beinen entblösst er im Verlaufe des Abends auch diverseste Facetten seines Privat- und Innenlebens. Zwecks Erweiterung des Monologs hat der Autor der Komödie, der im vergangenen September im Alter von 62 Jahren überraschend verstorbene Hamburger Frank Pinkus, dem Solo-Saunisten ein Natel zur Seite gelegt.

Da ein solches bei 90 Grad Celsius vermutlich den Geist aufgeben würde, findet sich auf der Bühne auch ein Sauna-Ruheraum. Obwohl ja nur einseitig hörbar, wird der geneigte Zuschauer durch Hampis Telefongespräche in dessen familiäre und berufliche Situation eingeweiht. Dabei – vor allem aber durch seine Selbstgespräche – entpuppt sich der Saunist zunächst als Super-Macho mit Super-Stammtisch-Frauenbild.

So schwärmt er beispielsweise von seinem Ideal eines Busens in der Form von «Kokosnuss oder Papaya», um sogleich seufzend den seiner Frau «zu Mandarinen neigend» zu umschreiben.

Vollgepackt mit Allgemeinplätzen

Feixend schildert Hampi die Reaktionen seiner Angetrauten auf seine Unzulänglichkeiten, die er postwendend seiner Verpflichtung, ein richtiger Mann zu sein, zuschreibt. Allerdings bröckelt, je länger der Saunabesuch dauert, desto mehr Hampis Selbstgefälligkeit und macht Selbstzweifeln Platz.

Je länger der Saunabesuch, desto mehr bröckelt Hampis Selbstgefälligkeit.

Je länger der Saunabesuch, desto mehr bröckelt Hampis Selbstgefälligkeit.

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So geht es nach der Pause im Amtshauskeller weiter mit einem der offenbar grössten Problemen der männlichen Menschheit – mit dem «kleinen Freund» und der grossen Frage nach dessen Idealmass. Doch Autor Pinkus hat sich noch in weitere komödiantische Sphären verstiegen, die in Schwester Josefas Methoden zur rechtzeitigen Gewinnung von Ejakulat-Proben gipfeln.

Das mag sich hier und jetzt etwas befremdlich lesen. Tatsache ist indes, dass der Autor «Allein in der Sauna» vollgepackt hat mit einem Sack voll Gemeinplätzen und Stammtisch-Sprüchen rund um das Verhältnis, respektive Verhalten zwischen Männlein und Weiblein. Entsprechend schwurbelt der Monolog ausgiebig um Hampis Gürtellinie, rutscht mal drüber, mal drunter.

Kein verlorener Abend

Auch wenn der Text ziemlich seicht ist, gute Pointen rar, und das sich arg in die Länge zieht, ist der Abend mitnichten ein verlorener, was zum allergrössten Teil Peter Niklaus Steiner zu verdanken ist: Der künstlerische Leiter der Kaiserbühne präsentiert als Schauspieler in einer zweistündigen Parforceleistung ein Kabinettstück der Extraklasse. Mimisch, gestisch und stimmlich verleiht der dem Solo-Saunisten höchst präzis und subtil eine ganze Palette von männlichen Charakterzügen, die zweifellos ganz besonders das weibliche Publikum – unabhängig vom Text – zum Schmunzeln bringen.

Die Regie von Kamil Krejci fordert von Steiner im ersten Teil etwas arg viel «Äkschen» – Bademantel ausziehen, Bademantel anziehen – doch auch das meistert der Schauspieler souverän. So hat der begeisterte Beifall an der Premiere zweifellos vor allem Peter Niklaus Steiner gegolten.

Sechs weitere Vorstellungen von «Allein in der Sauna» im Kaiserstuhler Amtshauskeller jeweils freitags und samstags, bis 30. April. www.kaiserbuehne.ch

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